Die Windpark Redekin No. 2 GmbH & Co. KG hat das Geschäftsjahr 2024 mit einem höheren Gewinn abgeschlossen und ihre Verbindlichkeiten weiter reduziert. Der Jahresabschluss vermittelt damit zunächst ein solides Bild: Das Eigenkapital wächst, die langfristigen Schulden werden planmäßig zurückgeführt und die Gesellschaft verfügt über mehr als eine halbe Million Euro Bankguthaben.
Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch eine weiterhin stark fremdfinanzierte Projektgesellschaft. Ein erheblicher Teil der Schulden entfällt auf ein Gesellschafterdarlehen, ein Teil der Bankguthaben ist zugunsten der Kreditgeber verpfändet und die tatsächliche operative Ertragskraft bleibt wegen der verkürzten Offenlegung nur eingeschränkt nachvollziehbar.
Gewinn steigt auf mehr als 100.000 Euro
Die Gesellschaft erzielte 2024 einen Jahresüberschuss von 103.101,72 Euro. Im Vorjahr hatte der Gewinn noch 88.163,89 Euro betragen. Damit verbesserte sich das Jahresergebnis um knapp 15.000 Euro beziehungsweise rund 17 Prozent.
Für Anleger ist das zunächst ein positives Signal. Der Windpark arbeitet profitabel und konnte sein Ergebnis trotz des laufenden Werteverzehrs der Anlagen steigern.
Das Eigenkapital erhöhte sich dadurch von 555.902,98 Euro auf 659.004,70 Euro. Neben dem Jahresgewinn bestehen Rücklagen von rund 545.903 Euro. Das eigentliche Kommanditkapital fällt dagegen mit 10.000 Euro vergleichsweise niedrig aus.
Eigenkapitalquote verbessert sich – bleibt aber überschaubar
Die Bilanzsumme verringerte sich von 6,06 Millionen Euro auf 5,73 Millionen Euro. Dadurch stieg die Eigenkapitalquote rechnerisch von rund 9,2 Prozent auf etwa 11,5 Prozent.
Die Entwicklung geht damit in die richtige Richtung. Dennoch bleibt die Kapitalausstattung im Verhältnis zum Gesamtvermögen eher knapp. Mehr als 88 Prozent der Bilanz sind weiterhin durch Verbindlichkeiten, Rückstellungen und passive latente Steuern finanziert.
Für eine Windpark-Projektgesellschaft ist eine hohe Fremdfinanzierung nicht ungewöhnlich. Sie bedeutet aber, dass das Unternehmen dauerhaft auf stabile Stromerlöse und eine verlässliche technische Verfügbarkeit der Anlagen angewiesen bleibt.
Verbindlichkeiten werden planmäßig abgebaut
Positiv ist der weitere Schuldenabbau. Die Verbindlichkeiten sanken von 5,38 Millionen Euro auf 4,96 Millionen Euro. Das entspricht einem Rückgang von rund 426.000 Euro.
Auch die Fälligkeitsstruktur verbessert sich:
- kurzfristige Verbindlichkeiten: rund 345.000 Euro,
- Laufzeit zwischen einem und fünf Jahren: rund 1,47 Millionen Euro,
- Laufzeit von mehr als fünf Jahren: rund 3,14 Millionen Euro.
Vor allem die langfristigen Verpflichtungen wurden reduziert. Sie bleiben jedoch der mit Abstand größte Teil der Finanzierung.
Zwei Millionen Euro stammen von den Gesellschaftern
Von den gesamten Verbindlichkeiten entfallen unverändert 2 Millionen Euro auf ein langfristiges Gesellschafterdarlehen. Damit machen Gesellschafterverbindlichkeiten rund 40 Prozent aller Schulden aus.
Eine solche Finanzierung kann Vorteile haben, weil Gesellschafterdarlehen häufig flexibler gestaltet sind als klassische Bankkredite. Gleichzeitig zeigt sie, dass die Gesellschaft in erheblichem Umfang auf die finanzielle Unterstützung ihrer Eigentümer angewiesen ist.
Für Anleger wären deshalb nähere Angaben zu Verzinsung, Laufzeit, Rang und Kündigungsmöglichkeiten des Darlehens hilfreich gewesen. Diese Informationen enthält der veröffentlichte Abschluss nicht.
Windenergieanlagen verlieren planmäßig an Buchwert
Das Sachanlagevermögen verringerte sich von 5,33 Millionen Euro auf 5,05 Millionen Euro. Der Rückgang von rund 278.000 Euro dürfte im Wesentlichen auf planmäßige Abschreibungen zurückzuführen sein.
Bei einem laufenden Windpark ist diese Entwicklung normal. Die Anlagen verlieren bilanziell jedes Jahr an Wert, während die daraus erzielten Stromerlöse zur Deckung von Betriebskosten, Zinsen, Tilgungen und Ausschüttungen dienen sollen.
Neue größere Investitionen oder Erweiterungen sind im Abschluss nicht erkennbar.
Liquidität ist vorhanden – aber teilweise nicht frei verfügbar
Zum Bilanzstichtag verfügte die Gesellschaft über Bankguthaben von 562.520 Euro. Gegenüber dem Vorjahr ging die Liquidität um rund 37.600 Euro zurück, bleibt aber auf einem grundsätzlich komfortablen Niveau.
Allerdings sind davon 215.780 Euro zugunsten von Kreditinstituten verpfändet. Über rund 38 Prozent des ausgewiesenen Bankguthabens kann die Gesellschaft daher nicht frei verfügen.
Diese Mittel dienen offenbar als Sicherheit für die Finanzierung. Für die Beurteilung der kurzfristigen Zahlungsfähigkeit sollte deshalb nicht das gesamte Bankguthaben als frei verfügbare Liquiditätsreserve angesehen werden.
Banken verfügen über umfangreiche Sicherheiten
Von den gesamten Verbindlichkeiten sind rund 2,94 Millionen Euro durch Sicherungsübereignungen, Forderungsabtretungen und verpfändete Kontoguthaben abgesichert.
Die Banken haben damit Zugriff auf wesentliche Vermögenswerte und Zahlungsströme des Windparks. Solche Sicherheiten sind bei Projektfinanzierungen branchenüblich. Sie zeigen aber auch, dass die Kreditgeber im Krisenfall gegenüber den Eigenkapitalgebern eine deutlich stärkere Position besitzen.
Passive latente Steuern sinken
Die passiven latenten Steuern gingen von 42.381 Euro auf 31.833 Euro zurück. Dabei handelt es sich um künftige steuerliche Belastungen, die aus unterschiedlichen Wertansätzen in Handels- und Steuerbilanz entstehen können.
Der Rückgang entlastet die Bilanz leicht, spielt im Verhältnis zur Gesamtfinanzierung jedoch nur eine untergeordnete Rolle.
Keine eigenen Arbeitnehmer
Die Gesellschaft beschäftigte auch 2024 keine eigenen Mitarbeiter. Verwaltung, technische Betriebsführung und Wartung werden offenbar durch externe Dienstleister beziehungsweise verbundene Unternehmen übernommen.
Dieses Modell ist bei Windparkgesellschaften üblich und hält die eigene Organisation schlank. Es führt allerdings dazu, dass der wirtschaftliche Erfolg stark von externen Verträgen und Dienstleistern abhängt.
Begrenzte Transparenz erschwert die Bewertung
Die größte Schwäche des veröffentlichten Abschlusses liegt aus Anlegersicht nicht zwingend in den Zahlen, sondern in den fehlenden Informationen.
Aufgrund gesetzlicher Erleichterungen wurden weder eine vollständige Gewinn- und Verlustrechnung noch detaillierte Angaben zur operativen Entwicklung veröffentlicht. Außenstehende erfahren daher nicht,
- wie hoch die Stromerlöse waren,
- wie viel Strom tatsächlich produziert wurde,
- welche Wartungs- und Pachtkosten anfielen,
- wie hoch die Zinsbelastung war,
- oder wodurch der Gewinnanstieg konkret erreicht wurde.
Der Jahresüberschuss ist positiv. Ohne Kenntnis der zugrunde liegenden Ertrags- und Kostenstruktur lässt sich seine Nachhaltigkeit jedoch nur begrenzt beurteilen.
Kritische, aber faire Anlegerbewertung
Der Abschluss enthält mehrere klare Pluspunkte: Der Gewinn steigt, das Eigenkapital wächst und die Verbindlichkeiten werden planmäßig reduziert. Auch die vorhandene Liquidität spricht gegen akute finanzielle Schwierigkeiten.
Dem stehen eine weiterhin niedrige Eigenkapitalquote, hohe langfristige Schulden und die erhebliche Abhängigkeit von einem Gesellschafterdarlehen gegenüber. Hinzu kommt, dass ein beträchtlicher Teil des Bankguthabens verpfändet und somit nicht frei verfügbar ist.
Für Anleger ergibt sich deshalb ein insgesamt stabiles, aber nicht risikofreies Bild. Der Windpark scheint wirtschaftlich zu funktionieren und seine Finanzierung bedienen zu können. Die Kapitalstruktur bleibt jedoch stark fremdfinanziert und setzt voraus, dass die Anlagen dauerhaft verlässlich Strom produzieren und ausreichende Erlöse erzielen.
Fazit
Die Windpark Redekin No. 2 GmbH & Co. KG hat 2024 Fortschritte erzielt. Der höhere Jahresüberschuss, der Eigenkapitalaufbau und die sinkenden Verbindlichkeiten sprechen für eine geordnete Entwicklung.
Von einer besonders komfortablen Finanzlage kann dennoch nicht gesprochen werden. Die Gesellschaft bleibt hoch verschuldet, ein großer Teil der Finanzierung stammt von den Gesellschaftern und wesentliche Vermögenswerte sowie Kontoguthaben dienen den Banken als Sicherheit.
Aus Anlegersicht überwiegen derzeit die positiven Signale. Entscheidend wird jedoch sein, ob der Windpark seine Gewinne auch in den kommenden Jahren steigern, die langfristigen Schulden weiter reduzieren und seine Eigenkapitalbasis nachhaltig ausbauen kann.