Einst war Sean „Diddy“ Combs ein Titan der Musikindustrie – nun steht er im Zentrum eines der aufsehenerregendsten Prozesse der letzten Jahrzehnte. Der Gründer von Bad Boy Records, der früher mit seinem Einfluss und Reichtum Schlagzeilen machte, muss sich ab dem 5. Mai 2025 in New York City wegen bundesweiter Anklagen zu Sexualverbrechen verantworten.
Die Anklage: RICO, Sexhandel und Zwangsprostitution
Laut Anklageschrift wird dem 55-Jährigen unter anderem Sexhandel, Förderung der Prostitution und Beteiligung an einem kriminellen Netzwerk (RICO-Gesetz) zur Last gelegt. Besonders brisant: Die Staatsanwaltschaft spricht von sogenannten „Freak-Offs“ – orgienähnlichen Veranstaltungen, bei denen Opfer durch Drogen und Einschüchterung gefügig gemacht worden sein sollen. Videos davon sollen den Ermittlern bereits vorliegen.
Die Liste der Vorwürfe ist lang – und wird durch zahlreiche Zivilklagen untermauert. Mehr als ein Dutzend Frauen beschuldigen Diddy der Vergewaltigung, sexuellen Nötigung und körperlichen Misshandlung, einige Fälle reichen bis in die 90er zurück.
Ein prominenter Fall: Cassie Ventura
Besondere Aufmerksamkeit erregte die Klage seiner Ex-Partnerin Cassie Ventura, die Diddy im November 2023 öffentlich beschuldigte. Die Klage wurde zwar schnell beigelegt, doch ein später veröffentlichtes Überwachungsvideo, das offenbar zeigt, wie Combs sie im Hotel brutal schlägt, sorgte für neue Empörung. Diddy entschuldigte sich später öffentlich in einem Video.
Cassie könnte nun als Schlüsselzeugin im Strafprozess auftreten.
Prozessbeginn trotz Widerstand der Verteidigung
Trotz mehrfacher Versuche seines Verteidigerteams, den Prozessbeginn zu verschieben, setzte Bundesrichter Arun Subramanian den Start der Geschworenen-Auswahl auf den 5. Mai fest – am selben Tag wie die Met Gala, wo Combs einst Stammgast war. Statt auf dem roten Teppich wird der einstige Star nun im Gerichtssaal erscheinen müssen.
Diddy bleibt in Haft – trotz Promistatus
Seit seiner Verhaftung im September 2024 befindet sich Combs in Untersuchungshaft im Metropolitan Detention Center Brooklyn, wo auch FTX-Gründer Sam Bankman-Fried einsitzt. Dieser erklärte kürzlich in einem Interview: „Diddy war freundlich. Es ist eine Situation, in der niemand sein will.“
Die Kaution wurde ihm verweigert, ein Einspruch beim Berufungsgericht läuft noch.
Vor dem Prozess: Ein gebrochener Superstar
Während der letzten Anhörung am 18. April wirkte Diddy deutlich stiller als zuvor. Er winkte seiner Mutter Janice Combs beim Verlassen des Gerichtssaals zu, zeigte sich jedoch zurückhaltender als noch im März. Gelegentlich tauschte er Blicke und Notizen mit seinem Verteidigerteam.
Ausblick
Diddy steht viel auf dem Spiel: Bei Schuldspruch drohen ihm mehrere Jahrzehnte Haft. Der Prozess wird mit hoher medialer Aufmerksamkeit begleitet – und könnte nicht nur die Karriere eines Musikmoguls beenden, sondern ein neues Kapitel im Umgang mit Machtmissbrauch in der Unterhaltungsbranche aufschlagen.