Dark Mode Light Mode

Varios Flex Fonds: Viel Aufwand, wenig Ertrag – Aktiver Globalfonds im Rendite-Stillstand 2024/25

geralt (CC0), Pixabay

1) Kurzfazit aus Anlegersicht

Der Fonds verfolgt einen aktienlastigen, globalen, aktiv gesteuerten Ansatz (mind. 25% Aktien; tatsächlich zum Stichtag klar höher) und will über einen systematischen Prozess die Aktienquote je nach Marktphase steuern. Im Geschäftsjahr 2024/25 ist dieses Ziel netto nicht sichtbar geworden: Die Anteilklassen lagen nahe bei 0% (C +0,06%, I +0,08%, S -0,05%, R -0,42%).
In einem Jahr mit spürbaren Aktienmarktbewegungen ist das aus Investorensicht ein Warnsignal: Entweder wurde viel abgesichert/umgeschichtet, oder die Titelauswahl bzw. Timing hat die Chancen nicht in Rendite übersetzt – während Kosten weiterliefen.

2) Performance & was dahintersteckt

Wertentwicklung (Berichtsjahr): praktisch Seitwärts in allen Klassen (Spanne ca. -0,42% bis +0,08%).

Gleichzeitig zeigt die Ertrags- und Aufwandsrechnung:

Es gab realisierte Gewinne und realisierte Verluste (Aktienverkäufe dominieren), aber

die Nettoveränderung nicht realisierter Gewinne/Verluste war deutlich negativ – sprich: Buchgewinne wurden abgebaut bzw. Kursrückgänge/Timing-Effekte haben das Jahr belastet.

Für Anleger wichtig: In so einem „Nullrendite“-Jahr sind Gebühren und ggf. Ausgabeaufschläge besonders schmerzhaft, weil sie prozentual den größten Teil der (nicht vorhandenen) Bruttorendite „auffressen“.

3) Portfolio- und Risikoprofil zum 31.10.2025

Allokation (Stichtag):

Aktien: 82,44%

Bankguthaben/Liquidität: 15,62%

Zertifikate: 1,99% (hier: Krypto-ETPs)

Derivate: 0,14% (Stichtagswert; genutzt auch zur Absicherung)

Was das bedeutet:

Der Fonds ist klar aktiengetrieben, mit spürbarer Cash-Quote (Flexibilität/„Wartegeld“, aber auch Renditebremse, wenn Märkte steigen).

Krypto-ETPs (Bitcoin/Ethereum) sind klein, aber für konservative Anleger dennoch ein zusätzlicher Risikobaustein.

Derivate-/Risikosteuerung:

Es wurden u.a. Put-Optionen auf DAX und S&P 500 gehalten (Absicherungscharakter).

Marktrisiko-Messung: potenzieller Risikobetrag (VaR, 99%, 1 Tag) im Jahr zwischen 1,26% und 3,26%, durchschnittlich 2,12%; durchschnittlicher Derivate-Leverage 0,97 → eher moderate Derivateintensität (keine aggressive Hebelstrategie).

4) Kosten: der zentrale Prüfstein bei „0% Rendite“

TER: R 1,81% | I 1,31% | C 1,34% | S 1,44%

R-Anteilklasse zusätzlich: 5% Ausgabeaufschlag und 1,60% Verwaltungsvergütung p.a. (laut Anteilklassen-Übersicht)

Anlegerlogik:
Wenn die Nettoperformance um 0% pendelt, wird die Frage brutal einfach: Wofür zahle ich 1,3–1,8% p.a. (plus ggf. 5% upfront)?
Damit der Fonds langfristig attraktiv ist, muss er über mehrere Jahre entweder (a) klar outperformen oder (b) nachweislich Drawdowns spürbar reduzieren. Im vorliegenden Jahr ist beides nicht erkennbar.

5) Aktivität/Trading & Transaktionskosten

Transaktionsvolumen gesamt: ~269,7 Mio. EUR

Transaktionskosten: 141.223 EUR (zusätzlich zur TER; TER ist ohne Transaktionskosten)

Das deutet auf hohe Umschichtung (passend zur „täglichen Anpassung“ der Assetklassen-Gewichtungen). Für Anleger heißt das:

Pro: konsequente Systemumsetzung, schnelle Reaktion möglich

Contra: Reibungsverluste (Spreads/Fees/Market Impact), die in Seitwärtsphasen besonders stark ins Gewicht fallen.

6) Mittelabflüsse & Fondsskalierung (nicht unterschätzen)

In allen Anteilklassen gab es deutliche Netto-Mittelabflüsse:

R: Fondsvermögen von ~57,5 Mio. auf ~43,2 Mio. EUR

I: ~6,78 Mio. auf ~1,91 Mio. EUR

C: ~1,08 Mio. auf ~0,48 Mio. EUR

S: ~0,16 Mio. auf ~0,07 Mio. EUR

Aus Investorensicht ist das relevant, weil kleinere Fonds tendenziell

relativ höhere Fixkostenquote tragen können,

bei weiterer Schrumpfung wirtschaftlich unattraktiver werden (bis hin zu möglichen Strukturmaßnahmen – je nach Anbieterpolitik),

aber: Die Liquiditätsanalyse im Bericht bewertet die Handelbarkeit der Titel als gut.

7) Organisationswechsel im Management

Das Portfoliomanagement war bis 31.12.2024 an Greiff capital management AG ausgelagert; ab 01.01.2025 übernahm die Gesellschaft selbst.
Das ist ein weicher Risikofaktor: Prozesse können ähnlich bleiben, aber die Umsetzung/Teamverantwortung ändert sich. Bei so knapper Jahresrendite lohnt es sich als Anleger besonders, in den nächsten Berichten zu prüfen, ob sich Renditeprofil, Drawdown-Verhalten und Konsistenz verbessern.

8) ESG (Artikel-8-Fonds) – Wirkung & Grenzen

Der Fonds bewirbt ESG-Merkmale (Artikel 8) und nutzt Ratings von MSCI ESG Research LLC; Stichtags-/Periodenkennzahl: 86,52% der Wertpapiere mit mindestens „BB“.
Es gab eine Grenzverletzung (Controversy Score < 2) im Zeitraum 14.03.2025–25.03.2025.
Für ESG-orientierte Anleger: solide Rahmenlogik (Quoten/Ausschlüsse), aber nicht perfekt und die Nachhaltigkeitsindikatoren sind nicht extern geprüft.

9) Einordnung für Anleger: Für wen passt das – und worauf achten?

Potenzielle Passung

Anleger, die ein aktives, benchmarkfreies Aktienportfolio wollen,

und bereit sind, für die Chance auf besseres Drawdown-Management in Korrekturphasen Kosten zu akzeptieren.

Kritische Punkte / Watchlist

Kosten vs. Nutzen: Bei ~0% Jahresrendite sind TER & ggf. Ausgabeaufschlag schwer zu rechtfertigen.

Nachweis des „Flex“-Mehrwerts: Hat der Fonds in Stressphasen wirklich weniger verloren als globale Aktien? (im Berichtjahr nicht belegt)

Hoher Umsatz: Kann langfristig Rendite kosten.

Mittelabflüsse: Können ein Warnsignal sein (Marktvertrauen/Skalierung).

Share-Class-Wahl: Wer kann, sollte aus reiner Kostenlogik eher die günstigeren Klassen (z.B. I/C – je nach Zugangsvoraussetzungen) gegenüber R prüfen.

Abschließendes Anlegerurteil

Der Fonds zeigt zum Stichtag ein qualitativ wirkendes, breit diversifiziertes globales Aktienbuch (viele Qualitäts-/Growth-Titel, dazu Absicherungsinstrumente und Liquidität). Trotzdem hat das Management im Berichtsjahr keinen überzeugenden Netto-Mehrwert geliefert – und das bei nicht niedrigen laufenden Kosten.
Als Anleger würde ich ihn daher aktuell nicht wegen der jüngsten Performance, sondern nur dann halten/kaufen, wenn ich (1) an die Prozesslogik glaube und (2) der Fonds in den nächsten Perioden messbar zeigt, dass er entweder Abwärtsrisiken reduziert oder mehrjährige Outperformance erzielt.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Insolvenzantrag der MaKant Verwaltungs- und Beteiligungsgesellschaft mbH mangels Masse abgewiesen

Next Post

Tödliche Raserfahrt in Kaufbeuren: 21-Jähriger muss fast sieben Jahre ins Gefängnis