Der Jahresbericht zum 30.06.2026 der Warburg Invest Kapitalanlagegesellschaft mbH mit Sitz in Hamburg zeigt für den Warburg Classic Vermögensmanagement Fonds – Anteilklasse V; Warburg Classic Vermögensmanagement Fonds – Anteiklasse R ein insgesamt sehr gutes Börsenjahr: Der Fonds profitierte vor allem von steigenden Aktienmärkten und weist für beide Anteilklassen eine deutlich positive Wertentwicklung aus. Gleichzeitig bleibt das Produkt für Anleger ein aktiv gesteuerter, vergleichsweise kostenintensiver Mischfonds mit hohem Aktien- und US-Schwerpunkt sowie spürbaren Fremdwährungsrisiken.
Ein externer Fondsmanager oder Anlageberater wird im Bericht nicht genannt; die Steuerung liegt bei der Kapitalverwaltungsgesellschaft selbst. Auffällig ist aus Anlegersicht vor allem: Der Ertrag kam nicht aus laufenden Zinsen oder Dividenden allein, sondern überwiegend aus realisierten und nicht realisierten Kursgewinnen. Die Kehrseite sind Kostenquoten, die insbesondere in der Anteilklasse R hoch ausfallen.
Vermögen und Wertentwicklung
Das Fondsvermögen stieg im Geschäftsjahr 2025/2026 von 69,71 Mio. Euro auf 82,29 Mio. Euro. Das entspricht einem Zuwachs von rund 18 %. Treiber war nicht nur die Wertentwicklung, sondern auch die starke Aufwertung der Bestände an den Aktien- und Anleihemärkten. Netto flossen dem Fonds allerdings Mittel ab: Unter dem Strich standen Mittelabflüsse von 3,18 Mio. Euro, weil 3,96 Mio. Euro aus Rücknahmen abflossen und nur 0,79 Mio. Euro über Verkäufe neuer Anteile zuflossen.
Die Anteilklasse R legte im Berichtszeitraum um 23,24 % zu, die am 15.09.2025 aufgelegte Anteilklasse V um 19,34 %. Der Endwert lag bei 33,04 Euro je Anteil in der R-Klasse und bei 119,34 Euro in der V-Klasse. Damit blieb der Fonds im Berichtsjahr klar im Plus und profitierte nach Angaben des Berichts von deutlich steigenden Aktienmärkten.
Beim Ergebnis ist wichtig: Das ordentliche Nettoergebnis war in der Anteilklasse R mit minus 697.264,57 Euro negativ. Das heißt, die laufenden Erträge aus Dividenden und Zinsen reichten nicht aus, um die laufenden Aufwendungen zu decken. Der Gesamterfolg kam deshalb vor allem aus Veräußerungsgewinnen und aus nicht realisierten Kurssteigerungen. Aus Veräußerungsgeschäften ergaben sich 2,58 Mio. Euro, zusätzlich kamen 13,85 Mio. Euro nicht realisierte Gewinne hinzu. Insgesamt erreichte die R-Klasse ein Ergebnis von 15,73 Mio. Euro.
Für die neue V-Klasse ist der Zeitraum noch kurz und als Rumpfgeschäftsjahr nur eingeschränkt vergleichbar. Hier lag das Ergebnis bei 19,34 Euro je Anteil, wovon 14,78 Euro auf nicht realisierte Gewinne entfielen.
Kosten
Die Kosten sind für Anleger ein wesentlicher Punkt. Die Verwaltungsvergütung beträgt laut Anteilklassenübersicht 1,75 % p.a. für die R-Klasse und 1,00 % p.a. für die V-Klasse; hinzu kommt jeweils ein Ausgabeaufschlag von bis zu 5,00 %. Die Gesamtkostenquote liegt bei 2,20 % in der R-Klasse und 1,17 % in der V-Klasse. Aus Anlegersicht ist das relevant, weil die Kosten einen spürbaren Teil der laufenden Bruttoerträge aufzehren.
In der R-Klasse beliefen sich die Aufwendungen auf 1,48 Mio. Euro. Darin enthalten waren vor allem 1,19 Mio. Euro Verwaltungsvergütung, 92.359 Euro Verwahrstellenvergütung sowie 176.209 Euro sonstige Aufwendungen. Die im Bericht ausgewiesenen wesentlichen sonstigen Aufwendungen bestanden vor allem aus fremden Depotgebühren von 89.477,97 Euro und sonstigen ordentlichen Aufwänden von 85.352,69 Euro. Dem standen nur 780.464,04 Euro an Erträgen gegenüber. Das Verhältnis ist damit klar unausgewogen: Der Fonds erwirtschaftete laufend zu wenig Ertrag, um die Kosten zu decken, und war deshalb auf Kursgewinne angewiesen.
Für die V-Klasse fielen wegen des kurzen Zeitraums nur 0,31 Euro Aufwand und 0,98 Euro Ertrag an; die Gesamtkostenquote bleibt aber auch hier hoch genug, um bei schwächerem Marktumfeld stärker zu belasten.
Portfolio und größte Positionen
Der Fonds war zum 30.06.2026 sehr aktienlastig aufgestellt. Aktien und aktienähnliche Wertpapiere machten 54,01 % des Fondsvermögens aus, Investmentanteile 35,40 % und verzinsliche Wertpapiere 9,33 %. Die Liquiditätsquote war mit 1,31 % gering. Derivate standen per saldo leicht negativ bei minus 0,04 %. Insgesamt war der Fonds damit fast vollständig investiert.
Regional lag der Schwerpunkt klar auf den USA. Der Bericht nennt rund 80 % des Fondsvermögens in Wertpapieren mit Fremdwährungsbezug, davon mit Abstand am stärksten den US-Dollar mit etwa 65 %. Neben US-Aktien hielt der Fonds auch europäische Titel, japanische Aktien über ETFs sowie Anleihen in US-Dollar und britischen Pfund. Währungsrisiken wurden teilweise abgesichert, insbesondere gegen USD und JPY.
Die größten Einzelpositionen waren unter den Aktien vor allem US-Techwerte: Alphabet mit 2,79 Mio. Euro, Nvidia mit 2,65 Mio. Euro, Apple mit 2,22 Mio. Euro, Micron Technology mit 2,31 Mio. Euro, Amazon mit 1,68 Mio. Euro sowie Microsoft mit 1,29 Mio. Euro. Auf der europäischen Seite fielen unter anderem ASML, Siemens, L’Oréal, Schneider Electric, TotalEnergies und SAP ins Gewicht. Bei den Anleihen dominieren US-Treasuries und britische Staatsanleihen mit kurzer bis mittlerer Laufzeit. Bei den Zielfonds sind unter anderem die eigenen Warburg-Fonds sowie ETFs auf globale Aktien, Japan und Anleihen vertreten.
Risiken und Auffälligkeiten
Aus Anlegersicht fällt auf, dass der Fonds trotz Mischfonds-Charakters deutlich aktiengetrieben bleibt. Das erhöht Chancen, aber auch Schwankungen. Der Bericht nennt selbst eine Volatilität von 9,33 % p.a. und ein durchschnittliches Leverage von 130,41 %. Das zeigt: Der Fonds arbeitete zeitweise mit erhöhtem Marktexposure, auch wenn dies im Rahmen der Anlagepolitik erfolgte.
Als wesentliche Risiken nennt der Bericht Zins- und Spreadänderungsrisiken bei den Anleihen, Währungsrisiken aufgrund des hohen Fremdwährungsanteils, Marktpreisrisiken aus Aktien und Optionen sowie Bonitäts- und Ausfallrisiken. Operative oder Liquiditätsprobleme wurden nicht festgestellt; sämtliche Rückgabebegehren konnten bedient werden. Eine nennenswerte Änderung der Strategie gab es nicht, wohl aber die Auflegung der Anteilklasse V am 15.09.2025.
Die Erträge stammen vor allem aus Kursbewegungen: Das Veräußerungsergebnis war deutlich positiv, insbesondere durch hohe Netto-Gewinne aus dem Verkauf von Aktien. Demgegenüber standen Verluste aus Anleihen sowie Futures und Optionsgeschäften. Für Anleger bedeutet das: Das Ergebnis des Jahres war stark marktgetrieben und weniger von stabilen laufenden Ausschüttungen abhängig.
Fazit für Anleger
Der Bericht zeigt einen Fonds, der im günstigen Marktumfeld klar verdient hat, dessen Ertragskraft aber nicht aus dem laufenden Geschäft stammt, sondern aus Kursgewinnen. Die Kosten sind vor allem in der R-Klasse hoch, und die starke Aktien-, US- und Fremdwährungsorientierung macht den Fonds schwankungsanfällig. Die Prüfung durch PricewaterhouseCoopers GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ergab ein uneingeschränktes Prüfungsurteil: Der Jahresbericht entspricht in allen wesentlichen Belangen den gesetzlichen Vorgaben und vermittelt ein zutreffendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Fonds.