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Tödliche Schüsse in Minneapolis: Videoanalyse widerspricht Darstellung der US-Behörden

geralt (CC0), Pixabay

Eine detaillierte Videoanalyse des US-Senders CNN wirft neue und schwerwiegende Fragen zum tödlichen Schusswaffeneinsatz von Bundesbeamten gegen den US-Bürger Alex Pretti auf. Die Aufnahmen legen nahe, dass Pretti bereits entwaffnet war, als die tödlichen Schüsse fielen – ein Detail, das die offizielle Darstellung des Heimatschutzministeriums (DHS) ins Wanken bringt.

Mehrere Videos von Passanten dokumentieren den Vorfall: Ein Bundesbeamter in grauer Jacke ist deutlich zu sehen, wie er eine Waffe aus Prettis Hosenbund entnimmt – Sekunden bevor Pretti von mindestens zehn Kugeln getroffen wird. Noch brisanter: Der Beamte, der die Waffe entnimmt, hatte vorher keine Waffe in der Hand. Erst nach der Entnahme entfernt er sich vom Ort des Geschehens. Kurz darauf fällt der erste Schuss, dann weitere – Pretti bricht tödlich getroffen zusammen.

In einem der Videos ist ein Beamter etwa eine Minute nach dem Schusswechsel zu hören, wie er fragt: „Wo ist die Waffe?“ Die Antwort folgt prompt: „Ich habe die Waffe.“

Ein schockierender Moment, der zeigt: Während Pretti bereits reglos am Boden lag, schien nicht einmal unter den Einsatzkräften klar zu sein, wo sich die angebliche Bedrohung befand – oder ob sie überhaupt noch bestand.

War es Notwehr – oder überzogene Gewaltanwendung?

Das Heimatschutzministerium rechtfertigte die Schüsse als „defensiv“ und sprach von einem bewaffneten Verdächtigen, der sich „gewaltsam gegen die Entwaffnung wehrte“. Doch laut CNN zeigen die Videos zu keinem Zeitpunkt, dass Pretti die Waffe zog oder auf Beamte zielte. Stattdessen sieht man ihn mit einem Smartphone in der Hand, wie er einen Polizeieinsatz dokumentiert.

Charles Ramsey, ehemaliger Polizeichef von Washington, D.C., der die Videos im Auftrag von CNN analysierte, urteilt deutlich:

„Was ich sehe, sieht nicht nach einer gerechtfertigten Schussabgabe aus. Pretti liegt bäuchlings auf dem Gehweg, umzingelt von Beamten – und trotzdem wird weiter auf ihn geschossen.“

Eine Eskalation mit Ansage

Die Situation eskalierte innerhalb weniger Minuten: Pretti, ein 37-jähriger Intensivpfleger am VA-Krankenhaus, filmte die Szene mit seinem Handy und forderte einen Beamten auf, eine Frau nicht in den Verkehr zu schubsen. Als er sich schützend zwischen die Frau und den Beamten stellte, wurde er mit Pfefferspray attackiert, zu Boden gerissen und von mehreren Beamten gleichzeitig überwältigt. Mindestens ein Beamter schlug auf den am Boden liegenden Pretti ein.

Die Aufnahmen zeigen: Kurz vor den tödlichen Schüssen greift der Beamte in grauer Jacke in das Gerangel und entnimmt die Waffe. Dann entfernt er sich – und es fällt der erste Schuss.

Politische Dimension und massive Zweifel an Behördenaussagen

Die US-Regierung, allen voran Präsident Trump und Heimatschutzministerin Kristi Noem, erklärten unmittelbar nach der Tat, Pretti habe einen Anschlag auf Beamte geplant. Ein Foto einer sichergestellten Waffe mit zwei Magazinen wurde veröffentlicht – ohne Kontext. Für Noem ist der Fall klar: „Ein Fall von inländischem Terrorismus.“

Doch genau diese Vorverurteilung sorgt für Empörung – nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch bei Rechtsexperten wie Ramsey:

„Wenn politische Spitzenvertreter eine Tat sofort rechtfertigen, bevor eine unabhängige Untersuchung abgeschlossen ist, dann ist das keine Aufklärung – das ist Propaganda.“

Auch die Gewerkschaft AFGE, in der Pretti als VA-Krankenpfleger organisiert war, wies darauf hin, dass die Darstellung des DHS nicht durch das Videomaterial gedeckt sei.

Forderungen nach unabhängiger Untersuchung

Nach diesem Vorfall fordern zahlreiche Stimmen, darunter auch Minnesotas Gouverneur Tim Walz, eine unabhängige, staatlich geführte Untersuchung des Vorfalls. Walz stellte klar, dass der Bundesstaat Minnesota die Ermittlungen nicht dem DHS überlassen werde:

„Die Bundesregierung hat in dieser Sache ihre Glaubwürdigkeit verspielt.“

Fazit: Tödliche Eskalation unter zweifelhaften Umständen

Die neuen Erkenntnisse rücken das Narrativ der US-Regierung in ein fragwürdiges Licht. Dass ein Mann, der sich augenscheinlich in einer Defensivhaltung befand, erschossen wurde – nachdem ihm bereits die Waffe abgenommen wurde – lässt den Vorwurf außer Kontrolle geratener Gewaltanwendung real erscheinen.

Die Forderung nach Transparenz, Aufklärung und Verantwortungsübernahme ist mehr als berechtigt. Denn sollte sich der Verdacht bestätigen, dass Alex Pretti unbewaffnet und unter nicht gerechtfertigtem Gewalteinsatz starb, dann steht mehr als nur ein Einzelfall zur Debatte – dann steht die Glaubwürdigkeit ganzer Behörden auf dem Spiel.

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