Aus Anlegersicht zeigt der Jahresbericht des LF – MFI Global Dynamic Protect ein insgesamt interessantes, aber keineswegs defensives Produktprofil. Der Fonds ist zwar als globaler Multi-Asset-Fonds mit Schutzkomponente konzipiert, tatsächlich ist das Portfolio zum Berichtsstichtag jedoch klar aktiengetrieben: Rund 73 % des Fondsvermögens entfallen auf Aktien, knapp 22 % auf Anleihen, hinzu kommen 3,7 % Investmentanteile und nur geringe Liquiditätsreserven. Damit hängt die Wertentwicklung trotz Absicherung in erster Linie weiterhin stark von den internationalen Aktienmärkten ab.
Positiv ist zunächst die klare und nachvollziehbare Struktur des Fonds. Das Management investiert weltweit und verbindet ein breit gestreutes Aktienportfolio mit Euro-Investment-Grade-Anleihen sowie einem systematischen Options-Overlay zur Dämpfung heftiger Markteinbrüche. Die Strategie ist damit grundsätzlich attraktiv für Anleger, die an globalen Aktienchancen partizipieren möchten, aber gleichzeitig einen gewissen Schutz gegen abrupte Rückschläge suchen. Auch die regionale Streuung ist auf den ersten Blick breit, wenngleich der Fonds faktisch stark von den USA dominiert wird: Allein US-Aktien machen fast 50 % des gesamten Fondsvermögens aus. Hinzu kommt, dass viele der größten Positionen auf bekannte US-Wachstums- und Qualitätswerte wie Apple, Microsoft, NVIDIA, Amazon, Broadcom, Alphabet und Meta entfallen. Das verleiht dem Fonds Wachstumsstärke, erhöht aber zugleich die Abhängigkeit von der Entwicklung des US-Marktes und insbesondere des Technologiesektors.
Die Wertentwicklung von +1,40 % im ersten, verkürzten Geschäftsjahr ist ordentlich, aber nicht herausragend. Für einen Fonds mit hohem Aktienanteil wirkt dieses Ergebnis eher verhalten. Das deutet darauf hin, dass die Absicherungsmaßnahmen sowie Währungsverluste einen Teil der positiven Aktienmarktentwicklung aufgezehrt haben. Genau darauf weist der Bericht indirekt hin: Das wesentliche negative Veräußerungsergebnis entstand laut Management aus realisierten Devisenverlusten auf ausländische Aktien. Das ist aus Anlegersicht ein wichtiger Punkt, denn der Fonds trägt bewusst erhebliche Fremdwährungsrisiken, insbesondere im US-Dollar. Zwar wurde der USD-Anteil im September 2025 leicht reduziert, doch blieb die Fremdwährungsexponierung insgesamt hoch. Wer in diesen Fonds investiert, investiert also nicht nur in Aktien- und Zinsmärkte, sondern auch in relevante Währungseffekte.
Auf der Anleiheseite macht der Fonds einen disziplinierten Eindruck. Investiert wurde ausschließlich in Euro-Anleihen guter Bonität, wobei der Schwerpunkt im mittleren bis langen Laufzeitbereich liegt. Das Anleiheportfolio enthält bekannte Emittenten wie Allianz, BBVA, Crédit Mutuel, ING, Intesa Sanpaolo, Société Générale, Siemens sowie auch französische Staatsanleihen. Das spricht für eine eher konservative Bonitätssteuerung. Gleichzeitig wurde die Duration im Jahresverlauf auf etwa sieben Jahre erhöht, womit der Fonds stärker auf sinkende oder stabile Zinsen setzt. Das kann in einem günstigen Zinsumfeld Mehrwert schaffen, erhöht aber das Risiko bei erneut steigenden Renditen.
Besonders spannend ist aus Anlegersicht die Schutzarchitektur. Der Fonds hält Put-Optionen auf den S&P 500 und VIX-Calls, also Instrumente, die bei abrupten Markteinbrüchen bzw. steigender Volatilität profitieren sollen. Das ist konzeptionell sinnvoll und professionell gedacht. Allerdings zeigt das Ergebnis des ersten Geschäftsjahres auch, dass Absicherung Geld kostet und nicht in jeder Marktphase sichtbar Mehrwert stiftet. Der durchschnittliche Hebel durch Derivate lag mit 1,03 niedrig, das Derivateexposure war also moderat. Der Schutzmechanismus ist damit eher ergänzend als dominant. Anleger sollten den Fonds deshalb nicht mit einem Kapitalgarantie- oder echten Absolute-Return-Produkt verwechseln. Der Name „Protect“ bedeutet hier eher Risikodämpfung, nicht Kapitalschutz.
Die Kostenquote von 0,72 % ohne Transaktionskosten ist für einen aktiv gesteuerten, globalen Multi-Asset-Fonds mit Overlay-Strategie durchaus akzeptabel. Hinzu kommen allerdings Transaktionskosten von 21.608,84 Euro im Berichtszeitraum. Diese sind nicht außergewöhnlich hoch, zeigen aber, dass die aktive Steuerung und Absicherung ihren Preis hat. Positiv ist, dass der Fonds zum Start bereits ein Volumen von rund 8,1 Mio. Euro aufgebaut hat. Das ist zwar noch kein großes Fondsvolumen, aber ausreichend, um die Strategie operativ umzusetzen.
Kritisch zu sehen ist, dass der Fonds trotz Multi-Asset-Ansatz in Wahrheit ein deutliches Aktienrisikoprofil besitzt. Die größte Stärke des Produkts – die flexible Kombination aus globalen Aktien, Anleihen und Absicherung – ist zugleich seine Schwäche: Anleger könnten aufgrund des Konzepts mehr Stabilität erwarten, als das Portfolio tatsächlich liefert. Die Aktienquote blieb über das Jahr hinweg weitgehend stabil, auch die USA-Gewichtung wurde beibehalten. Das spricht nicht für einen sehr defensiven, sondern eher für einen offensiv gesteuerten Mischfonds mit Risikopuffer.
Unterm Strich hinterlässt der Fonds einen soliden ersten Eindruck, vor allem wegen der klaren Strategie, der breiten internationalen Streuung und der professionellen Absicherungslogik. Für Anleger, die ein chancenorientiertes globales Portfolio mit zusätzlichem Schutz gegen starke Börsenschocks suchen, kann der Fonds interessant sein. Weniger geeignet erscheint er dagegen für Investoren, die unter „Protect“ eine deutlich stärkere Glättung der Wertentwicklung oder einen stärker defensiven Charakter erwarten. Das erste Geschäftsjahr zeigt: Der Fonds kann Verlustrisiken mindern, bleibt aber im Kern ein US-lastiger, aktiennaher Multi-Asset-Fonds mit Währungs- und Zinsrisiken.
Fazit aus Anlegersicht:
Ein vielversprechender Fondsstart mit professionellem Konzept und vernünftiger Kostenstruktur, aber auch mit klaren Klumpenrisiken in US-Aktien und Fremdwährungen. Wer investiert, sollte die Strategie als wachstumsorientierte Vermögensallokation mit Sicherheitsnetz, nicht als konservativen Schutzfonds verstehen.