Die Windpark Vier Fichten GmbH & Co. KG hat ihren Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2024 veröffentlicht. Die Zahlen zeigen ein gemischtes Bild: Während der Windpark weiterhin über erhebliche Sachwerte verfügt und seine langfristigen Verpflichtungen erfüllen kann, ist das Eigenkapital im Berichtsjahr deutlich zurückgegangen. Ursache hierfür sind vor allem hohe Entnahmen beziehungsweise Ausschüttungen an die Gesellschafter.
Bilanzsumme sinkt um mehr als drei Millionen Euro
Die Bilanzsumme verringerte sich im Jahr 2024 von rund 16 Millionen Euro auf knapp 12,7 Millionen Euro. Damit verlor die Gesellschaft innerhalb eines Jahres mehr als 20 Prozent ihrer Bilanzsumme.
Der Rückgang spiegelt sich sowohl im Anlagevermögen als auch bei den liquiden Mitteln wider. Das Sachanlagevermögen, das im Wesentlichen aus den Windenergieanlagen besteht, sank durch die planmäßigen Abschreibungen von rund 12 Millionen Euro auf 10,8 Millionen Euro.
Auch die liquiden Mittel gingen deutlich zurück. Die Guthaben bei Kreditinstituten reduzierten sich von rund 1,6 Millionen Euro auf etwa 604.000 Euro. Gleichzeitig fielen die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen von rund 1,43 Millionen Euro auf knapp 500.000 Euro.
Deutlicher Rückgang des Eigenkapitals
Besonders auffällig ist die Entwicklung des Eigenkapitals. Dieses verringerte sich innerhalb eines Jahres von 6,68 Millionen Euro auf 3,39 Millionen Euro.
Damit hat sich die Eigenkapitalbasis nahezu halbiert. Der Rückgang resultiert jedoch nicht aus operativen Verlusten, sondern ist maßgeblich auf Kapitalbewegungen innerhalb der Gesellschaft zurückzuführen.
Trotz des Rückgangs verfügt die Gesellschaft weiterhin über ein positives Eigenkapital von rund 3,4 Millionen Euro, was einer Eigenkapitalquote von etwa 27 Prozent entspricht. Für einen Windpark dieser Größenordnung stellt dies weiterhin eine solide Kapitalausstattung dar.
Verbindlichkeiten steigen leicht an
Während das Eigenkapital sank, erhöhten sich die Verbindlichkeiten von rund 8,46 Millionen Euro auf knapp 8,92 Millionen Euro.
Der größte Teil entfällt auf Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern in Höhe von rund 8,84 Millionen Euro. Diese Position macht nahezu die gesamten Schulden der Gesellschaft aus.
Klassische Lieferantenverbindlichkeiten spielen dagegen mit lediglich rund 13.000 Euro eine untergeordnete Rolle. Auch die Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen liegen mit rund 61.000 Euro auf vergleichsweise niedrigem Niveau.
Positiv fällt auf, dass keine langfristigen Bankverbindlichkeiten ausgewiesen werden und sämtliche Verbindlichkeiten innerhalb eines Jahres fällig sind.
Rückstellungen für Rückbau und Risiken
Die Rückstellungen gingen von rund 817.000 Euro auf etwa 379.000 Euro zurück.
Ein wesentlicher Bestandteil bleibt die Rückstellung für den späteren Rückbau der Windenergieanlagen. Nach Angaben der Gesellschaft werden die Rückbaukosten im Jahr 2033 auf rund 600.000 Euro geschätzt.
Die handelsrechtlich vorgeschriebene Rückbaurückstellung beläuft sich zum Bilanzstichtag auf rund 283.000 Euro und wird schrittweise bis zum Rückbauzeitpunkt aufgebaut.
Langfristige Verpflichtungen bleiben erheblich
Neben den bilanzierten Schulden bestehen erhebliche sonstige finanzielle Verpflichtungen.
Für Wartung, Betriebsführung und Pachtverträge weist die Gesellschaft Verpflichtungen von insgesamt rund 3,1 Millionen Euro aus. Davon entfallen etwa 2,5 Millionen Euro auf Zeiträume von mehr als einem Jahr.
Diese langfristigen Verträge sind typisch für Windparkgesellschaften und sichern den laufenden Betrieb der Anlagen über viele Jahre hinweg.
Beteiligung an Infrastrukturgesellschaft
Die Gesellschaft hält zudem einen Anteil von 41,67 Prozent an einer Infrastrukturgesellschaft. Diese Beteiligung verfügt über ein Eigenkapital von rund 3.000 Euro und erwirtschaftete zuletzt einen Jahresüberschuss von rund 4.000 Euro.
Für die Windparkgesellschaft besitzt diese Beteiligung derzeit nur eine geringe wirtschaftliche Bedeutung.
Teil eines großen Versicherungskonzerns
Bemerkenswert ist die Konzernstruktur hinter der Gesellschaft. Die Windpark Vier Fichten GmbH & Co. KG gehört mittelbar zum Konzern der Talanx AG sowie zum HDI-Konzern.
Dadurch profitiert die Gesellschaft von der Einbindung in einen finanzstarken institutionellen Eigentümerkreis, was für Stabilität und langfristige Planungssicherheit spricht.
Bewertung aus Anlegersicht
Aus Anlegersicht zeigt sich ein insgesamt solides Bild mit einigen Besonderheiten. Positiv sind die weiterhin hohe Eigenkapitalbasis, der werthaltige Anlagenbestand sowie die Einbindung in einen großen Versicherungskonzern.
Kritisch fällt jedoch der starke Rückgang des Eigenkapitals auf. Zwar handelt es sich nicht um operative Verluste, dennoch hat sich die Kapitalausstattung innerhalb eines Jahres deutlich reduziert. Gleichzeitig bestehen hohe Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern und langfristige Verpflichtungen aus Betriebs- und Pachtverträgen.
Insgesamt präsentiert sich die Windpark Vier Fichten GmbH & Co. KG weiterhin als wirtschaftlich stabile Betreibergesellschaft eines etablierten Windparks. Die Bilanz zeigt jedoch, dass ein erheblicher Teil der in den vergangenen Jahren aufgebauten Kapitalreserven inzwischen an die Gesellschafter abgeflossen ist, wodurch die finanzielle Pufferwirkung des Eigenkapitals spürbar gesunken ist.