Asiatische Onlinehändler wie Temu und Shein gewinnen in Deutschland zunehmend an Bedeutung. Wie aus der aktuellen Studie „E-Commerce-Markt Deutschland 2025“ des EHI Retail Institute und der European E-Commerce Database (ECDB) hervorgeht, zählen beide Plattformen inzwischen zu den am schnellsten wachsenden Akteuren im deutschen Onlinehandel.
Shein wächst zweistellig
Der Modehändler Shein hat seine Marktposition in Deutschland weiter ausgebaut. Der Umsatz des aus Singapur stammenden Unternehmens stieg im Jahr 2024 um 18 Prozent auf rund 1,1 Milliarden Euro. Damit gehört Shein mittlerweile zu den größten Modeanbietern im deutschen Onlinehandel – und rückt näher an etablierte Konkurrenten wie Zalando oder H&M heran.
Shein setzt vor allem auf Niedrigpreise, schnelle Kollektionen und Social-Media-Marketing, insbesondere über TikTok. Kritiker verweisen jedoch auf Nachhaltigkeitsprobleme und Arbeitsbedingungen in der Lieferkette. Trotz dieser Kontroversen erfreut sich die Plattform besonders bei jüngeren Zielgruppen großer Beliebtheit.
Temu mit rasantem Wachstum
Noch dynamischer wächst die chinesische Plattform Temu, die erst seit Herbst 2022 in Deutschland aktiv ist. Laut der EHI-Studie konnte Temu sein Bruttohandelsvolumen im Jahr 2024 nahezu vervierfachen – auf 3,4 Milliarden Euro.
Temu hat sich als Online-Marktplatz für Discount-Produkte positioniert. Nutzerinnen und Nutzer können dort direkt bei Herstellern aus China einkaufen – von Kleidung über Elektronik bis hin zu Haushaltswaren. Das Erfolgsrezept: aggressive Rabattaktionen, kostenlose Lieferung und niedrige Preise.
Durch diese Strategie greift Temu zunehmend Plattformen wie Amazon oder eBay an und erobert stetig neue Marktanteile.
Marktanteile verschieben sich
Die Ergebnisse der EHI-Studie zeigen, dass sich die Marktstrukturen im deutschen Onlinehandel verändern. Internationale Plattformen, vor allem aus Asien, drängen mit günstigen Angeboten und gezieltem Marketing auf den Markt.
Während deutsche Anbieter häufig auf Qualität, Nachhaltigkeit und schnelle Lieferzeiten setzen, gewinnen Temu und Shein durch Preisorientierung und algorithmisch gesteuerte Produktvielfalt.
Experten warnen vor langfristigen Folgen
Handelsexperten sehen den Trend ambivalent. Einerseits profitieren Verbraucher von niedrigen Preisen und großer Auswahl, andererseits drohen Verdrängungseffekte für heimische Anbieter. Zudem stehen Produktqualität, Datenschutz und Nachhaltigkeit bei Importen aus Asien immer wieder in der Kritik.
Das EHI rechnet damit, dass asiatische Plattformen ihren Marktanteil auch 2025 weiter ausbauen werden – vor allem im Mode-, Elektronik- und Haushaltssegment.