Dark Mode Light Mode
Millionen Phishing-SMS aus dem Kofferraum: Polizei fasst mutmaßlichen Cyberkriminellen in Wien
Festgesetzte Schiffe vor der Straße von Hormus: Seepocken und Algen werden zum Milliardenproblem
Staatsanwaltschaft Berlin

Festgesetzte Schiffe vor der Straße von Hormus: Seepocken und Algen werden zum Milliardenproblem

dendoktoor (CC0), Pixabay

Die Auswirkungen der Krise rund um die Straße von Hormus treffen die internationale Schifffahrt inzwischen auf ungewöhnliche Weise. Während die Spannungen im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg bereits seit Monaten für massive Einschränkungen im Schiffsverkehr sorgen, kämpfen hunderte festliegende Frachter nun zusätzlich mit einem kaum beachteten Problem: massivem Bewuchs durch Seepocken und Algen.

Nach Angaben der „Financial Times“ sitzen seit Ende Februar rund 800 Handelsschiffe mit etwa 20.000 Seeleuten in der Region fest. Wegen weitgehender Durchfahrtssperren und Sicherheitsrisiken können viele Schiffe die strategisch wichtige Meerenge nur eingeschränkt oder gar nicht passieren.

Die langen Liegezeiten in warmen Gewässern haben jedoch gravierende technische Folgen. Besonders betroffen sind:

  • Schiffsschrauben,
  • Bordwände
  • und große Teile der Schiffsböden.

Dort setzen sich zunehmend:

  • Seepocken,
  • Muscheln
  • und Algen fest.

Dieser sogenannte Bewuchs erhöht den Wasserwiderstand der Schiffe erheblich und kann die Geschwindigkeit massiv reduzieren. Gleichzeitig steigt dadurch auch der Treibstoffverbrauch deutlich an.

Besonders eindrücklich schilderte die Situation Rolf Habben Jansen, Vorstandschef der Hapag-Lloyd. In einem Unternehmenspodcast berichtete er von einem Schiff, das seit Anfang März in der Region festgesessen habe und später nur noch mit verminderter Geschwindigkeit aus der Straße von Hormus herausgebracht werden konnte.

Nach Angaben des Unternehmens waren:

  • die Schiffsschraube,
  • große Teile der Bordwände
  • sowie rund 40 Prozent des Schiffsbodens

von Seepocken und Algen überwuchert.

Für die Reedereien bedeutet das enorme Zusatzkosten. Viele Schiffe müssten nach ihrer Rückkehr aufwendig gereinigt oder technisch überprüft werden. Zusätzlich führen längere Stillstände zu Verzögerungen im Welthandel und bei Lieferketten.

Doch nicht nur die Technik bereitet Probleme. Auch die Situation der Besatzungen verschärft sich zunehmend. Hilfsorganisationen berichten, dass manche Seeleute bereits seit zweieinhalb Monaten auf den Schiffen ausharren müssen — teilweise unabhängig davon, ob ihre ursprünglichen Arbeitsverträge bereits abgelaufen sind.

Die Versorgung wird ebenfalls schwieriger. Ersatzteile gelangen wegen der Sicherheitslage nur verzögert in die Region. Laut „Financial Times“ dauert die Lieferung inzwischen teilweise bis zu zwei Wochen statt wie üblich ein bis zwei Tage. Viele Charterboote vermeiden die gefährliche Route komplett.

Hinzu kommen psychische Belastungen für die Seeleute:

  • begrenzter Internetzugang,
  • knappe Versorgung,
  • fehlende Beschäftigung
  • und die Unsicherheit über die weitere Entwicklung

setzen vielen Besatzungsmitgliedern stark zu.

Die Hapag-Lloyd warnt bereits davor, dass die Situation langfristig auch die Rekrutierung von Seeleuten erschweren könnte. Denn viele Beschäftigte würden angesichts der anhaltenden Krise und der unsicheren Bedingungen zögern, neue Einsätze in der Region anzunehmen.

Die Straße von Hormus zählt zu den wichtigsten Handelsrouten der Welt. Ein erheblicher Teil des globalen Öl- und Warenverkehrs passiert normalerweise die enge Meerenge zwischen dem Iran und Oman. Entsprechend aufmerksam beobachten Reedereien, Regierungen und Energieunternehmen die Entwicklung in der Region.

Die aktuellen Probleme zeigen dabei, wie weitreichend geopolitische Konflikte inzwischen selbst technische und logistische Bereiche der globalen Wirtschaft beeinflussen können — bis hin zu Seepocken an festliegenden Schiffen.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Millionen Phishing-SMS aus dem Kofferraum: Polizei fasst mutmaßlichen Cyberkriminellen in Wien

Next Post

Staatsanwaltschaft Berlin