In Norddeutschland steigen die Zahlen akuter Atemwegsinfektionen deutlich an – doch von einer echten Grippewelle kann derzeit noch keine Rede sein. Die aktuellen Daten der Gesundheitsbehörden zeigen vielmehr ein breites Spektrum unterschiedlicher Viren, die den Menschen im Norden zu schaffen machen.
Mecklenburg-Vorpommern meldet deutlich mehr Atemwegserkrankungen
Nach Angaben des Landesamtes für Gesundheit und Soziales in Rostock wurden seit Anfang Oktober mehr als 3.000 Proben aus Arztpraxen eingeschickt. Fast 1.300 davon bestätigten eine akute Atemwegsinfektion. Das Infektionsgeschehen liegt damit spürbar über dem Niveau der Vorwochen.
Dennoch spielt die klassische Grippe bislang eine Nebenrolle:
Seit Oktober wurden nur 30 Fälle von Influenza A registriert – 12 davon allein in der letzten Novemberwoche. Insgesamt dominieren andere Erreger das Bild.
Erkältungsviren und Corona weiterhin Haupttreiber
Die meisten aktuellen Erkrankungen gehen auf gewöhnliche Erkältungsviren zurück – 733 Proben wiesen typische Rhinoviren nach. Auch Coronaviren sind weiterhin verbreitet: 356 bestätigte Fälle, davon 105 in der letzten Novemberwoche, zeigen, dass Covid-19 weiterhin spürbar im Infektionsgeschehen präsent ist.
Darüber hinaus wurden Adenoviren, Metapneumoviren und Parainfluenzaviren nachgewiesen – typische Winterviren, die häufig für Fieber, Husten und Atembeschwerden sorgen.
Rückblick: Grippewelle der vergangenen Saison deutlich stärker
Zum Vergleich: In der Saison 2024/25 wurden in Mecklenburg-Vorpommern 1.541 Grippefälle bestätigt. Insgesamt wurden im vergangenen Winter rund 9.700 Proben auf Atemwegsviren untersucht – deutlich mehr als bisher in dieser Saison.
Eine Grippewelle definiert das Robert-Koch-Institut erst dann, wenn mindestens 20 Prozent der Patientenproben Influenza-A- oder -B-Viren enthalten. Davon ist das aktuelle Infektionsgeschehen noch weit entfernt.
Hamburg und Schleswig-Holstein mit höheren Grippemeldungen als im Vorjahr
In Hamburg zeigt sich ein etwas anderes Bild: Seit Ende September wurden bereits 242 Influenzafälle registriert – deutlich mehr als im selben Zeitraum des Vorjahres (150 Fälle). Rund ein Drittel der Betroffenen musste im Krankenhaus behandelt werden, drei Menschen starben bisher. Dennoch überwiegen auch hier die Corona-Meldungen.
In Schleswig-Holstein steigt die Zahl akuter Infektionen seit Ende November ebenfalls. 147 Grippefälle wurden bislang erfasst – Vergleichszahlen aus 2024 liegen noch nicht vor.
Fazit: Eine echte Influenza-Welle ist noch nicht in Sicht – aber die Virusvielfalt wächst
Während die Grippe sich bislang moderat entwickelt, sorgt der Mix aus Erkältungs-, Corona- und weiteren Winterviren für ein hohes Infektionsgeschehen. Gesundheitsbehörden rechnen damit, dass die Wochen um Weihnachten und den Jahreswechsel darüber entscheiden werden, ob sich daraus eine ausgeprägte Grippewelle entwickelt.