Die Warburg Invest Kapitalanlagegesellschaft mbH mit Sitz in Hamburg legt mit diesem Jahresbericht den WARBURG INVEST RESPONSIBLE – European Equities – Anteilklasse B, A und I vor. Der Fonds hat das Geschäftsjahr bis 30.06.2026 operativ deutlich verbessert abgeschlossen: Der Anteilwert legte in allen Klassen zweistellig zu, zugleich gab es jedoch Nettomittelabflüsse. Für Anleger ist das wichtig, weil die starke Wertentwicklung zwar erfreulich ist, die Fondsdynamik aber nicht nur von Marktgewinnen, sondern auch von Rückgaben geprägt war.
Im Bericht wird außerdem deutlich, dass der Fonds zwar klar auf europäische Aktien fokussiert bleibt, seine Absicherungsstrategie mit Put-Optionen und die sektorale Umschichtung aber die Schwankungen nicht vollständig ausgleichen konnten. Aus Anlegersicht auffällig ist zudem die Kostenbelastung, die bei den günstigeren institutionellen Konditionen zwar niedriger ausfällt, aber im Verhältnis zu den Erträgen weiterhin spürbar bleibt.
Vermögen und Wertentwicklung
Zum Ende des Geschäftsjahres belief sich das Fondsvermögen auf 44,63 Mio. Euro. Das ist ein kräftiger Anstieg gegenüber dem Vorjahr und zeigt, dass der Fonds 2025/2026 insgesamt gewachsen ist. Der Anteilwert lag am 30.06.2026 bei 68,69 Euro in der Anteilklasse A, 68,38 Euro in der Anteilklasse B und 191,98 Euro in der Anteilklasse I.
Besonders stark war die Entwicklung auf Anteilsebene: Die Anteilklasse A legte um 22,47 Prozent zu, die Klasse B um 22,57 Prozent und die Klasse I um 23,68 Prozent. Das Ergebnis stammt nicht nur aus Kursgewinnen, sondern auch aus realisierten Veräußerungsgewinnen und nicht realisierten Bewertungsgewinnen. Der ordentliche Nettoertrag war zwar positiv, aber vergleichsweise klein: In Klasse A betrug er 51.821,20 Euro, in Klasse B 146.967,79 Euro und in Klasse I 92.239,88 Euro. Der eigentliche Renditetreiber war damit klar das Aktien- und Handelsresultat.
Die Mittelbewegungen zeigen jedoch ein anderes Bild: Netto flossen dem Fonds insgesamt 1,49 Mio. Euro ab, nämlich 169.277,50 Euro in Klasse A, 1.045.544,41 Euro in Klasse B und 276.395,00 Euro in Klasse I. Für Anleger ist das ein Hinweis, dass trotz guter Wertentwicklung Mittel abgezogen wurden. Das kann auf veränderte Präferenzen der Anleger, Gewinnmitnahmen oder Portfolio-Umschichtungen hindeuten.
Anlageergebnis und Ertragsquellen
Das Geschäftsjahr verlief an den Aktienmärkten insgesamt freundlich, allerdings mit deutlichen Zwischenbewegungen. Der Fonds profitierte laut Bericht vor allem von Banken, Industrie- und zyklischen Konsumwerten. Im weiteren Verlauf wurden Gesundheits- und Technologiepositionen ausgebaut, und der Bankensektor wurde wieder stärker gewichtet. Am Ende der Periode lag der Fonds zu 27 Prozent im Finanzsektor investiert, daneben waren Gesundheitswerte und Technologie besonders bedeutend.
Das gesamte Ergebnis des Geschäftsjahres betrug in Klasse A 2,06 Mio. Euro, in Klasse B 4,96 Mio. Euro und in Klasse I 1,34 Mio. Euro. Davon entfiel ein wesentlicher Teil auf nicht realisierte Gewinne: 1,32 Mio. Euro, 3,19 Mio. Euro beziehungsweise 867.252,47 Euro. Hinzu kamen realisierte Gewinne aus Verkäufen und Absicherungen, die den positiven Verlauf zusätzlich stützten. Für Anleger heißt das: Die Rendite war nicht allein „verdient“ durch laufende Dividenden, sondern vor allem durch die positive Kursentwicklung der gehaltenen Aktien und durch erfolgreiche Umschichtungen.
Eine Benchmark ist im Bericht zwar genannt: Stoxx 600 SRI NTR EUR. Der Fonds weist jedoch keinen direkten Vergleich der Rendite gegen diese Benchmark aus. Deshalb lässt sich nur feststellen, dass die absolute Entwicklung stark war, nicht aber, ob sie die Vergleichsgröße über- oder unterschritt.
Kosten
Die laufenden Kosten liegen je nach Anteilklasse unterschiedlich hoch. Die Gesamtkostenquote beträgt 1,96 Prozent in Klasse A, 1,86 Prozent in Klasse B und 0,96 Prozent in Klasse I. Die niedrigere institutionelle Klasse I ist damit deutlich günstiger, während die Retail-Klassen A und B spürbar teurer sind. Zusätzlich nennt der Bericht die Verwaltungsvergütung mit 1,70 Prozent p.a. für A, 1,60 Prozent p.a. für B und 0,70 Prozent p.a. für I. Die Verwahrstelle erhielt ebenfalls Vergütung; außerdem fielen Prüfungs-, Veröffentlichungs- und sonstige Aufwendungen an.
Wesentlich ist der Blick auf das Verhältnis von Kosten zu Erträgen: In Klasse A standen Erträge von 249.059,13 Euro Aufwendungen von 197.237,93 Euro gegenüber; in Klasse B waren es 591.957,54 Euro Erträge und 444.989,75 Euro Aufwendungen; in Klasse I 151.120,58 Euro Erträge und 58.880,70 Euro Aufwendungen. Der Fonds hat also in allen Klassen einen positiven ordentlichen Nettoertrag erwirtschaftet, aber ein erheblicher Teil der laufenden Erträge wurde durch Kosten aufgezehrt. Für Anleger bedeutet das: Die Kosten haben die Rendite nicht zunichtegemacht, aber sie mindern den Ertrag deutlich, vor allem in den teureren Klassen.
Portfolio und größte Positionen
Der Fonds war zum Stichtag zu 100,16 Prozent in Wertpapieren investiert; Liquidität spielte nur eine Nebenrolle. Bankguthaben machten rund 0,17 Prozent des Fondsvermögens aus, Forderungen 0,18 Prozent. Gleichzeitig bestanden kleine Verbindlichkeiten, sodass das Nettovermögen auf 44,63 Mio. Euro kam.
Regional lag der Schwerpunkt klar in Europa, mit besonders hohen Gewichten in Deutschland (21,1 Prozent), der Schweiz (18,1 Prozent) und den Niederlanden (13,3 Prozent). Währungsseitig ist der Fonds dadurch relevant dem Pfund und dem Schweizer Franken ausgesetzt, was das Wechselkursrisiko erhöht. Branchenmäßig dominiert der Finanzsektor, gefolgt von Gesundheit und Technologie.
Zu den größten Einzelpositionen gehörten ASML mit 8,67 Prozent des Fondsvermögens, Novartis mit 4,59 Prozent, Nestlé mit 4,50 Prozent, Roche mit 4,11 Prozent und AstraZeneca mit 3,83 Prozent. Ebenfalls bedeutend waren SAP mit 3,06 Prozent, Allianz mit 2,61 Prozent, Novo Nordisk mit 2,36 Prozent, Banco Santander mit 2,67 Prozent und Schneider Electric mit 2,18 Prozent. Für Anleger zeigt das: Der Fonds ist durchaus konzentriert auf große europäische Qualitätswerte, bleibt aber breit genug gestreut, um nicht an einer einzigen Position zu hängen.
Risiken und Auffälligkeiten
Der Bericht nennt als zentrale Risiken vor allem Marktpreisrisiken und Währungsrisiken. Zins- und Spreadrisiken spielten keine Rolle, weil keine Rentenpapiere gehalten wurden. Hervorgehoben wird außerdem, dass der Fonds zeitweise nahezu vollständig im Aktienmarkt investiert war. Das bedeutet: Die Wertentwicklung hängt stark von der allgemeinen Börsenlage ab. Positive Seite: Liquiditäts-, Bonitäts- und operationelle Risiken werden im Bericht als gering beziehungsweise nicht auffällig beschrieben.
Eine auffällige Änderung gegenüber dem Vorjahr ist die Senkung der Mindestquote für nachhaltigkeitsbezogene Kriterien von 85 auf 80 Prozent im vierten Quartal 2025. Am Ende der Berichtsperiode lag die Quote dennoch bei 87,2 Prozent. Für Anleger ist das ein Signal, dass die Nachhaltigkeitsausrichtung erhalten blieb, die Manager aber mehr Flexibilität wollten, um Umschichtungen und Ratingsänderungen besser zu steuern.
Die Ausschüttung erfolgte in allen drei Anteilklassen als Barausschüttung; in Klasse A betrug sie 1,40 Euro je Anteil, in Klasse B ebenfalls 1,40 Euro je Anteil und in Klasse I 4,00 Euro je Anteil. Der Abschlussprüfer bestätigt in einem Satz, dass der Jahresbericht nach seiner Beurteilung in allen wesentlichen Belangen den gesetzlichen Vorgaben entspricht und ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild des Fonds vermittelt.
Fazit für Anleger
Unterm Strich war 2025/2026 ein sehr gutes Aktienjahr für den Fonds: hohe Kursgewinne, positive Veräußerungsergebnisse und ein klar steigender Anteilwert sprechen für eine starke Managerleistung. Gleichzeitig zeigen die Nettomittelabflüsse, die Kostenquote und die spürbare Aktien- und Währungsabhängigkeit, dass der Fonds kein defensives Produkt ist. Aus Anlegersicht ist positiv, dass die Erträge die laufenden Kosten überstiegen und die Ausschüttung stabil blieb; kritisch bleibt aber, dass ein Großteil der Performance aus Markt- und Bewertungsgewinnen stammt und damit nicht verlässlich wiederholbar ist.