Die Gruppe der großen Ölförderländer OPEC+ hat beschlossen, die erlaubte Fördermenge für Rohöl erneut zu erhöhen. Es ist bereits das sechste Mal in Folge, dass die Staatengruppe ihre Förderobergrenze anhebt. Ab September dürfen die beteiligten Länder zusammen täglich 188.000 Barrel mehr Öl fördern. Ein Barrel entspricht 159 Litern.
Die Entscheidung bedeutet jedoch nicht automatisch, dass künftig auch tatsächlich mehr Öl auf den Weltmarkt kommt. Die beschlossene Fördermenge ist lediglich eine Obergrenze. Jedes Land entscheidet selbst, ob und in welchem Umfang es diese Menge tatsächlich fördern kann. Manche Staaten verfügen nicht über ausreichende Förderkapazitäten, andere werden durch politische oder technische Probleme eingeschränkt.
Ein Beispiel ist Saudi-Arabien. Das Land gehört zu den größten Ölförderern der Welt. Dennoch konnte es seine zuletzt erlaubte Fördermenge nicht vollständig ausschöpfen. Ein Grund dafür sind die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten. Besonders wichtig ist dabei die Straße von Hormus – eine nur wenige Kilometer breite Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman. Durch sie wird ein erheblicher Teil des weltweit gehandelten Erdöls mit Tankschiffen transportiert. Kommt es dort zu Behinderungen oder militärischen Auseinandersetzungen, können Öllieferungen verzögert oder sogar verhindert werden. Dadurch gelangt weniger Öl auf den Weltmarkt, selbst wenn die Förderung grundsätzlich erlaubt wäre.
Die OPEC wurde 1960 gegründet und hat ihren Sitz in Wien. Ihr gehören mehrere große Erdöl exportierende Staaten an. Gemeinsam mit weiteren Förderländern – darunter Russland – bildet sie die sogenannte OPEC+. Rechtlich handelt es sich dabei nicht um eine internationale Behörde, sondern um einen freiwilligen Zusammenschluss souveräner Staaten. Die Mitglieder verpflichten sich nicht durch einen völkerrechtlichen Vertrag, sondern stimmen ihre Förderpolitik regelmäßig in gemeinsamen Treffen ab.
Ziel der OPEC+ ist es, Angebot und Nachfrage auf dem Weltmarkt zu beeinflussen. Wird weniger Öl gefördert, wird das Angebot knapper. Das kann die Preise steigen lassen. Wird die Förderung ausgeweitet, soll mehr Öl verfügbar sein. Dadurch können steigende Preise gebremst oder sogar gesenkt werden. Ob das tatsächlich gelingt, hängt jedoch auch von der weltweiten Nachfrage sowie von politischen Krisen und Transportmöglichkeiten ab.
Seit den militärischen Angriffen der USA und Israels auf Ziele im Iran Ende Februar ist der Ölpreis deutlich gestiegen. Die internationale Rohölsorte Brent kostet derzeit rund 88 US-Dollar pro Barrel und damit etwa 26 Prozent mehr als zuvor. Der Ölpreis ist ein wichtiger Maßstab für die Kosten von Benzin, Diesel und Heizöl. Steigt der Rohölpreis dauerhaft, verteuern sich häufig auch Kraftstoffe und Heizöl für Verbraucher. Allerdings wirken sich zusätzlich Faktoren wie Steuern, Raffineriekosten, Transportkosten und der Wechselkurs zwischen Euro und US-Dollar auf die Preise an den Tankstellen aus.
Die erneute Anhebung der Förderobergrenze zeigt daher vor allem, dass die OPEC+ grundsätzlich mehr Öl auf den Markt bringen möchte. Ob Verbraucher dadurch in den kommenden Wochen tatsächlich günstigere Energiepreise erleben, hängt jedoch davon ab, ob die Mitgliedstaaten die zusätzlichen Mengen fördern und sicher auf die Weltmärkte transportieren können.