1) Kurzfazit aus Anlegersicht
Der neu aufgelegte Fonds Global Outliers (Rumpfgeschäftsjahr 29.11.2024–31.10.2025) liefert einen ordentlichen ersten Track Record: rund +4,74 % (Anteilklasse A) bzw. +4,38 % (Anteilklasse B) bei einer Volatilität von ca. 11,8 %. Für ein globales Aktienportfolio wirkt das Risikoprofil damit moderat, allerdings ist die Aussagekraft wegen des kurzen Zeitraums begrenzt. Auffällig: hohe Auslands-/Fremdwährungsquote, keine Benchmark, und vergleichsweise hohe laufende Kosten – das sind die zentralen Punkte, die Anleger bei der Einordnung berücksichtigen sollten.
2) Produkt- und Strategieverständnis: „Stock-Picking ohne Benchmark“
Der Fonds investiert mindestens 51 % in Aktien/Beteiligungen (steuerlich relevant), praktisch liegt die Aktienquote zum Stichtag sogar bei ~98 % (Vermögensübersicht).
Es gibt keinen regionalen Schwerpunkt und keine Benchmark-Bindung. Das macht die Strategie flexibel, erschwert aber die objektive Vergleichbarkeit: Anleger müssen stärker über „absolute“ Kriterien (Risikoprofil, Drawdowns, Konsistenz, Prozessqualität) urteilen.
Der Ansatz kombiniert qualitative Selektion (Fundamentalanalyse, Historie, Marktposition) mit KI-/algorithmischer Unterstützung für Ein-/Ausstiege und Risikosteuerung. Das kann Mehrwert liefern, ist aber für Anleger schwer überprüfbar, solange keine längere Historie und keine klaren, wiederholbaren Kennzahlen (z. B. Faktor-Exposure, Turnover vs. Outperformance) vorliegen.
Beraten wird das Management durch BN & Partners Capital AG; die Kapitalverwaltung ist Monega Kapitalanlagegesellschaft mbH.
Anlegersicht: Das ist ein aktiver, diskretionär geprägter globaler Aktienfonds. Wer investiert, kauft vor allem Vertrauen in Prozess & Team – weniger eine indexnahe Lösung.
3) Performance & Ergebnisqualität: positive Rendite, aber realisierte Verkäufe netto negativ
Performance: A +4,74 %, B +4,38 %. Der Unterschied ist plausibel durch die höhere laufende Kostenbelastung in B.
Ertragslage: In A gibt es einen positiven ordentlichen Nettoertrag (Dividenden/Zinsen minus laufende Kosten), aber das realisierte Veräußerungsergebnis ist negativ (A: -720 Tsd. EUR; B: -37,6 Tsd. EUR).
Das Gesamtjahresergebnis wird dennoch positiv, weil nicht realisierte Gewinne die realisierten Verluste deutlich übersteigen (A: +1,50 Mio. EUR nicht realisiert).
Interpretation: Die Rendite im ersten Jahr wurde mehr durch Kursanstiege im Bestand als durch erfolgreich realisierte Trading-Gewinne erzielt. Das ist nicht zwingend schlecht – aber es zeigt, dass der „Timing/Trading“-Mehrwert (noch) nicht sichtbar belegt ist.
4) Portfolio & Diversifikation: global, viele Nebenwerte, starke Fremdwährungskomponente
Asset Allocation (Stichtag):
Aktien in Fremdwährung: ~83,9 %
Aktien in EUR: ~14,4 %
Liquidität/sonstiges: ~1,7 %
Top-Positionen sind jeweils nur ~2–3 % groß (z. B. Grenenergy ~2,69 %, UTD Therapeutics ~2,32 %, VSTECS ~2,29 %, JCU ~2,11 %, Alphabet A ~2,09 %). Das spricht für keine extreme Einzeltitelkonzentration.
Sektoraufteilung (Vermögensübersicht) zeigt eine breite Streuung, mit Schwerpunkten in:
Industrie (~26,8 %)
Technologie (~19,9 %)
Finanzen (~14,3 %)
Gesundheit (~11,9 %)
Anlegersicht: Diversifikation wirkt grundsätzlich solide (viele Positionen, Top-5 zusammen nur grob ~11–12 %). Gleichzeitig deutet die Liste auf einen hohen Anteil an internationalen Mid-/Small-Caps und weniger „klassischen“ Index-Schwergewichten hin. Das kann langfristig Chancen bieten, erhöht aber tendenziell Liquiditäts- und Bewertungsrisiken in Stressphasen.
5) Risikoanalyse: Haupttreiber sind Aktienmarkt, Währung, Stil/Manager-Risiko
Die im Bericht genannten Risikofaktoren (Aktienkursrisiko, Währungsrisiko, geopolitische Unsicherheit) sind hier besonders relevant, weil:
Der Fonds faktisch ein nahezu reines Aktienprodukt ist (keine Anleihen, keine Derivate; Derivate-Exposure 0).
Die Fremdwährungsquote sehr hoch ist. Damit kann der EUR-Anleger spürbar von USD/JPY & Co. profitieren – oder darunter leiden. Eine systematische Absicherung wird im Bericht nicht als Standard ersichtlich.
Ohne Benchmark ist das Stil-/Manager-Risiko höher: Der Fonds kann lange deutlich anders laufen als MSCI World o. Ä., ohne „Fehler“ im engeren Sinn.
Volatilität ~11,8 % ist ok, aber ohne Angaben zu Maximalverlust/Drawdown bleibt die Risikosicht unvollständig.
6) Kosten & Handel: nicht billig, Turnover mittel
Gesamtkostenquote (ohne Transaktionskosten): A 1,31 %, B 1,68 % (Kostenschätzung auf Jahresbasis).
Transaktionskosten: ~59,7 Tsd. EUR im Zeitraum.
Portfolioumschlagsrate: ~52 % → weder Buy-and-Hold noch Hochfrequenz; eher aktives Management mit spürbarer Rotation.
Zusätzlich relevant: Aus der Verwaltungsvergütung zahlt die KVG eine Basisvergütung an den Berater (im Bericht: 139 Tsd. EUR). Das ist nicht zwingend problematisch, sollte aber in der Wahrnehmung als Teil der „Wertschöpfungskette“ gesehen werden.
Anlegersicht: Die Kosten sind für einen globalen Aktienfonds ambitioniert – Outperformance muss langfristig erst gezeigt werden, um das zu rechtfertigen.
7) Struktur- und Governance-Änderungen: Kündigungsrecht & Verwahrstellenwechsel
Mit BaFin-Genehmigung wurde ein Kündigungsrecht gegenüber einzelnen Anlegern aus wichtigem Grund eingeführt (u. a. US-Personen / Sanktionslisten). Das ist aus Compliance-Sicht nachvollziehbar, aber für Anleger wichtig zu wissen: Im Extremfall kann eine zwangsweise Rückgabe ausgelöst werden. Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)
Verwahrstellenwechsel von DZ Bank AG zu HSBC Continental Europe S.A., Germany (ab 01.07.2025). Ein Wechsel ist nicht automatisch negativ, sollte aber bei neuen Fonds beobachtet werden (Prozessstabilität).
8) ESG/Offenlegung: Artikel-6-Logik, keine EU-Taxonomie-Ausrichtung
Der Fonds berücksichtigt nicht die EU-Kriterien für ökologisch nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten; PAIs werden nicht auf Produktebene berücksichtigt (nur Unternehmensebene). Für Anleger heißt das: Wer ein klar „nachhaltiges“ Produkt sucht, bekommt hier eher klassisches Aktienmanagement mit ESG-Risikomonitoring, aber kein explizites Impact-/Taxonomie-Produkt.
9) Prüfungsurteil: formale Ordnungsmäßigkeit bestätigt
Der Abschlussprüfer KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft erteilt ein uneingeschränktes Prüfungsurteil hinsichtlich der KAGB-Konformität des Jahresberichts. Das ist Standard, aber positiv für die formale Verlässlichkeit der Zahlen.
10) Für wen passt der Fonds – und worauf würde ich als Anleger als Nächstes achten?
Potenzielle Zielgruppe
Anleger, die globales, benchmarkfreies Stock-Picking wollen,
die Währungsbewegungen akzeptieren (oder bewusst suchen),
die bereit sind, für aktives Management höhere laufende Kosten zu tragen,
und die die Strategie erst über mehrere Jahre beurteilen (Track Record ist noch kurz).