Der Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Sachsen fordert einen grundlegenden Kurswechsel in der Verkehrsplanung. Nach Einschätzung des Verbandes wird Radverkehr in Sachsen vielerorts noch immer stiefmütterlich behandelt. Zwar gebe es einzelne Radwege und Maßnahmen, doch diese wirkten häufig ungeplant, uneinheitlich und wenig durchdacht. Das Ergebnis sei keine sichere Infrastruktur, sondern ein Flickwerk, das Radfahrende regelmäßig in gefährliche Situationen bringe.
ADFC-Geschäftsführer Konrad Krause bringt die Kritik auf den Punkt: Die bestehende Rad-Infrastruktur sei oft lediglich „zusammengeschustert“. Radwege endeten abrupt, wechselten ohne erkennbares System die Straßenseite oder führten plötzlich in den Mischverkehr zurück. Für viele Radfahrerinnen und Radfahrer bedeute das ständige Unsicherheit – besonders an Kreuzungen, Einmündungen und stark befahrenen Straßen.
Nach Ansicht des ADFC fehlt es bislang an einem klaren Gesamtkonzept. Statt einzelner, isolierter Maßnahmen brauche es ein zusammenhängendes Radverkehrsnetz, das sich konsequent an einheitlichen Standards orientiert. Dazu gehören ausreichend breite Radwege, sichere und übersichtliche Kreuzungen, klare Markierungen sowie eine Führung, die auch für Autofahrer eindeutig nachvollziehbar ist. Nur wenn alle Verkehrsteilnehmer wissen, wer wo fahren soll, lassen sich Konflikte und Unfälle reduzieren.
Der Verband betont zudem, dass sichere Radinfrastruktur nicht nur ein Thema für ambitionierte Alltagsradler ist. Gerade Kinder, ältere Menschen und ungeübte Fahrer seien auf verständliche und geschützte Wege angewiesen. Wenn Radfahren als gefährlich wahrgenommen werde, bleibe das Fahrrad für viele keine echte Alternative zum Auto – mit Folgen für Verkehr, Umwelt und Lebensqualität in den Städten.
Aus Sicht des ADFC geht es deshalb um mehr als um einzelne Radstreifen oder neue Schilder. Gefordert wird ein Perspektivwechsel in der Verkehrsplanung: Radverkehr müsse von Anfang an mitgedacht und gleichberechtigt behandelt werden. Länder, Kommunen und Straßenbaubehörden müssten stärker zusammenarbeiten und verbindliche Standards anwenden, statt jede Straße neu zu „experimentieren“.
Der Blick in andere Länder zeigt laut ADFC, dass es auch anders geht. Dort, wo Radverkehr systematisch geplant wurde, ist Radfahren sicherer, selbstverständlicher und deutlich verbreiteter. Sachsen habe hier noch erheblichen Nachholbedarf. Ohne einen klaren politischen Willen und langfristige Investitionen werde sich daran wenig ändern.
Die Botschaft des Fahrrad-Clubs ist eindeutig: Wer wirklich mehr Menschen aufs Rad bringen will, muss Sicherheit und Verlässlichkeit schaffen. Einzelne, notdürftige Lösungen reichen nicht aus – gefragt ist ein durchgängiges System, das Radfahren nicht zum Risiko, sondern zur echten Alternative macht.