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Muskel-Hype bei Jugendlichen: Fitness oder falscher Ehrgeiz?

Engin_Akyurt (CC0), Pixabay

Immer mehr Jugendliche – vor allem Jungen – drängen in Fitnessstudios, um einen möglichst muskulösen Körper zu bekommen. Der Muskel-Hype ist allgegenwärtig: Auf Instagram, TikTok und YouTube zeigen junge Männer ihre durchtrainierten Oberarme und Waschbrettbäuche. Was früher vor allem Models oder Bodybuildern vorbehalten war, ist heute für viele Teenager das große Ziel: möglichst schnell möglichst viel Muskelmasse aufbauen.

Aber wie gesund ist dieser Trend eigentlich? Und wo liegt die Grenze zwischen gesundem Sport und gefährlichem Leistungsdruck?

Training mit 13: Früher Ausdauer, heute Bizeps

Früher stand in jungen Jahren noch Ausdauertraining oder Mannschaftssport im Vordergrund – heute geht’s für viele direkt an die Hanteln. Schon 13- und 14-Jährige trainieren mehrmals pro Woche in Studios. Das Ziel: Muskelmasse, Sixpack, Status. Dabei werden auch Nahrungsergänzungsmittel wie Proteinshakes oder Creatin selbstverständlich – oft ohne ausreichendes Wissen über Wirkung und Risiken.

Social Media als Motor des Trends

Plattformen wie TikTok und Instagram spielen beim Muskel-Hype eine zentrale Rolle. Hier werden Trainingspläne geteilt, Vorher-Nachher-Bilder gepostet und Muskeln als Maßstab für Erfolg, Disziplin und Männlichkeit dargestellt. Das Problem: Viele Influencer inszenieren extreme Körper als normal – und erzeugen damit Druck, dem vor allem junge Menschen nur schwer widerstehen können.

Experten warnen vor Risiken

Auf der Fitnessmesse FIBO in Köln sprechen wir mit Sportmedizinern und Trainern. Sie beobachten die Entwicklung mit Sorge. Dr. Claudia Heidrich, Sportmedizinerin, sagt:
„Krafttraining in jungen Jahren kann sinnvoll sein – aber nur unter Anleitung. Wer unkontrolliert Gewichte stemmt, riskiert Haltungsschäden, Sehnenreizungen und Wachstumsstörungen.“
Vor allem dann, wenn Jugendliche ohne professionelle Begleitung trainieren und sich Trainingspläne aus dem Netz holen, steigt das Verletzungsrisiko.

Auch die Psyche leidet

Neben körperlichen Risiken sehen Psychologinnen und Jugendberater auch eine Gefahr für das Selbstwertgefühl. „Junge Männer vergleichen sich ständig mit unerreichbaren Körperidealen“, erklärt Psychologe Jonas Wendt. „Wer das nicht erreicht, fühlt sich schnell minderwertig.“
Muskelwachstum wird zum Ersatz für Selbstbewusstsein. Das kann in Körperbildstörungen und sogar in Essstörungen wie Muskeldysmorphie („Bigorexie“) münden – dem Zwang, immer muskulöser werden zu wollen.

Was sagen Jugendliche selbst?

Im Gespräch mit Jugendlichen im Fitnessstudio wird deutlich: Viele trainieren aus Spaß, aber eben auch, weil sie dazugehören wollen.
„Wenn du kein breites Kreuz hast, bist du nicht dabei“, sagt ein 16-Jähriger offen.
Ein anderer gesteht: „Ich habe mit dem Training angefangen, weil ich mich zu dünn fand. Jetzt bin ich jeden Tag da.“

Fazit: Training ja – aber bitte mit Maß

Sport ist wichtig – keine Frage. Auch Krafttraining kann in Maßen sinnvoll sein. Aber die Entwicklung hin zum körperlichen Extrem, ohne Rücksicht auf Gesundheit oder Alter, ist gefährlich.
Eltern, Schulen und Studios sollten junge Menschen begleiten, statt sie sich selbst zu überlassen. Und auf Social Media braucht es mehr echte Vorbilder – nicht nur glänzende Körper.

Der Muskel-Hype mag kommen und gehen. Aber ein gesunder Umgang mit dem eigenen Körper bleibt wichtig – egal, wie viele Likes man dafür bekommt.

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