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Trotz Klimakrise: Kreuzfahrtbranche sticht wieder in See – mit Volldampf Richtung Widerspruch

herbert2512 (CC0), Pixabay

Die Ozeane werden wärmer, das Eis schmilzt, Inselstaaten versinken – und mitten in dieser Klimakrise feiert die Kreuzfahrtbranche ihr großes Comeback. Während mancher Küstenbewohner noch Sandsäcke stapelt, um das Meer fernzuhalten, werden auf den Weltmeeren wieder Champagnergläser gekippt und Buffetplatten gestapelt.

Was in der Pandemie wie das Ende einer Ära aussah, entpuppt sich jetzt als vorübergehende Flaute. 2024 stiegen weltweit mehr als 34 Millionen Passagiere auf die schwimmenden Hotels – so viele wie nie zuvor. In Deutschland wurde sogar erstmals die Drei-Millionen-Marke geknackt. Die Branche, einst Symbol für Massenurlaub und Umweltbelastung, zeigt sich nun wieder ungebremst – oder, wie man auf See sagt: volle Fahrt voraus.

„Wir verkaufen schon Tickets für 2027“, verkündet stolz ein Mitarbeiter von MSC Cruises – auf den „Hamburg Cruise Days“, einer Art Jahrmarkt der Gigantomanie. Hier reihen sich Luxusliner aneinander, als wäre die Klimakrise bloß ein Gerücht mit schlechter Reichweite.

Dabei sah 2020 alles nach Schiffbruch aus: Kreuzfahrten galten als schwimmende Virusbrutstätten, ganze Flotten mussten im Hafen bleiben, und Schuldenberge türmten sich höher als die Wellen. Die Pleite des Hongkonger Konzerns Genting riss sogar deutsche Werften in Rostock, Stralsund und Wismar mit in den Abgrund – ein Fiasko, das Mecklenburg-Vorpommern laut Landesregierung rund 269 Millionen Euro kostete.

Doch wo die Vernunft kentert, schwimmt die Sehnsucht. Die Menschen wollen wieder hinaus – egal, was es kostet. Und das nicht nur finanziell. Denn während sich Reedereien Nachhaltigkeitsziele auf die Flagge schreiben, bleiben die Fortschritte überschaubar. LNG-Antrieb, CO₂-Kompensation, Klimaneutralität bis irgendwann – vieles klingt eher nach Marketing als nach Maritimer Wende.

Kritiker warnen, dass jede dieser schwimmenden Städte pro Tag so viel Energie verbraucht wie eine Kleinstadt – inklusive Klimaanlage, Entertainment und All-you-can-eat-Buffet. Trotzdem wächst die Branche schneller als das Eis an den Polen schmilzt.

„Kreuzfahrt ist wieder auferstanden“, jubeln die Vertreter der Branche. Für Umweltschützer dagegen ist es eher eine Auferstehung des schlechten Gewissens.

Vielleicht ist das ja die neue Normalität: Während die Weltmeere überhitzen, gönnt sich der Mensch den Blick aufs Wasser – vom Sonnendeck aus, mit Cocktailglas in der Hand. Schließlich will man das Ende der Welt stilvoll erleben.

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