Der Ausbau des deutschen Stromnetzes hat 2025 einen historischen Meilenstein erreicht. Die Bundesnetzagentur genehmigte im Laufe des Jahres mehr als 2.000 Kilometer neue Hochleistungs-Stromleitungen. Das entspricht einem Zuwachs von rund 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr und markiert das bislang umfangreichste Genehmigungsvolumen in einem einzigen Jahr. Für die Energiewende gilt dieser Fortschritt als längst überfällig – und als zentraler Schritt, um den wachsenden Anteil erneuerbarer Energien effizient nutzbar zu machen.
Nach Einschätzung von Klaus Müller, dem Präsidenten der Bundesnetzagentur, handelt es sich um ein echtes Rekordjahr. Der beschleunigte Netzausbau sei notwendig, um die strukturellen Schwächen des bisherigen Stromsystems zu überwinden. Denn während große Mengen Windstrom vor allem im Norden erzeugt werden, liegt ein erheblicher Teil des industriellen Strombedarfs im Süden Deutschlands. Ohne neue Leitungen kann diese Lücke nicht geschlossen werden.
Im Zentrum der abgeschlossenen Genehmigungsverfahren stehen die großen Nord-Süd-Verbindungen, die als sogenannte Stromautobahnen bezeichnet werden. Dazu zählen insbesondere SuedLink und SuedOstLink. Diese Trassen sollen Windstrom aus Nord- und Ostdeutschland bis nach Bayern und Baden-Württemberg transportieren und dort konventionelle Kraftwerke ersetzen. Technisch handelt es sich überwiegend um moderne Gleichstromleitungen, die große Energiemengen mit geringeren Verlusten über weite Strecken übertragen können.
Der Rekord beim Genehmigungsumfang ist auch vor dem Hintergrund der energiepolitischen Lage zu sehen. Mit dem Kohleausstieg, dem Ende der Kernenergie und der wachsenden Elektrifizierung von Industrie, Verkehr und Wärme steigt der Strombedarf kontinuierlich. Gleichzeitig verlagert sich die Erzeugung immer stärker zu wetterabhängigen Quellen wie Wind und Sonne. Ein leistungsfähiges Übertragungsnetz wird damit zur Grundvoraussetzung für Versorgungssicherheit und stabile Strompreise.
In den vergangenen Jahren galt der Netzausbau als eines der größten Nadelöhre der Energiewende. Langwierige Planungs- und Genehmigungsverfahren, juristische Auseinandersetzungen sowie Widerstand vor Ort verzögerten viele Projekte. Die Bundesnetzagentur betont nun, dass Verfahren gestrafft, digitalisiert und transparenter gestaltet wurden, ohne Beteiligungsrechte von Bürgerinnen und Bürgern auszuhebeln. Das habe maßgeblich dazu beigetragen, dass 2025 so viele Kilometer genehmigt werden konnten wie nie zuvor.
Trotz der Fortschritte bleibt der Weg anspruchsvoll. Genehmigungen sind nur ein Schritt – Bau, Inbetriebnahme und Netzintegration folgen oft Jahre später. Zudem stehen weitere Großprojekte an, um das Stromsystem auf eine nahezu klimaneutrale Erzeugung auszurichten. Die Netzagentur macht deutlich, dass der eingeschlagene Kurs gehalten werden müsse, um Engpässe, hohe Ausgleichskosten und Risiken für die Versorgung zu vermeiden.
Mit den nun genehmigten mehr als 2.000 Kilometern Stromleitungen ist jedoch ein starkes Signal gesetzt: Der Netzausbau kommt voran, und die Energiewende gewinnt eine tragfähigere technische Basis. Ob sich dieser Schwung in den kommenden Jahren fortsetzen lässt, wird entscheidend dafür sein, wie zuverlässig, bezahlbar und klimafreundlich Deutschlands Stromversorgung künftig sein kann.