Lithiumbatterien stecken heute in Smartphones, E-Bikes, Werkzeugen oder Spielzeug – doch viele landen noch immer im Restmüll. Das hat gravierende Folgen: Neben dem Verlust wertvoller Rohstoffe verursachen falsch entsorgte Batterien immer häufiger Brände in Müllfahrzeugen und Recyclinganlagen. Der Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB) fordert deshalb ein Cash-back-System, das Verbraucher für die Rückgabe finanziell belohnt.
Die Entsorgung von Lithiumbatterien entwickelt sich zunehmend zu einer Herausforderung für die Abfallwirtschaft. Nach Angaben des Verbands Österreichischer Entsorgungsbetriebe werden jedes Jahr Millionen Batterien nicht ordnungsgemäß entsorgt. Die Folge sind erhebliche Sicherheitsrisiken, wirtschaftliche Verluste und Schwierigkeiten beim Erreichen europäischer Recyclingziele.
Über mögliche Lösungen diskutierten Vertreter der Entsorgungswirtschaft gemeinsam mit Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP) bei einem runden Tisch.
Millionen Batterien landen im falschen Müll
Nach einer Hochrechnung der Montanuniversität Leoben werden in Österreich jährlich rund 17 Millionen Lithiumbatterien nicht korrekt entsorgt.
Statt über Sammelstellen oder den Handel zurückgegeben zu werden, gelangen viele Akkus in den Restmüll oder in andere ungeeignete Abfallströme. Dadurch gehen nicht nur wertvolle Rohstoffe verloren – auch das Risiko gefährlicher Brände steigt erheblich.
Mehr als 1.000 Brände in 18 Jahren
Die Entsorgungsbranche verweist auf eine alarmierende Entwicklung.
Nach Angaben des VOEB führten falsch entsorgte Lithiumbatterien in den vergangenen 18 Jahren zu mehr als 1.000 öffentlich bekannt gewordenen Bränden. Besonders gefährdet sind Müllfahrzeuge, Sortieranlagen und Recyclingbetriebe.
Werden beschädigte oder kurzgeschlossene Lithiumakkus zusammengepresst oder mechanisch belastet, können sie sich innerhalb weniger Sekunden entzünden. Solche Brände sind aufgrund der hohen Temperaturen nur schwer zu löschen und verursachen regelmäßig erhebliche Sachschäden.
Wertvolle Rohstoffe gehen verloren
Neben den Sicherheitsproblemen verursacht die falsche Entsorgung auch wirtschaftliche Nachteile.
Lithiumbatterien enthalten zahlreiche strategisch wichtige Rohstoffe, darunter:
- Lithium,
- Nickel,
- Kobalt,
- Mangan.
Diese Metalle gelten als unverzichtbar für die Produktion moderner Batterien, Elektrofahrzeuge und zahlreicher weiterer Technologien.
Werden Batterien nicht recycelt, gehen diese Rohstoffe dauerhaft verloren und müssen häufig unter hohem finanziellen und ökologischen Aufwand neu gewonnen werden.
EU verschärft die Sammelziele
Der Druck auf die Mitgliedstaaten wächst zusätzlich durch neue europäische Vorgaben.
Derzeit liegt die Sammelquote für Batterien in Österreich bei 53 Prozent. Bis 2030 schreibt die Europäische Union jedoch eine Quote von 73 Prozent vor.
Ohne zusätzliche Maßnahmen dürfte dieses Ziel nur schwer erreichbar sein.
Cash-back statt Pfand?
Der Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe schlägt deshalb ein finanzielles Anreizsystem vor.
Nach diesem Modell würden Verbraucher beim Zurückgeben gebrauchter Lithiumbatterien eine Auszahlung erhalten. Je nach Batterietyp könnten zwischen 50 Cent und 50 Euro ausgezahlt werden.
Das System ähnelt einem Pfandmodell, setzt jedoch stärker auf eine nachträgliche finanzielle Belohnung als auf einen beim Kauf hinterlegten Betrag.
Aus Sicht der Entsorgungswirtschaft könnte ein solcher Anreiz die Rückgabequote deutlich erhöhen und gleichzeitig die Zahl falsch entsorgter Batterien spürbar reduzieren.
Wachsender Markt verschärft das Problem
Die Bedeutung des Themas dürfte in den kommenden Jahren weiter zunehmen.
Mit der steigenden Verbreitung von Elektroautos, E-Bikes, Akkugeräten und tragbarer Unterhaltungselektronik gelangen immer mehr Lithiumbatterien in den Umlauf. Entsprechend wächst auch die Menge ausgedienter Energiespeicher, die sicher gesammelt und recycelt werden müssen.
Fachleute gehen davon aus, dass sich die Zahl der Altbatterien in den kommenden Jahren weiter deutlich erhöhen wird.
Herausforderungen für Verbraucher und Handel
Ein mögliches Cash-back-System müsste organisatorisch sorgfältig umgesetzt werden. Offen ist unter anderem, welche Batterietypen erfasst würden, wie die Auszahlung erfolgen könnte und welche Rolle Händler sowie kommunale Sammelstellen übernehmen würden.
Gleichzeitig wären Maßnahmen erforderlich, um Missbrauch zu verhindern und den zusätzlichen Verwaltungsaufwand möglichst gering zu halten.
Fazit
Die Entsorgungsbranche sieht dringenden Handlungsbedarf beim Recycling von Lithiumbatterien. Millionen falsch entsorgter Akkus führen nicht nur zum Verlust wertvoller Rohstoffe, sondern stellen auch ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Mehr als 1.000 Brände in den vergangenen 18 Jahren verdeutlichen die Dimension des Problems.
Mit einem finanziellen Anreizsystem könnten deutlich mehr Batterien ihren Weg in den Recyclingkreislauf finden. Ob ein Cash-back-Modell tatsächlich eingeführt wird, hängt nun von den weiteren politischen Beratungen und der konkreten Ausgestaltung eines solchen Systems ab.