Vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf hat ein aufsehenerregender Staatsschutzprozess begonnen. Sechs mutmaßliche Mitglieder der linksextremen Gruppierung „Antifa-Ost“ müssen sich wegen einer Serie brutaler Angriffe auf Personen aus der rechten Szene verantworten. Die Bundesanwaltschaft wirft den Angeklagten unter anderem versuchten Mord, gefährliche Körperverletzung sowie die Bildung einer kriminellen Vereinigung vor.
Zum Auftakt herrschte großer Andrang im Hochsicherheitssaal des Gerichts. Zahlreiche Unterstützer verfolgten die Verhandlung, einzelne Angeklagte wurden vor Beginn mit Applaus empfangen. Das Gericht entschied nach kurzer Beratung, die Öffentlichkeit trotz des jugendlichen Alters mehrerer Angeklagter zuzulassen.
Nach Darstellung der Anklage sollen die Beschuldigten im Jahr 2023 in Budapest und Erfurt gezielt Rechtsextremisten angegriffen haben. Die Taten seien vorbereitet und arbeitsteilig ausgeführt worden. In sogenannten Trainings hätten die Beteiligten Überfälle geübt, bei denen eine Überzahl vermummter Angreifer mit Schlagwerkzeugen und Pfefferspray vorging. Ziel sei gewesen, politische Gegner schwer zu verletzen oder sogar zu töten.
Besonders schwer wiegen laut Anklage zwei Angriffe in Erfurt, bei denen Opfer mit Hämmern und Schlagstöcken attackiert worden sein sollen. Mindestens ein Geschädigter erlitt lebensgefährliche Kopfverletzungen mit bleibenden Schäden. Auch in Budapest seien mehrere Personen, die die Angeklagten für Neonazis hielten, überfallen und massiv verletzt worden.
Die Verteidigung weist den Mordvorwurf entschieden zurück. Sie argumentiert, es handele sich um schwere Körperverletzungsdelikte, nicht jedoch um Tötungsversuche. Zudem kritisieren die Anwälte eine aus ihrer Sicht politisch motivierte Hochstufung der Vorwürfe. Die Angeklagten selbst äußerten sich zum Prozessauftakt nicht.
Der Fall gilt als einer der bedeutendsten Verfahren gegen linksextreme Gewalt in den vergangenen Jahren. Das Gericht hat bereits mehr als 70 weitere Verhandlungstage angesetzt, die sich bis ins Jahr 2027 ziehen könnten. Damit steht ein langer und juristisch wie politisch hochsensibler Prozess bevor.