Frage: Frau Bontschev, Sie haben sich das aktuelle Investmentangebot der GEPVOLT SE angesehen. Was ist Ihr erster Eindruck?
Kerstin Bontschev: Mein erster Eindruck ist durchaus kritisch. Die GEPVOLT SE präsentiert sich als innovatives Unternehmen mit Fokus auf Energieproduktion. Doch ein genauer Blick auf die Bilanz zum Geschäftsjahr 2024 wirft erhebliche Fragen zur Substanz und Seriosität des Angebots auf. Vor allem das Totalverlustrisiko für Anleger wird zwar formal erwähnt, aber meines Erachtens nicht ausreichend deutlich kommuniziert.
Frage: Was genau bemängeln Sie an der aktuellen Bilanz?
Kerstin Bontschev: Die Bilanz weist ein Eigenkapital in Höhe von über 10 Millionen Euro aus, aber dem gegenüber steht ein Bilanzverlust von über 1,2 Millionen Euro. Gleichzeitig bestehen hohe Verbindlichkeiten in Form von Anleihen und erhaltenen Anzahlungen – insgesamt mehr als 5,4 Millionen Euro. Die Sachanlagen bestehen aus einer einzigen Position im Wert von 1 Euro. Das wirft Fragen zur operativen Tätigkeit und Substanz des Unternehmens auf. Auch der Umstand, dass 6,4 Millionen Euro an verbundene Unternehmen ausgeliehen wurden, verdient eine besonders kritische Betrachtung. Solche konzerninternen Ausleihungen können problematisch sein, insbesondere wenn Transparenz über die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit dieser Unternehmen fehlt.
Frage: Welche Risiken ergeben sich konkret für Anleger?
Kerstin Bontschev: Die größte Gefahr ist der Totalverlust. Die Anleihe ist nicht besichert, es bestehen keine stillen Reserven in Form von Immobilien oder wertstabilen Anlagegütern. Der Großteil des Vermögens besteht aus Forderungen oder immateriellen Werten wie unfertigen Erzeugnissen. Auch die Bilanzposition „geleistete Anzahlungen“ aus dem Vorjahr ist plötzlich verschwunden. Das kann bedeuten, dass Projekte nicht wie geplant realisiert wurden oder Gelder in andere Gesellschaften verschoben wurden.
Zudem hat die GEPVOLT SE eine Bürgschaft für eine Tochtergesellschaft über 2,1 Millionen Euro übernommen. Sollte diese Tochtergesellschaft in finanzielle Schwierigkeiten geraten, müsste GEPVOLT SE diese Summe zahlen – zulasten der Anleger.
Frage: Würden Sie sagen, dass dieses Angebot für Privatanleger geeignet ist?
Kerstin Bontschev: Ganz klar: Nein. Dieses Investment ist äußerst risikobehaftet und sollte nur von sehr erfahrenen Anlegern mit entsprechendem Risikobewusstsein geprüft werden. Es handelt sich um eine spekulative Beteiligung. Wer sein Geld nicht komplett verlieren möchte, sollte die Finger davon lassen. Besonders problematisch finde ich, dass mit ESG-konformen Zielen geworben wird, ohne dass die wirtschaftliche Basis solide erscheint. Nachhaltigkeit darf kein Feigenblatt für wirtschaftliche Fragilität sein.
Frage: Wie bewerten Sie die Unternehmenskommunikation?
Kerstin Bontschev: Die Kommunikation ist marketinglastig, emotional aufgeladen und lässt viele konkrete Fragen unbeantwortet. Investoren sollten sich nicht von „Zukunftsversprechen“ und ESG-Versprechungen blenden lassen. Eine kritische Due Diligence ist zwingend erforderlich. Es ist zudem bedenklich, dass trotz ausbleibender Gewinne weiterhin hohe Summen in verbundene Unternehmen transferiert werden.
Frage: Ihr abschließendes Fazit?
Kerstin Bontschev: Die GEPVOLT SE ist aus meiner Sicht ein Hochrisiko-Investment mit unklarem Geschäftsmodell, mangelnder Transparenz und erheblicher Gefahr für einen Totalverlust. Ich rate Privatanlegern dringend, unabhängige Beratung einzuholen, bevor sie sich hier engagieren. Die schöngefärbten ESG- und Zukunftsversprechen dürfen nicht von der fragwürdigen finanziellen Basis ablenken.
Fühle mich bestärkt in meiner Einstellung – werde kein Invesment tätigen.
Danke.