Aus Anlegersicht zeigt der Jahresbericht des Börsebius TopSelect für das Geschäftsjahr 2024/2025 ein insgesamt solides, nachvollziehbar geführtes Aktienportfolio mit einem klar erkennbaren Stil: qualitativ hochwertige Unternehmen, breite Streuung über Einzeltitel, bewusste Untergewichtung der USA, deutlicher Schweiz-Schwerpunkt und ein eher konservativer Einsatz von Derivaten über gedeckte Calls. Der Fonds hat im Berichtszeitraum mit +11,34 % eine ordentliche positive Wertentwicklung erzielt. Das ist ein gutes Ergebnis, vor allem weil die Strategie nicht auf maximale Aggressivität, sondern auf risikobewusste Aktienanlage ausgerichtet ist.
Positiv fällt zunächst die klare und konsistente Anlagestrategie auf. Das Management investiert nicht streng indexnah, sondern fundamental geprägt in aussichtsreiche Unternehmen und vermeidet größere Einzelübergewichte. Mit 45 Aktienpositionen ist das Portfolio ausreichend diversifiziert, ohne beliebig zu wirken. Die Struktur deutet auf ein konzentriertes Qualitätsportfolio hin, das auf Überzeugungen basiert, aber keine extremen Klumpen bei Einzeltiteln eingeht. Das ist für Anleger attraktiv, die aktives Management tatsächlich auch sehen wollen.
Ebenfalls positiv ist die hohe Investitionsquote. Mit rund 96 % des Fondsvermögens in Wertpapieren bleibt der Fonds nahezu vollständig im Markt investiert. Das spricht dafür, dass das Management langfristig auf Aktien als Renditequelle setzt und nicht versucht, durch taktisches Market Timing Mehrwert zu erzeugen. Der etwas höhere Kassenbestand gegenüber dem Vorjahr wirkt im Bericht plausibel erklärt und nicht wie ein Strategiewechsel.
Ein weiterer Pluspunkt ist die Länder- und Währungsallokation. Der Fonds grenzt sich bewusst vom MSCI World ab, indem er die USA deutlich niedriger gewichtet als der globale Standardindex. Stattdessen setzt er stärker auf Schweizer Qualitätsunternehmen und auf den Schweizer Franken als stabilisierenden Faktor. Aus Investorensicht ist das ein klarer Stilbaustein: Wer US-lastige Standardfonds bereits im Depot hat, kann mit diesem Fonds eine sinnvolle Ergänzung erhalten. Allerdings ist genau das auch eine Wette: Sollte der US-Markt weiter stärker laufen als Europa und die Schweiz, könnte diese Positionierung relativ belasten.
Die Sektorverteilung wirkt ausgewogen, aber nicht defensiv im klassischen Sinn. Hohe Gewichte in Informationstechnologie (ca. 23 %) und Gesundheitswesen (ca. 19 %) sprechen für Wachstums- und Qualitätsfokus. Gleichzeitig sorgen Finanzwerte, rohstoffnahe Titel und Basiskonsumgüter für zusätzliche Stabilität. Diese Mischung ist attraktiv, weil sie weder rein zyklisch noch rein defensiv ist. Besonders aus Anlegersicht ist interessant, dass das Management nicht blind „Modebranchen“ folgt, sondern erkennbar Geschäftsmodelle mit soliden Bilanzen und Cashflows bevorzugt.
Die Einzeltitelauswahl bestätigt diesen Eindruck. Im Portfolio finden sich bekannte Qualitätsnamen wie Alphabet, Microsoft, IBM, Intuitive Surgical, Nestlé, Roche, Zurich Insurance, EssilorLuxottica, Allianz oder Deutsche Börse. Das spricht für Substanz. Gleichzeitig finden sich mit Palantir, Lam Research oder Accelleron auch Titel mit höherem Wachstumsprofil. Diese Kombination kann attraktiv sein, weil sie das Renditepotenzial erhöht, ohne dass der Fonds insgesamt spekulativ erscheint.
Der Einsatz von Covered Calls ist aus Anlegerperspektive grundsätzlich positiv zu bewerten, solange er diszipliniert bleibt. Laut Bericht wurden die Prämien planmäßig vereinnahmt, ohne die Aufwärtsbeteiligung wesentlich zu begrenzen. Das ist ein vernünftiger Ansatz zur Ertragsstabilisierung. Wichtig ist aber: Diese Strategie verbessert nicht die Grundqualität des Fonds, sondern ist eher ein Zusatzelement. In stark steigenden Märkten kann sie Rendite kosten, in seitwärts laufenden Märkten aber nützlich sein.
Trotz der positiven Aspekte gibt es auch Punkte, die Anleger kritisch sehen sollten. Der wichtigste ist die Kostenquote von 1,46 % p.a.. Für einen Aktienfonds mit klassischem Long-only-Ansatz ist das kein niedriger Wert. Das Management muss also dauerhaft echten Mehrwert gegenüber günstigeren ETFs oder aktiven Konkurrenzfonds liefern. Die ordentliche Wertentwicklung im Berichtsjahr ist erfreulich, aber ein einzelnes gutes Jahr reicht nicht aus, um die Kosten dauerhaft zu rechtfertigen. Kosten sind gerade bei langfristiger Geldanlage ein sehr wichtiger Faktor.
Ein zweiter kritischer Punkt ist die Abhängigkeit von Bewertungs- und Allokationsentscheidungen des Managements. Die Untergewichtung der USA wird mit hohen Bewertungen und Dollar-Risiken begründet. Das ist sachlich nachvollziehbar, aber nicht risikolos. Gerade wenn US-Technologiewerte weiter dominieren, kann eine solche Positionierung zu längeren Phasen relativer Schwäche führen. Anleger kaufen hier also keinen „neutralen Weltfonds“, sondern einen klar positionierten aktiven Stilfonds.
Auch die Renditestruktur verdient Beachtung. Das ordentliche Nettoergebnis war negativ. Die laufenden Erträge aus Dividenden und Zinsen reichten also nicht aus, um die laufenden Kosten zu decken. Der positive Jahreserfolg kam vor allem aus realisierten Kursgewinnen und vor allem aus nicht realisierten Bewertungsgewinnen. Das ist bei Aktienfonds zwar nicht ungewöhnlich, zeigt aber: Die Ertragskraft des Fonds hängt stark von steigenden Kursen ab, weniger von laufenden Ausschüttungen oder defensivem Carry.
Die Mittelabflüsse von netto rund 1,8 Mio. EUR im Geschäftsjahr sollte man ebenfalls im Blick behalten. Das ist für sich genommen noch kein Alarmsignal, denn das Fondsvermögen ist trotz Rücknahmen gestiegen. Dennoch zeigen Nettoabflüsse, dass Anlegergelder zuletzt eher abgeflossen als zugeflossen sind. Das kann auf Vertrieb, Marktstimmung oder Anlegerverhalten zurückgehen, muss aber nicht zwingend gegen die Strategie sprechen.
Risikoseitig bleibt der Fonds trotz „defensiverer“ Ausrichtung klar ein Aktienfonds. Die größten Risiken liegen in Aktienmarkt-, Währungs- und Bewertungsrisiken. Hinzu kommt ein gewisses Stilrisiko: Der Fonds setzt auf Qualitätsunternehmen, untergewichtet die USA und gewichtet die Schweiz hoch. Wenn das Marktumfeld vorübergehend zyklische oder sehr US-lastige Strategien bevorzugt, kann der Fonds hinter breiten Benchmarks zurückbleiben. Der Derivateeinsatz erscheint dagegen gering und kontrolliert; die durchschnittliche Hebelwirkung von 0,99 spricht nicht für ein aggressives Derivateprofil.
Unterm Strich hinterlässt der Jahresbericht einen seriösen und insgesamt positiven Eindruck. Der Fonds wirkt diszipliniert geführt, transparent aufgebaut und nicht opportunistisch. Er ist aus Anlegersicht vor allem für Investoren interessant, die ein aktiv gemanagtes Qualitätsaktienportfolio suchen, das sich bewusst vom US-dominierten Weltindex absetzt. Weniger passend ist er für Anleger, die maximale Indexnähe, sehr niedrige Kosten oder eine starke Ausschüttungsorientierung suchen.
Fazit aus Anlegersicht:
Der Börsebius TopSelect ist kein spektakulärer, aber ein substanziell aufgebauter Qualitätsfonds mit klarem Profil. Die gute Jahresperformance, die breite Streuung und der konservative Managementstil sprechen für ihn. Die entscheidenden Einschränkungen sind die vergleichsweise hohe Kostenquote und die bewusste Abweichung von globalen Standardindizes, insbesondere durch die USA-Untergewichtung. Wer diese aktive Handschrift bewusst möchte, findet hier einen plausibel strukturierten Fonds. Wer dagegen vor allem günstig und indexnah investieren will, wird vermutlich eher bei ETFs bleiben.