Mit dem eigenen Auto in den Urlaub zu fahren bedeutet für viele Reisende maximale Flexibilität. Spontane Zwischenstopps, individuelle Routen und unabhängiges Reisen machen den Pkw für viele Familien zur ersten Wahl. Doch wer die Landesgrenzen überschreitet, muss sich nicht nur auf andere Verkehrsregeln einstellen. In nahezu allen europäischen Urlaubsländern fallen Mautgebühren an, hinzu kommen Umweltzonen, City-Mauten und digitale Registrierungspflichten. Wer diese Vorschriften ignoriert, riskiert empfindliche Bußgelder, die häufig erst Wochen oder Monate nach dem Urlaub im Briefkasten landen.
Verbraucherschützer und Automobilclubs raten deshalb dringend dazu, sich bereits vor Reisebeginn umfassend über die Regelungen im jeweiligen Urlaubsland zu informieren. Denn längst genügt es nicht mehr, lediglich eine Autobahnvignette zu kaufen. In vielen Städten sind zusätzliche Anmeldungen oder digitale Zufahrtsgenehmigungen erforderlich.
Europa setzt zunehmend auf digitale Mautsysteme
Während früher vielerorts klassische Mautstationen das Bild prägten, setzen immer mehr Länder inzwischen auf elektronische Erfassungssysteme. Kameras lesen Kennzeichen automatisch aus, Gebühren werden digital berechnet oder nachträglich in Rechnung gestellt.
Je nach Land gelten dabei unterschiedliche Modelle. Manche Staaten verlangen eine zeitlich begrenzte Vignette, andere berechnen die Gebühren nach der tatsächlich gefahrenen Strecke. Hinzu kommen Sondermauten für Tunnel, Brücken oder Alpenpässe.
Gerade diese Vielfalt macht die Reiseplanung zunehmend kompliziert.
Österreich bleibt vorerst beim bekannten „Pickerl“
Wer nach Österreich fährt, benötigt für Autobahnen und Schnellstraßen weiterhin eine Vignette. Zusätzlich fallen auf einigen Strecken, etwa an wichtigen Tunneln oder Alpenpässen, gesonderte Mautgebühren an.
Allerdings steht eine grundlegende Änderung bevor. Nach Angaben des ADAC wird 2026 das letzte Jahr sein, in dem die klassische Klebevignette angeboten wird. Ab 2027 soll die Nutzung vollständig auf digitale Vignetten umgestellt werden.
Italien, Frankreich und Spanien setzen auf Streckenmaut
In beliebten Urlaubsländern wie Italien, Frankreich oder Spanien bezahlen Autofahrer ihre Maut überwiegend nach der gefahrenen Strecke.
In Italien erfolgt die Zahlung meist beim Verlassen der Autobahn. Schnellstraßen bleiben dagegen in vielen Fällen mautfrei. Frankreich erhebt Gebühren auf den meisten Autobahnen, wobei sich die Bezahlmöglichkeiten je nach Betreiber unterscheiden können.
Auch Spanien setzt überwiegend auf streckenabhängige Gebühren. Eine landesweite Vignette ist dort nicht erforderlich.
Elektronische Vignetten werden zum Standard
Immer mehr Länder verzichten inzwischen vollständig auf Klebevignetten.
In Ungarn benötigen Autofahrer für Autobahnen und Schnellstraßen die elektronische e-Matrica, die je nach gewünschter Laufzeit für einen Tag, zehn Tage, einen Monat oder ein Jahr erworben werden kann.
Auch Tschechien setzt ausschließlich auf digitale Vignetten, die direkt mit dem Fahrzeugkennzeichen verknüpft werden. Österreich folgt diesem Trend in den kommenden Jahren ebenfalls.
Portugal wiederum verlangt auf vielen Autobahnen eine elektronische Mauterfassung. Häufig ist dafür ein Transponder notwendig, da eine Barzahlung nicht mehr überall möglich ist.
Kroatien modernisiert sein Mautsystem
Auch Kroatien erhebt auf Autobahnen sowie einzelnen Brücken und Tunneln streckenabhängige Gebühren.
Bislang erfolgt die Zahlung überwiegend an klassischen Mautstationen per Bargeld oder Kreditkarte. Allerdings plant das Land eine umfassende Digitalisierung seines Systems. Ein elektronisches Bezahlsystem soll künftig die bisherigen Mautstationen ergänzen beziehungsweise ersetzen und den Verkehrsfluss verbessern.
Skandinavien rechnet automatisch ab
Wer nach Norwegen oder Schweden reist, muss sich häufig um keine unmittelbare Zahlung kümmern. Kameras erfassen das Kennzeichen automatisch, die Gebühren werden anschließend berechnet und dem Fahrzeughalter in Rechnung gestellt.
Genau darin liegt allerdings auch eine mögliche Kostenfalle.
Treffen Rechnungen erst nach der Rückkehr aus dem Urlaub ein und werden Zahlungsfristen versäumt, können zusätzliche Gebühren oder Mahnkosten entstehen. Deshalb empfehlen Experten, sich bereits vor Reiseantritt über die jeweiligen Online-Portale der Verkehrsbehörden zu informieren und offene Beträge zeitnah zu begleichen.
Umweltzonen werden für Urlauber immer wichtiger
Neben der klassischen Autobahnmaut sorgen vor allem Umweltzonen und City-Mauten für Unsicherheit.
Zahlreiche europäische Großstädte beschränken inzwischen den Autoverkehr, um Luftverschmutzung und Verkehrsaufkommen zu reduzieren. Für viele Innenstädte reicht deshalb eine Mautvignette allein nicht mehr aus.
Häufig ist zusätzlich eine vorherige Online-Registrierung erforderlich.
Hohe Bußgelder drohen bei fehlender Anmeldung
Besonders streng kontrollieren einige Städte die Einfahrt mithilfe automatischer Kennzeichenerfassung.
In der kroatischen Stadt Dubrovnik müssen Autofahrer ihr Kennzeichen vor der Einfahrt registrieren. Erfolgt dies nicht, drohen Bußgelder von mehreren hundert Euro.
Auch belgische Städte wie Brüssel, Antwerpen oder Gent setzen auf digitale Umweltzonen. Nicht registrierte Fahrzeuge werden automatisch erkannt und mit Bußgeldern belegt.
Italiens Innenstädte bleiben eine Kostenfalle
Besonders häufig geraten Urlauber in Italien in Schwierigkeiten.
Viele historische Stadtzentren verfügen über sogenannte „Zona a Traffico Limitato“ (ZTL). Diese verkehrsbeschränkten Bereiche dürfen häufig ausschließlich von Anwohnern oder besonders berechtigten Fahrzeugen befahren werden.
Da die Zufahrten kameragestützt überwacht werden, erhalten viele Urlauber erst Wochen später Post mit Bußgeldbescheiden. Je nach Stadt können zusätzliche Verwaltungs- und Inkassokosten hinzukommen.
Einige italienische Städte verlangen darüber hinaus eine gesonderte City-Maut, für die vorab digitale Tickets erworben werden müssen.
London und andere Städte verlangen City-Maut
Auch Großbritannien erhebt in mehreren Städten Gebühren für die Einfahrt.
In London müssen Autofahrer sowohl die Congestion Charge als auch – je nach Fahrzeug – Gebühren für Umweltzonen beachten. Wer die Zahlung versäumt, muss häufig mit erheblichen Nachforderungen rechnen.
Ähnliche Systeme existieren inzwischen unter anderem auch in Birmingham, Bristol, Oxford und Durham.
Frankreich setzt dagegen auf Umweltplaketten, die sichtbar an der Windschutzscheibe angebracht werden müssen. Da deren Versand einige Zeit in Anspruch nehmen kann, sollten Urlauber die Bestellung rechtzeitig vor Reisebeginn erledigen.
Moderne Technik erleichtert die Reise
Wer mehrere Länder durchquert, kann inzwischen auf sogenannte Mautboxen zurückgreifen. Diese kleinen Geräte werden an der Windschutzscheibe befestigt und erfassen automatisch anfallende Gebühren. In vielen Ländern ermöglichen sie zudem die Nutzung spezieller Schnellspuren an Mautstationen und verkürzen dadurch Wartezeiten erheblich.
Daneben bieten Automobilclubs und spezialisierte Anbieter umfangreiche Informationsportale an, über die sich Vignetten erwerben oder Fahrzeuge für Umweltzonen registrieren lassen.
Gute Vorbereitung schützt vor teuren Überraschungen
Die Zahl unterschiedlicher Mautsysteme und Zufahrtsbeschränkungen nimmt in Europa kontinuierlich zu. Gleichzeitig werden die Kontrollen durch digitale Kennzeichenerfassung immer effizienter. Verstöße bleiben daher nur selten unentdeckt.
Wer mit dem eigenen Auto ins Ausland reist, sollte deshalb nicht nur an die klassische Autobahnmaut denken, sondern auch Umweltzonen, City-Mauten und Registrierungspflichten in den Reiseländern prüfen. Eine sorgfältige Vorbereitung kostet nur wenige Minuten – kann aber Bußgelder in dreistelliger Höhe vermeiden und sorgt dafür, dass der Urlaub ohne unangenehme Überraschungen endet.