Fünf Windräder, zwölf Megawatt Leistung und ein Investitionsvolumen von fast 20 Millionen Euro: Der Windpark Geisberg ist ein bedeutendes Energieprojekt der Stadtwerke Viernheim und Bad Vilbel. Der Jahresabschluss 2024 zeigt deutliche Fortschritte beim Schuldenabbau. Gleichzeitig machen hohe kurzfristige Verpflichtungen und geringe Bankguthaben deutlich, dass die Finanzlage differenziert betrachtet werden muss.
Der Windpark Geisberg hat im Geschäftsjahr 2024 einen weiteren Schritt in Richtung Entschuldung gemacht. Die Windpark Geisberg GmbH & Co. KG reduzierte ihre gesamten Verbindlichkeiten innerhalb eines Jahres um knapp 980.000 Euro. Besonders deutlich sank die Verschuldung gegenüber Kreditinstituten: Die Bankdarlehen gingen von 4,545 Millionen Euro auf 3,635 Millionen Euro zurück.
Damit wurden im Laufe des Jahres 910.000 Euro an Bankkrediten getilgt. Der Rückgang entspricht exakt dem Betrag, der auch für das kommende Jahr als kurzfristig fällige Bankverbindlichkeit ausgewiesen wird. Dies deutet auf einen planmäßigen und klar strukturierten Tilgungsverlauf hin.
Der Jahresabschluss vermittelt jedoch kein uneingeschränkt komfortables Bild. Zwar sinkt die langfristige Fremdfinanzierung deutlich, zugleich stehen kurzfristigen Verbindlichkeiten von rund 2,70 Millionen Euro lediglich 828.000 Euro Umlaufvermögen gegenüber. Die unmittelbar verfügbaren Bankguthaben betragen sogar nur rund 68.000 Euro.
Die finanzielle Stabilität des Windparks hängt damit weiterhin wesentlich von laufenden Einnahmen aus der Stromproduktion, der Unterstützung durch die beteiligten Stadtwerke und der konkreten Ausgestaltung der Gesellschafterverbindlichkeiten ab.
Fünf Anlagen mit insgesamt zwölf Megawatt
Die Gesellschaft mit Sitz in Viernheim betreibt fünf Windenergieanlagen des Herstellers Nordex. Bei den Anlagen handelt es sich um den Typ N117/2400. Jede Windkraftanlage verfügt über eine Nennleistung von 2,4 Megawatt.
Insgesamt kommt der Windpark damit auf eine installierte Leistung von zwölf Megawatt. Wie viel Strom die Anlagen im Geschäftsjahr 2024 tatsächlich erzeugten und welche Umsätze damit erzielt wurden, lässt sich aus den veröffentlichten Bilanz- und Anhangangaben allerdings nicht ablesen. Eine Gewinn-und-Verlust-Rechnung mit Angaben zu Umsatzerlösen, Betriebskosten und Jahresergebnis ist in den vorliegenden Daten nicht enthalten.
Entsprechend erlaubt der veröffentlichte Abschluss vor allem Aussagen über die Vermögens- und Finanzstruktur – nicht jedoch über die operative Ertragslage des Jahres 2024.
Bilanzsumme sinkt um mehr als eine Million Euro
Die Bilanzsumme verringerte sich von rund 10,80 Millionen Euro Ende 2023 auf etwa 9,70 Millionen Euro zum 31. Dezember 2024. Das entspricht einem Rückgang von rund 1,09 Millionen Euro beziehungsweise gut zehn Prozent.
Der wesentliche Grund dafür liegt im sinkenden Buchwert der Windenergieanlagen. Das Sachanlagevermögen reduzierte sich von rund 9,75 Millionen Euro auf 8,79 Millionen Euro.
Bei Windparks ist eine solche Entwicklung grundsätzlich typisch. Die Anlagen werden über ihre wirtschaftliche Nutzungsdauer planmäßig abgeschrieben. Obwohl sie weiterhin Strom produzieren, sinkt ihr bilanzieller Wert Jahr für Jahr.
Im Geschäftsjahr 2024 wurden Abschreibungen von rund 985.800 Euro vorgenommen. Gleichzeitig investierte die Gesellschaft lediglich 24.500 Euro neu in das Sachanlagevermögen. Unter dem Strich verringerte sich der Buchwert der technischen Anlagen daher um rund 961.000 Euro.
Die ursprünglichen Anschaffungs- und Herstellungskosten des Windparks belaufen sich inzwischen auf rund 19,61 Millionen Euro. Davon sind bis Ende 2024 insgesamt etwa 10,82 Millionen Euro abgeschrieben worden. Damit liegt der verbleibende Buchwert der Anlagen bei knapp 8,79 Millionen Euro.
Kapital der Kommanditisten bleibt unverändert
Das Eigenkapital wird mit 3,9 Millionen Euro ausgewiesen und blieb gegenüber dem Vorjahr unverändert. Es besteht vollständig aus den Kapitalanteilen der Kommanditisten.
Gemessen an der Bilanzsumme entspricht dies einer rechnerischen Eigenkapitalquote von rund 40 Prozent. Im Vorjahr hatte sie aufgrund der höheren Bilanzsumme noch bei etwa 36 Prozent gelegen.
Die verbesserte Eigenkapitalquote resultiert allerdings nicht aus einem ausgewiesenen Gewinnzuwachs, sondern vor allem aus der gesunkenen Bilanzsumme und dem Abbau der Verbindlichkeiten. Ob die Gesellschaft im Geschäftsjahr 2024 einen Gewinn oder Verlust erwirtschaftete, ist aus den vorliegenden Bilanzdaten nicht ersichtlich.
Kommanditisten sind die Stadtwerke Viernheim GmbH und die Stadtwerke Bad Vilbel GmbH. Persönlich haftende Gesellschafterin ist die VBV Wind GmbH mit Sitz in Bad Vilbel.
Der Windpark ist damit mittelbar kommunal geprägt. Die Gesellschaft wird entsprechend ihrer Beteiligungsquote anteilig in den Konzernabschluss der Stadtwerke Viernheim einbezogen.
Bankverbindlichkeiten sinken um 20 Prozent
Die auffälligste Verbesserung zeigt sich bei den Darlehen. Die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten reduzierten sich binnen eines Jahres um 910.000 Euro – von 4,545 Millionen Euro auf 3,635 Millionen Euro.
Das entspricht einem Rückgang um 20 Prozent.
Von den verbleibenden Bankschulden werden 910.000 Euro innerhalb eines Jahres fällig. Weitere 2,725 Millionen Euro haben eine Restlaufzeit von mehr als einem Jahr. Verbindlichkeiten mit einer Laufzeit von mehr als fünf Jahren bestehen zum Bilanzstichtag nicht mehr.
Damit befindet sich die Projektfinanzierung bereits in einer fortgeschrittenen Tilgungsphase. Bleibt das aktuelle jährliche Tilgungsvolumen bestehen, würde sich die Bankverschuldung in den kommenden Jahren weiter deutlich reduzieren.
Die Kredite sind umfangreich abgesichert. Zu den Sicherheiten gehören Konzernbürgschaften der Stadtwerke Viernheim und Bad Vilbel von jeweils 380.000 Euro, die Sicherungsübereignung der Windkraftanlagen, die Abtretung von Ansprüchen aus der Stromeinspeisung und aus Nutzungsverträgen sowie Eintrittsrechte der Banken in verschiedene Verträge.
Solche Sicherheiten sind bei projektfinanzierten Windparks üblich. Die finanzierenden Banken greifen dabei nicht allein auf die Gesellschaft zurück, sondern sichern sich insbesondere den Zugriff auf die Anlagen und die daraus entstehenden Zahlungsströme.
Hohe Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern
Neben den Bankdarlehen weist die Gesellschaft Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern von rund 1,54 Millionen Euro aus. Im Vorjahr waren es noch etwa 1,77 Millionen Euro.
Der Rückgang um rund 231.000 Euro entlastet die Bilanz, dennoch bleibt dieser Posten erheblich. Der größte Teil entfällt auf sonstige Verbindlichkeiten gegenüber den Kommanditisten. Gegenüber dem persönlich haftenden Gesellschafter bestehen zusätzlich Verpflichtungen von rund 150.000 Euro.
Hinzu kommen Liefer- und Leistungsverbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern von rund 80.600 Euro.
Entscheidend ist, dass sämtliche Gesellschafterverbindlichkeiten als innerhalb eines Jahres fällig ausgewiesen werden. Zusammen mit den kurzfristigen Bankraten, Lieferantenverbindlichkeiten und Steuerverbindlichkeiten führt dies zu einem hohen kurzfristigen Finanzierungsbedarf.
Ob die Gesellschafterforderungen tatsächlich kurzfristig in voller Höhe abgerufen werden oder innerhalb des Beteiligungskreises verlängert beziehungsweise verrechnet werden können, geht aus dem Abschluss nicht hervor.
Geringes Bankguthaben trifft auf hohe kurzfristige Verpflichtungen
Zum Bilanzstichtag verfügte der Windpark über Guthaben bei Kreditinstituten von lediglich rund 68.000 Euro. Ein Jahr zuvor waren es noch knapp 79.500 Euro.
Die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände beliefen sich auf rund 760.400 Euro. Damit verfügte die Gesellschaft insgesamt über Umlaufvermögen von rund 828.400 Euro.
Dem standen kurzfristig fällige Verbindlichkeiten von rund 2,70 Millionen Euro gegenüber. Rein bilanziell ergibt sich damit eine deutliche Lücke zwischen kurzfristig verfügbaren Vermögenswerten und kurzfristigen Verpflichtungen.
Diese Konstellation muss nicht automatisch auf akute Zahlungsprobleme hindeuten. Windparkgesellschaften erzielen regelmäßig laufende Einnahmen aus der Stromerzeugung und arbeiten häufig mit eng abgestimmten Zahlungsströmen. Zudem besteht ein großer Teil der kurzfristigen Verpflichtungen gegenüber den eigenen Gesellschaftern.
Dennoch zeigt die Bilanz, dass der finanzielle Spielraum aus vorhandenen Bankguthaben begrenzt ist. Betriebsunterbrechungen, unerwartete Reparaturen oder schwächere Stromerträge könnten deshalb stärker ins Gewicht fallen als bei einer Gesellschaft mit höheren Liquiditätsreserven.
Lieferantenverbindlichkeiten steigen deutlich
Während die Bank- und Gesellschafterverbindlichkeiten zurückgingen, erhöhten sich die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen erheblich.
Sie stiegen von rund 65.300 Euro auf etwa 206.400 Euro und haben sich damit mehr als verdreifacht. Warum dieser Posten so deutlich zunahm, erläutert der Anhang nicht.
Mögliche Ursachen könnten später eingegangene oder zum Jahresende noch nicht bezahlte Rechnungen für Wartung, technische Betriebsführung, Reparaturen oder sonstige Dienstleistungen sein. Eine eindeutige Einordnung ist anhand der veröffentlichten Angaben jedoch nicht möglich.
Auch die sonstigen Verbindlichkeiten erhöhten sich von rund 22.100 Euro auf 42.600 Euro. Sie bestehen vollständig aus Steuerverbindlichkeiten.
Rückstellungen gehen zurück
Die Rückstellungen reduzierten sich von rund 491.300 Euro auf etwa 378.400 Euro. Das entspricht einem Rückgang um rund 113.000 Euro beziehungsweise knapp 23 Prozent.
Rückstellungen werden für bereits erkennbare, hinsichtlich ihrer genauen Höhe oder ihres Fälligkeitszeitpunkts aber noch ungewisse Verpflichtungen gebildet. Welche Risiken und Verpflichtungen im Fall des Windparks Geisberg konkret den größten Anteil ausmachen, wird im Anhang nicht näher aufgeschlüsselt.
Grundsätzlich berücksichtigt die Gesellschaft bei langfristigen Rückstellungen auch erwartete Kosten- und Preissteigerungen. Soweit dies für die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage wesentlich ist, werden solche Verpflichtungen nach den handelsrechtlichen Vorschriften abgezinst.
Zins-Swap mit negativem Marktwert
Ein besonderes Finanzierungsinstrument ist der zum Bilanzstichtag bestehende Zins-Swap. Er besitzt einen Nominalwert von 3,635 Millionen Euro und entspricht damit exakt der Höhe der ausgewiesenen Bankverbindlichkeiten.
Der Marktwert des Derivats lag zum Jahresende bei minus 89.605,71 Euro.
Mit einem Zins-Swap können Unternehmen Zinsänderungsrisiken absichern. Dabei werden variable und feste Zinszahlungen gegeneinander getauscht. Im Fall des Windparks sind sowohl das Darlehen als auch der variable Teil des Swaps an den Drei-Monats-Euribor gekoppelt.
Die Laufzeit und die Tilgungsstruktur des neuen Darlehens entsprechen laut Anhang der Struktur des Zins-Swaps. Das Instrument soll damit die Zinsbelastung aus der Projektfinanzierung kalkulierbarer machen.
Ein negativer Marktwert bedeutet nicht zwangsläufig, dass unmittelbar eine Zahlung in dieser Höhe fällig wird. Er zeigt vielmehr, welchen Wert das Finanzinstrument am Bilanzstichtag bei einer marktgerechten Bewertung hatte.
Verpflichtungen aus Nutzung und Dienstleistungen
Neben den bilanzierten Schulden bestehen weitere finanzielle Verpflichtungen. Für Nutzungsrechte werden rund 72.000 Euro genannt. Aus Dienstleistungsverträgen ergeben sich Verpflichtungen von rund 514.000 Euro.
Davon entfallen etwa 89.000 Euro auf Gesellschafter sowie verbundene oder assoziierte Unternehmen.
Ein sogenanntes Bestellobligo, also verbindliche Verpflichtungen aus bereits erteilten, aber noch nicht ausgeführten Investitionsaufträgen, bestand zum Bilanzstichtag nicht. Größere bereits vertraglich gebundene Neuinvestitionen waren demnach nicht vorgesehen.
Entschuldung schreitet voran – Aussage zur Rentabilität bleibt offen
Der Jahresabschluss 2024 zeigt einen Windpark, dessen ursprüngliche Investitionen zunehmend abgeschrieben und dessen Bankkredite planmäßig zurückgeführt werden. Die Bankschulden sanken um ein Fünftel, die Gesamtverbindlichkeiten um mehr als 15 Prozent. Gleichzeitig verbesserte sich die rechnerische Eigenkapitalquote auf rund 40 Prozent.
Diese Kennzahlen sprechen für einen fortschreitenden finanziellen Reifeprozess des Projekts.
Eine abschließende Beurteilung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit ist dennoch nicht möglich. Weder Umsatzerlöse noch Stromproduktion, Betriebsergebnis, Zinsaufwand oder Jahresüberschuss sind in den vorliegenden Angaben enthalten. Damit bleibt offen, wie profitabel die fünf Windkraftanlagen 2024 tatsächlich arbeiteten und wie stark wetterbedingte Ertragsschwankungen das Ergebnis beeinflussten.
Kritisch zu beobachten bleibt zudem das Verhältnis zwischen kurzfristigem Umlaufvermögen und kurzfristigen Verbindlichkeiten. Die geringe Barreserve und die hohen innerhalb eines Jahres fälligen Verpflichtungen zeigen, dass die Gesellschaft auf verlässliche laufende Einnahmen und die finanzielle Abstimmung mit ihren kommunalen Gesellschaftern angewiesen ist.
Fazit
Der Windpark Geisberg kommt beim Schuldenabbau sichtbar voran. Besonders die planmäßige Tilgung von 910.000 Euro an Bankdarlehen stärkt die langfristige Finanzstruktur. Die stabile Eigenkapitalbasis und die Unterstützung zweier kommunaler Stadtwerke bilden zusätzliche Stützen.
Gleichzeitig ist der finanzielle Spielraum kurzfristig begrenzt. Bankguthaben von nur 68.000 Euro stehen erheblichen kurzfristigen Verpflichtungen gegenüber. Ein beträchtlicher Teil davon entfällt zwar auf die eigenen Gesellschafter, doch die Bilanz macht deutlich, dass ein störungsfreier Betrieb und kontinuierliche Einnahmen aus der Stromproduktion entscheidend bleiben.
Der Jahresabschluss zeichnet deshalb weder das Bild eines Problemfalls noch das eines uneingeschränkt komfortabel finanzierten Unternehmens. Er zeigt vielmehr ein kapitalintensives Energieprojekt in einer fortgeschrittenen Finanzierungsphase: Die Schulden sinken, die Anlagen werden weiter abgeschrieben – und der wirtschaftliche Erfolg hängt zunehmend davon ab, wie zuverlässig die fünf Windräder Strom und damit laufende Erlöse liefern.