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Interview mit Rechtsanwalt Maurice Högel: „Hohe Zinsen bedeuten fast immer auch hohe Risiken“

geralt (CC0), Pixabay

Die SolarFinance Germany GmbH aus Wien wirbt mit Investitionen in erneuerbare Energien und Zinssätzen von bis zu sieben Prozent jährlich. Angeboten werden Teilschuldverschreibungen ab 5.000 Euro beziehungsweise Schweizer Franken. Die Produkte richten sich auch an Anleger in Deutschland und der Schweiz. Im Gespräch erklärt Rechtsanwalt Maurice Högel von der Kanzlei BEMK in Bielefeld, worauf Anleger achten sollten – und warum insbesondere Auslandsstrukturen Risiken bergen können.

Herr Högel, wie bewerten Sie Angebote wie „SolarINVEST 28“ oder „SolarINVEST 30“ grundsätzlich?

Zunächst muss man festhalten: Es handelt sich hier nicht um klassische Sparprodukte oder Tagesgeldangebote, sondern um unternehmerische Beteiligungen in Form von Anleihen beziehungsweise Teilschuldverschreibungen. Anleger geben dem Unternehmen Geld und hoffen auf Rückzahlung plus Zinsen. Das funktioniert allerdings nur, wenn die Emittentin wirtschaftlich erfolgreich bleibt und dauerhaft zahlungsfähig ist.

Die Gesellschaft wirbt mit nachhaltigen Investments und attraktiven Zinserträgen. Ist das problematisch?

Nachhaltigkeit allein ist kein Qualitätsmerkmal für Sicherheit. Erneuerbare Energien sind grundsätzlich ein Zukunftsmarkt, aber auch dort existieren erhebliche wirtschaftliche Risiken. Entscheidend ist nicht die Branche, sondern die konkrete wirtschaftliche Stabilität der Gesellschaft.

Wenn Zinssätze von fünf bis sieben Prozent angeboten werden, sollte jedem Anleger klar sein: Solche Renditen gibt es am Kapitalmarkt nicht ohne erhöhtes Risiko.

Die Gesellschaft weist selbst auf ein Totalverlustrisiko hin. Wie ernst sollte man solche Hinweise nehmen?

Sehr ernst. Viele Anleger überlesen solche Passagen leider. Der Hinweis bedeutet letztlich: Im schlimmsten Fall kann das gesamte investierte Kapital verloren gehen.

Hinzu kommt: Es gibt bei solchen Konstruktionen häufig keinen geregelten Zweitmarkt. Anleger können ihre Beteiligung also oft nicht einfach verkaufen oder kurzfristig aussteigen.

Welche Rolle spielt der Unternehmenssitz in Österreich?

Das ist ein wichtiger Punkt. Sobald grenzüberschreitende Konstruktionen genutzt werden, wird die Rechtsdurchsetzung komplizierter und teurer. Viele Anleger unterschätzen das massiv.

Bereits bei Gesellschaften mit Sitz im Ausland stellen sich Fragen wie:

  • Welches Recht gilt?
  • Wo muss geklagt werden?
  • Wo wird ein Urteil vollstreckt?
  • Welche Kosten entstehen zusätzlich?

Gerade deutsche Anleger verlassen sich häufig darauf, im Ernstfall problemlos ihre Ansprüche durchsetzen zu können. Die Praxis sieht oft deutlich schwieriger aus.

In verschiedenen Investmentgesellschaften taucht zudem der Name Hardy Pönisch auf. Anleger diskutieren dies zunehmend kritisch. Wie sollte man damit umgehen?

Anleger sollten bei Kapitalanlagen grundsätzlich immer prüfen, welche Personen und Netzwerke hinter einzelnen Gesellschaften stehen. Wenn Namen in mehreren Investment- oder Emissionsgesellschaften auftauchen, ist Transparenz besonders wichtig.

Das allein bedeutet natürlich noch kein Fehlverhalten. Allerdings sollte man sich die wirtschaftlichen Verflechtungen, die bisherigen Projekte und die Unternehmenshistorie genau anschauen.

Gerade bei Anleihemodellen oder Nachrangprodukten ist Vertrauen ein zentraler Faktor – denn Anleger tragen letztlich das wirtschaftliche Risiko des Unternehmens.

Was raten Sie Anlegern konkret vor einer Investition?

Man sollte niemals allein wegen hoher Zinsen investieren. Entscheidend sind:

  • die Bonität der Emittentin,
  • nachvollziehbare Geschäftsmodelle,
  • geprüfte Jahresabschlüsse,
  • transparente Mittelverwendung,
  • und die Frage, ob man einen möglichen Totalverlust finanziell verkraften könnte.

Wer die Risiken nicht vollständig versteht, sollte sehr vorsichtig sein.

Und falls es später Probleme bei Zinszahlungen oder Rückzahlungen gibt?

Dann sollten Anleger frühzeitig handeln und rechtliche Möglichkeiten prüfen lassen. Erfahrungsgemäß verlieren viele Investoren wertvolle Zeit, weil sie auf beruhigende Aussagen hoffen oder weitere Versprechungen akzeptieren. Gerade bei Anleihen ist schnelles und koordiniertes Vorgehen oft entscheidend.

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