Hat Donald Trumps harsche Rhetorik gegenüber dem russischen Präsidenten Wladimir Putin direkte Auswirkungen auf Moskaus militärisches Handeln in der Ukraine? Nach Einschätzung von CNN-Analyst Matthew Chance ist die Lage komplexer, als es zunächst scheint.
Am Dienstag hatte Trump bei einer Kabinettssitzung ungewöhnlich scharf über den Kreml-Chef gesprochen:
„Wir bekommen jede Menge Bullshit von Putin. Er tut immer nett, aber es bedeutet nichts.“
Nur einen Tag später startete Russland den größten Drohnenangriff seit Beginn des Krieges: 728 Drohnen und 13 Raketen trafen ukrainische Städte in mehreren Angriffswellen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wertete dies als gezielte Sabotage möglicher Friedensinitiativen.
Tatsächlich scheint es in den letzten Wochen mehrfach zeitliche Nähe zwischen Trumps Aussagen und russischen Angriffen gegeben zu haben. Nach einem weiteren Trump-Telefonat mit Putin, das er als „ergebnislos“ bezeichnete, folgte eine Attacke mit 539 Drohnen und 11 Raketen – ebenfalls eine der massivsten im bisherigen Verlauf des Kriegs.
Doch ist das Ursache – oder Zufall?
CNN-Experte Chance warnt vor einer zu simplen Deutung: Auch in Phasen, in denen Trump öffentlich kaum Stellung zur Ukraine-Frage nahm, kam es zu verheerenden Angriffen. So etwa am 29. Juni, als 477 Drohnen und 60 Raketen Kiew trafen – ohne vorangegangene Trump-Kritik.
Selbst wohlwollende Äußerungen Trumps gegenüber Moskau, wie seine Bedauernserklärung zur Ausladung Russlands aus der G7, führten Tage später zu neuen Angriffen auf die ukrainische Hauptstadt.
Die russische Regierung selbst wiegelt ab:
„Wir nehmen Trumps Worte gelassen“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Trump sei bekannt für seine direkte Ausdrucksweise, man sehe darin keine besondere Provokation.
Militärische Realität wichtiger als rhetorische Reaktionen
Laut CNN ist es wahrscheinlicher, dass die jüngsten Angriffe Teil einer strategischen Eskalation Russlands sind. Der Ukrainekrieg geht ins vierte Jahr, und Moskau strebt offenbar an, Gebietsgewinne zu maximieren, bevor diplomatische Prozesse einsetzen.
Zudem sei die Zunahme von Drohneneinsätzen technologisch bedingt: Russland habe mit Raketennachschubproblemen zu kämpfen, investiere dafür aber massiv in Drohnenproduktion – was den Wechsel der Angriffsform erklärt.
Fazit:
Putins Militärstrategie folgt offenbar eigenen Zielen, nicht Trumps Rhetorik. Auch wenn zeitliche Korrelationen auffallen, fehlt der klare kausale Zusammenhang. Trumps öffentliche Ausbrüche bleiben für Moskau vorerst politische Randnotizen, keine militärischen Trigger.