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„Zurück ins echte Leben“: US-Studierende sagen dem Smartphone den Kampf an

OpenClipart-Vectors (CC0), Pixabay

Immer mehr Studierende in den USA entscheiden sich freiwillig gegen ihr Smartphone – und damit gegen Dauerverfügbarkeit, soziale Medien und algorithmisch gesteuerte Inhalte. Stattdessen greifen sie zu Geräten, die vor Kurzem noch als überholt galten: Klapphandys. Was als persönliche Entscheidung begann, entwickelt sich inzwischen zu einer Bewegung.

Der 20-jährige Charlie Fisher war süchtig nach seinem Smartphone. TikTok, Instagram, Textnachrichten – das Gerät war ständig in der Hand. „Es war ein nie endender Kreislauf aus Angst und Selbsthass“, sagt Fisher. Heute besitzt er nur noch ein einfaches Nokia-Klapphandy mit einem 6-Dollar-Mobilfunktarif – und beschreibt sein Leben seither als bewusster, entspannter und glücklicher.

Flipphone statt Feed: Eine neue Gegenbewegung entsteht

Fisher ist Teil einer wachsenden Gegenbewegung junger Menschen, die sich bewusst vom digitalen Dauerstress befreien wollen. Einer der ersten, der diesen Schritt ging, ist Seán Killingsworth (22). Schon in der Highschool schockte er seine Mitschüler mit seinem Klapphandy – keine Apps, keine sozialen Medien. Heute ist er Gründer der Reconnect Movement, einer Initiative, die an mehreren US-Unis wie der University of Florida und der University of Central Florida Ableger hat.

Ziel: analoge Begegnung. Bei den Veranstaltungen wird gemalt, Sport gemacht oder einfach nur „rumgehangen“. Killingsworth: „Es geht darum, was möglich ist, wenn man einfach ohne Grund Zeit miteinander verbringt. Das passiert heute kaum noch.“

Wie Smartphones das Gehirn verändern

Die Initiative hat auch eine wissenschaftliche Grundlage. Laut Dr. Yann Poncin, Psychiater an der Yale School of Medicine, wirkt sich exzessive Smartphone-Nutzung negativ auf das junge Gehirn aus:

  • Sie schwächt Konzentration und Frustrationstoleranz.

  • Sie verändert das Dopamin-System – das Gehirn gewöhnt sich an digitale Reize.

  • Sie verstärkt soziale Vergleichsmechanismen, gerade in der empfindlichen Phase der Jugend.

Laut der Digitalexpertin Kaitlyn Regehr manipulieren Smartphones gezielt: Bildschirm-Design, Farben, Benachrichtigungen – alles ist darauf ausgelegt, Nutzer*innen möglichst lange zu binden. Social Media sei in dieser Hinsicht „härter als Nikotin“, sagt Regehr.

Zurück zur Langsamkeit – mit Nebenwirkungen

Fisher nutzt heute seine Freizeit für Musik – er spielt Banjo, Mandoline und Gitarre. Oberlin-Studentin Logan Lane, Gründerin eines „Luddite Clubs“ in Brooklyn, entdeckte durch den Smartphone-Verzicht ihren eigenen Modegeschmack wieder. Doch der Verzicht bringt auch Herausforderungen: Navigation ohne Google Maps, Dating ohne Apps, Termine ohne ständige Erreichbarkeit.

„Man muss mehr planen“, sagt Lane. Fisher hat sich sogar seine alten CDs aufs iPod übertragen, um Musik zu hören.

Die größte Hürde sei jedoch das soziale Umfeld. Wer kein Smartphone hat, fällt auf – nicht immer positiv. Trotzdem: Viele berichten von mehr Selbstbewusstsein, besseren Gesprächen und echterer Verbindung.

Entschleunigung – auch ohne Flipphone möglich

Nicht alle wollen oder können ganz auf ihr Smartphone verzichten. Die Bewegung macht klar: Es muss kein radikaler Schnitt sein. Regehr empfiehlt:

  • Journal über Handynutzung führen

  • Apps löschen oder zeitlich beschränken

  • Benachrichtigungen abschalten

  • Gerät in Graustufen schalten

  • „Digitale Diät“ kuratieren, also gezielt steuern, was man konsumiert

Wichtig sei laut Regehr, „dem Algorithmus nicht das Steuer zu überlassen“.

Ein neuer Trend – oder ein gesellschaftlicher Weckruf?

Was einst als Rückschritt galt, wird plötzlich zum Akt der Selbstermächtigung. Junge Menschen, die sich bewusst gegen das Smartphone entscheiden, fordern nicht nur ihre eigene Lebensweise heraus – sie stellen auch Fragen an eine Gesellschaft, in der ständige Ablenkung zur Norm geworden ist.

„Ich sehe die Welt wieder mit den Augen meiner Kindheit“, sagt Fisher. „Und das ist ein verdammt gutes Gefühl.“

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