Cyberkriminelle setzen derzeit auf eine besonders perfide Form des Anlagebetrugs. Mit täuschend echt gestalteten Internetseiten, die wie Beiträge der Tagesschau aussehen, sollen Verbraucher zu vermeintlich lukrativen Investments verleitet werden. Dabei nutzen die Täter bekannte Namen aus Politik und Fernsehen, um Glaubwürdigkeit vorzutäuschen.
Nach einer aktuellen Warnung werden unter anderem Persönlichkeiten wie Sandra Maischberger oder Tino Chrupalla in gefälschten Artikeln erwähnt. Die Beiträge wirken wie exklusive Enthüllungen oder Eilmeldungen und suggerieren, dass Prominente eine besonders gewinnbringende Geldanlage entdeckt oder öffentlich gemacht hätten.
Täuschend echte Nachrichten-Seiten
Das Vorgehen ist professionell. Nutzer stoßen häufig zunächst auf Anzeigen in sozialen Netzwerken. Nach einem Klick landen sie auf einer Internetseite, die optisch stark an bekannte Nachrichtenseiten erinnert.
Logos, Schriftarten, Bilder und Gestaltung sollen den Eindruck vermitteln, es handle sich um einen echten journalistischen Beitrag. Tatsächlich stehen hinter den Seiten jedoch keine Redaktionen, sondern Betreiber dubioser Investmentplattformen.
Besonders gefährlich ist, dass viele Verbraucher bekannten Medienmarken grundsätzlich Vertrauen entgegenbringen. Genau dieses Vertrauen versuchen die Täter auszunutzen.
Prominente werden ohne Zustimmung als Werbefiguren missbraucht
Ein häufiges Element solcher Betrugsmaschen sind angebliche Aussagen prominenter Persönlichkeiten. Ihnen werden Interviews, Investmenttipps oder Aussagen über außergewöhnlich erfolgreiche Handelsplattformen zugeschrieben.
In Wirklichkeit haben die genannten Personen mit den Angeboten regelmäßig nichts zu tun.
Die Täter hoffen darauf, dass Verbraucher aufgrund eines bekannten Namens weniger kritisch prüfen und schneller persönliche Daten hinterlassen oder Geld einzahlen.
Einstieg häufig mit 250 Euro
Nach dem Klick auf das angebliche Investmentangebot werden Interessierte meist aufgefordert, ihre Kontaktdaten einzugeben. Anschließend melden sich vermeintliche Anlageberater telefonisch.
Typischerweise beginnt die Investition mit einem vergleichsweise niedrigen Betrag – häufig etwa 250 Euro. Dadurch soll die Hemmschwelle für den Einstieg gesenkt werden.
Auf der Handelsplattform werden den Anlegern anschließend oft scheinbare Gewinne angezeigt. Diese Zahlen können jedoch vollständig manipuliert sein und müssen nicht bedeuten, dass tatsächlich Handelsgeschäfte durchgeführt wurden.
Aus kleinen Einzahlungen können große Verluste werden
Besonders gefährlich wird es, wenn angebliche Berater nach der ersten Einzahlung immer wieder zu höheren Investitionen drängen.
Verbrauchern wird beispielsweise erklärt, dass sich gerade eine außergewöhnliche Marktchance biete oder dass höhere Einzahlungen notwendig seien, um deutlich größere Gewinne zu erzielen.
Wer schließlich eine Auszahlung verlangt, erlebt häufig die nächste Stufe der Masche: Plötzlich sollen angebliche Steuern, Provisionen oder Freischaltungsgebühren bezahlt werden.
Am Ende kann das gesamte investierte Kapital verloren sein.
Verdächtige Internetadressen genau prüfen
Ein wichtiges Warnsignal ist die Internetadresse.
Gefälschte Nachrichtenseiten können optisch nahezu perfekt kopiert sein, doch die Domain unterscheidet sich meist vom Original. Im aktuellen Fall wird unter anderem eine Adresse mit der Bezeichnung tagesschau.finance genannt.
Eine solche Domain gehört nicht zum offiziellen Internetangebot der Tagesschau.
Verbraucher sollten sich deshalb niemals allein auf Logos oder das Design einer Website verlassen. Entscheidend ist die tatsächliche Internetadresse.
Typische Warnsignale erkennen
Besondere Vorsicht ist angebracht, wenn ein Investmentangebot mit außergewöhnlich hohen oder sogar garantierten Renditen wirbt. Aussagen wie „schnell reich werden“, „geheime Investmentmethode“ oder „garantierte Gewinne“ sind klassische Warnsignale.
Auch angebliche Enthüllungen prominenter Personen oder der Hinweis, ein Angebot sei nur für kurze Zeit verfügbar, sollen häufig lediglich psychologischen Druck erzeugen.
Seriöse Geldanlagen garantieren keine außergewöhnlichen Gewinne innerhalb kurzer Zeit.
So können sich Verbraucher schützen
Wer auf entsprechende Werbung stößt, sollte das Unternehmen hinter dem Angebot zunächst unabhängig recherchieren. Dabei sollte insbesondere geprüft werden, ob der Finanzdienstleister über eine erforderliche behördliche Zulassung verfügt.
Persönliche Daten, Ausweiskopien oder Bankinformationen sollten niemals auf unbekannten Plattformen hochgeladen werden.
Ebenso wichtig: Nicht über Links in Anzeigen auf angebliche Nachrichtenseiten zugreifen, sondern die Website des betreffenden Mediums selbst im Browser aufrufen und dort nach dem vermeintlichen Beitrag suchen.
Bereits Geld überwiesen? Schnell reagieren
Wer bereits Geld an eine verdächtige Plattform gezahlt hat, sollte keine weiteren Überweisungen leisten.
Betroffene sollten sämtliche Unterlagen sichern – darunter E-Mails, Chatverläufe, Telefonnummern, Kontodaten, Zahlungsnachweise und Screenshots der Plattform.
Anschließend sollte möglichst schnell die eigene Bank kontaktiert werden, um zu prüfen, ob Zahlungen noch zurückgerufen werden können. Zusätzlich kann eine Strafanzeige sinnvoll sein.
Vorsicht vor angeblichen Geld-Rückholern
Nach einem Investmentbetrug folgt nicht selten ein zweiter Betrugsversuch. Betroffene werden von angeblichen Anwälten, Ermittlern oder „Recovery“-Unternehmen kontaktiert, die versprechen, verlorenes Geld zurückzuholen.
Dafür sollen erneut Gebühren oder Vorauszahlungen geleistet werden.
Auch solche Angebote sollten äußerst kritisch geprüft werden. Es kann sich um Täter handeln, die bereits wissen, dass das Opfer zuvor Geld verloren hat und nun versuchen, ein zweites Mal abzukassieren.
Fazit
Der aktuelle Fall zeigt, wie professionell moderner Anlagebetrug inzwischen organisiert ist. Gefälschte Nachrichtenseiten, bekannte Medienmarken und prominente Persönlichkeiten werden gezielt eingesetzt, um Vertrauen zu erzeugen.
Für Verbraucher gilt deshalb: Ein professionelles Erscheinungsbild ist kein Beweis für Seriosität. Wer mit sensationellen Gewinnen, vermeintlichen Geheimtipps oder prominenten Empfehlungen zum schnellen Investieren gedrängt wird, sollte besonders skeptisch sein. Eine sorgfältige Prüfung von Domain, Anbieter und behördlicher Zulassung kann im Zweifel vor erheblichen finanziellen Verlusten schützen.