Dark Mode Light Mode

Russland setzt auf Geburtenförderung – Patriotismus als Familienpolitik

Fotorech (CC0), Pixabay

Russland kämpft mit einem massiven demografischen Problem. Laut dem staatlichen Statistikamt Rosstat liegt die Bevölkerungszahl derzeit bei rund 146 Millionen Menschen. Experten warnen: Selbst ohne weitere Krisen wie Krieg oder Pandemien könnte sich diese Zahl bis zum Ende des 21. Jahrhunderts nahezu halbieren. Grund dafür ist die seit Jahren anhaltende Entwicklung, dass mehr Menschen sterben als neue geboren werden.

Patrioten im Kreißsaal

Um gegenzusteuern, setzt der Kreml auf eine Mischung aus finanziellen Anreizen, patriotischer Rhetorik und traditionellen Familienbildern. Die Botschaft lautet: Wer Kinder bekommt, handelt nicht nur privat, sondern auch im Interesse des Vaterlandes. Präsident Wladimir Putin und andere Regierungsvertreter haben mehrfach betont, dass die „Stärkung der Familie“ eine zentrale Aufgabe der Nation sei.

Manche Maßnahmen wirken dabei aus westlicher Sicht bizarr: So gibt es Wettbewerbe für die „beste Großfamilie“, staatliche Auszeichnungen für Mütter mit vielen Kindern und spezielle Feiertage, an denen Paare ermutigt werden, Nachwuchs zu zeugen.

Geld und Vergünstigungen

Neben dem patriotischen Appell setzt die Regierung auch auf materielle Hilfen. Familien mit mehreren Kindern erhalten Zuschüsse für Wohnraum, Steuererleichterungen oder Sonderkredite. Zudem wurde das sogenannte „Mutterschaftskapital“ ausgeweitet – ein staatlicher Bonus, den Frauen für die Geburt von Kindern erhalten.

Demografische Krise bleibt

Ob diese Maßnahmen ausreichen, ist fraglich. Russland hat nicht nur mit einer niedrigen Geburtenrate zu kämpfen, sondern auch mit einer hohen Sterblichkeit, insbesondere bei Männern. Ursachen sind unter anderem Alkoholmissbrauch, ungesunde Lebensweisen, unzureichende medizinische Versorgung und die Folgen des Angriffskrieges gegen die Ukraine.

Demografen warnen seit Jahren, dass die Bevölkerung schrumpft und gleichzeitig altert. Schon heute gibt es Regionen, in denen mehr Menschen sterben als geboren werden, und in denen ganze Dörfer verwaisen.

Ausblick

Die russische Führung will das Blatt mit einer Mischung aus Patriotismus und staatlichen Hilfen wenden. Ob sich junge Menschen jedoch allein aus „Pflichtgefühl fürs Vaterland“ für Kinder entscheiden, bleibt mehr als fraglich. Experten sind sich einig: Ohne umfassende Verbesserungen bei Lebensstandard, Gesundheitsversorgung und wirtschaftlicher Perspektive wird es schwer, den Trend umzukehren.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Heizkosten: 93 Prozent der Abrechnungen sind fehlerhaft

Next Post

Nepal: Regierung hebt Social-Media-Sperre nach blutigen Protesten wieder auf