Im Verfahren 8 IN 246/25 hat das Amtsgericht Gera am 03.11.2025 um 08:30 Uhr das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Könitz Porzellan GmbH eröffnet. Die Gesellschaft mit Sitz in Bahnhofstraße 2, 07333 Unterwellenborn, ist im Handelsregister beim Amtsgericht Jena unter HRB 201661 eingetragen und wird durch Geschäftsführer Philip Turpin de Beurges Rosenthal vertreten.
Wesentliche Punkte des Beschlusses:
1. Verfahren eröffnet wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung
Die gesetzlichen Eröffnungsvoraussetzungen (§§ 17, 19 InsO) wurden festgestellt.
2. Eigenverwaltung angeordnet
Die Geschäftsführung bleibt im Amt, wird aber durch einen Sachwalter überwacht. Dies deutet auf ein Sanierungsverfahren unter eigener Regie hin, ggf. zur Restrukturierung.
3. Sachwalter
Bestellt wurde Rechtsanwalt Rolf Rombach
Adresse: Hirschlachufer 11, 99084 Erfurt
E-Mail: info@rombach-rechtsanwaelte.de
4. Forderungsanmeldung
- Frist zur Anmeldung: bis 05.12.2025
- Bei der Anmeldung sind Betrag und Grund der Forderung sowie Belege vorzulegen.
- Elektronische Übermittlung ist zulässig und wird unterstützt.
5. Gläubigerversammlung / Berichtstermin
- Datum: 14.01.2026, 10:00 Uhr
- Ort: Amtsgericht Gera, Sitzungssaal H5-301
- Inhalt: Bericht, ggf. Wahl eines anderen Sachwalters, Beschlussfassung über Fortführung, Insolvenzplan, Gläubigerausschuss etc.
6. Prüfungstermin
- Ebenfalls am 14.01.2026, unmittelbar im Anschluss an die Gläubigerversammlung
- Forderungen der Gläubiger werden geprüft und ggf. festgestellt
7. Sicherungsrechte
Inhaber von Sicherungsrechten müssen diese unverzüglich dem Sachwalter anzeigen, unter Angabe von Gegenstand, Rechtsgrund und Forderungshöhe.
8. Zustellungen
Der Sachwalter übernimmt im Verfahren die Zustellungen, ausgenommen an die Schuldnerin selbst. Diese erfolgen durch das Insolvenzgericht.
Bedeutung für Gläubiger
- Aktiv werden: Gläubiger müssen ihre Forderungen fristgerecht anmelden, um am Verfahren teilzunehmen.
- Besonders bedeutsame Entscheidungen können durch die Gläubigerversammlung beeinflusst werden. Ist sie nicht beschlussfähig, gelten bestimmte Zustimmungen als erteilt.
- Eigenverwaltung kann auf einen geplanten Insolvenzplan hindeuten, z. B. zur Fortführung oder Sanierung des Unternehmens.
Hintergrund
Die Könitz Porzellan GmbH ist eine traditionsreiche Marke im Bereich hochwertiger Porzellanwaren und war zuletzt Teil internationaler Markenverbünde. Die Eröffnung in Eigenverwaltung deutet auf eine geplante Restrukturierung unter Gläubigerschutzbedingungen hin.
Traditionsbetrieb Könitz Porzellan meldet Insolvenz an
Die traditionsreiche Könitz Porzellan GmbH aus Thüringen hat Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Das international bekannte Unternehmen, das seit mehr als einem Jahrhundert Becher und Tassen fertigt, geriet nach Angaben der Geschäftsführung durch einen Rechtsstreit in Frankreich in finanzielle Schwierigkeiten – trotz stabiler Umsätze.
Wie berichtet, hatte ein ehemaliger Geschäftspartner in Frankreich in erster Instanz Schadenersatz in sechsstelliger Höhe erwirkt. Obwohl das Urteil noch nicht rechtskräftig ist, konnten französische Behörden eine Kontenpfändung veranlassen. Um den Abfluss von Geldern ins Ausland zu verhindern, beantragte das Unternehmen beim Amtsgericht Gera das Insolvenzverfahren.
Der Betrieb läuft unter Aufsicht eines Gläubigervertreters weiter, die rund 100 Beschäftigten arbeiten zunächst normal weiter. Geschäftsführer Turpin Rosenthal betonte, das Ziel sei die Sanierung und Fortführung des Unternehmens.
Könitz Porzellan gilt als einer der wichtigsten deutschen Hersteller individueller Porzellanartikel. Das Unternehmen beliefert Museen, Galerien und Designhäuser weltweit – darunter auch den Pariser Louvre, für den Becher und Geschenkartikel gefertigt werden.
Mit einer Produktionskapazität von bis zu 300.000 Bechern pro Monat und einem Jahresumsatz von rund zehn Millionen Euro zählt Könitz zu den traditionsreichsten Porzellanmarken Deutschlands. Das Unternehmen überstand zwei Weltkriege und mehrere politische Umbrüche – die aktuelle Krise gilt daher als eine der größten Herausforderungen in seiner Geschichte.