Die Hauck & Aufhäuser Fund Services S.A. mit Sitz in Munsbach legt als Verwaltungsgesellschaft den geprüften Jahresbericht zum 30. Juni 2026 für den Turkish Value Fund I und Turkish Value Fund R vor. Als externer Fondsmanager ist Arve Asset Management AG mit Sitz in Lutzenberg genannt. Aus Anlegersicht zeigt der Bericht vor allem: Der Fonds ist in kurzer Zeit kräftig gewachsen, blieb im ersten Rumpfgeschäftsjahr aber wegen des späten Portfolioaufbaus und der schwachen türkischen Lira hinter dem Markt zurück.
Das Sondervermögen startete am 29. Dezember 2025 mit 50.000 Euro und wuchs bis zum Stichtag auf rund 13,55 Millionen Euro. Der Nettozufluss von 13,38 Millionen Euro stammt fast vollständig aus Zeichnungen; Rückgaben spielten mit knapp 50.000 Euro nur eine Nebenrolle. Der Anteilwert lag zum 30. Juni 2026 bei 99,76 Euro für die Anteilklasse I und 99,43 Euro für die Anteilklasse R – also knapp unter dem Erstausgabepreis von 100 Euro. Für Anleger bedeutet das: Das Fondsvolumen ist rasch gestiegen, die Wertentwicklung des Auftakthalbjahres war aber nur leicht negativ.
Vermögen und Wertentwicklung
Der Fonds investierte laut Bericht ausschließlich in türkische Aktien und hielt zum Stichtag 27 Positionen. Die Aktienquote lag bei 99,11 Prozent des Fondsvermögens, der Kassenbestand bei rund 1 Prozent. Die Kapitalbeteiligungsquote betrug 96,53 Prozent. Auffällig ist die volle Abhängigkeit vom türkischen Markt und von der türkischen Währung: Das Portfolio lautete nahezu vollständig auf Lira und war nicht abgesichert. Aus Anlegersicht erhöht das die Schwankungsanfälligkeit, gerade weil die Lira im Berichtszeitraum gegenüber dem Euro um rund 6 Prozent nachgab.
Die Rendite fiel in beiden Anteilklassen leicht negativ aus: minus 0,24 Prozent bei Klasse I und minus 0,57 Prozent bei Klasse R. Der Bericht erklärt das vor allem mit dem Timing des Portfolioaufbaus. Der türkische Aktienmarkt legte zu Jahresbeginn kräftig zu, der Fonds konnte daran aber erst begrenzt teilhaben, weil der Aufbau erst Ende Januar begann. Als das Portfolio investiert wurde, war das Marktumfeld bereits unruhiger. Für Anleger heißt das: Nicht das Aktienuniversum an sich war das Problem, sondern der ungünstige Einstiegszeitpunkt in einen sehr volatilen Markt.
Zum Ergebnis trugen Dividenden von rund 0,22 Millionen Euro brutto beziehungsweise rund 0,19 Millionen Euro netto sowie Zinsen von rund 0,04 Millionen Euro bei. Gleichzeitig schlug die Währungsentwicklung negativ auf den Euro-Anteilwert durch. Das realisierte Veräußerungsergebnis betrug 444.910,17 Euro und stammte im Wesentlichen aus Aktienverkäufen; realisierte Gewinne und Verluste hielten sich dabei in einem insgesamt positiven Bereich. Das Gesamtresultat des Rumpfgeschäftsjahres fiel dennoch unterschiedlich aus: Die Anteilklasse I erzielte ein Ergebnis von 96.002,39 Euro, Klasse R einen leichten Verlust von 313,64 Euro.
Die Jahresvolatilität lag laut Bericht bei rund 18,3 Prozent p.a. bzw. insgesamt im Bereich von 18 bis 22 Prozent. Das ist für einen konzentrierten Schwellenländer-Aktienfonds nicht ungewöhnlich, aber für Anleger ein klares Risikosignal.
Kosten
Die laufenden Kosten sind für ein erstes, kurzes Geschäftshalbjahr nicht niedrig: Die Gesamtkostenquote beträgt annualisiert 1,63 Prozent für die Anteilklasse I und 2,16 Prozent für die Anteilklasse R; eine Performance Fee fiel nicht an. Hinzu kamen Transaktionskosten von 25.167,59 Euro. Für Anleger wichtig ist das Verhältnis von Kosten zu Erträgen: In Klasse I beliefen sich die Erträge auf 238.324,73 Euro, die laufenden Aufwendungen auf 102.725,23 Euro; damit wurden rund 43 Prozent der Erträge allein durch laufende Kosten aufgezehrt. In Klasse R waren die Erträge zwar klein, die Kosten relativ dazu aber ebenfalls spürbar. Der Unterschied zwischen den Klassen kommt insbesondere durch die höhere fondsbezogene Belastung in der R-Klasse zum Ausdruck.
Die Verwaltungsvergütung wurde in der Gewinn- und Verlustrechnung mit 79.158,46 Euro für Klasse I und 673,68 Euro für Klasse R ausgewiesen; dazu kamen Verwahrstellenvergütung, Prüfungs- und Veröffentlichungskosten sowie sonstige Aufwendungen. Die Fondsmanagementvergütung betrug in Klasse I 74.219,33 Euro und in Klasse R 646,86 Euro. Aus Sicht von Privatanlegern ist vor allem relevant, dass die Gebühren schon in der Startphase einen merklichen Teil des laufenden Ertrags binden.
Portfolio und größte Positionen
Das Portfolio war breit über türkische Sektoren gestreut, unter anderem Konsum und Einzelhandel, Nahrungsmittel und Getränke, Automobil und Maschinen, Finanzwerte und Versicherungen, Holdinggesellschaften, Immobilien, Baustoffe und Energie. Trotz dieser sektoralen Breite bleibt der Fonds auf ein einziges Land konzentriert. Die größten Positionen zum Stichtag waren Gimat Magazacilik mit 7,51 Prozent, Anadolu Efes mit 7,39 Prozent, Karsan Otomotiv mit 5,21 Prozent, GSD Holding mit 4,91 Prozent und Rönesans Gayrimenkul mit 4,48 Prozent des Nettofondsvermögens. Die fünf größten Positionen machten zusammen rund 30 Prozent aus, die zehn größten rund 50 Prozent. Das zeigt: Der Fonds ist zwar nicht auf wenige Titel fixiert, bleibt aber deutlich konzentriert.
Im Berichtszeitraum wurden Gülermak und Horoz Lojistik verkauft. Positiv wirkten unter anderem Gimat Mağazacılık, Karsan Otomotiv, GSD Holding und Rönesans Gayrimenkul. Belastend waren vor allem Mavi Giyim, Türk Traktör, Aksigorta und Doğuş Otomotiv durch nicht realisierte Verluste. Der Bericht nennt außerdem den Liquiditätspuffer von rund 1 Prozent und die tägliche Handelbarkeit als Unterstützung für Rückgaben. Gleichzeitig bleibt das Liquiditätsrisiko bei Nebenwerten ein Thema.
Risiken und Auffälligkeiten
Aus Anlegersicht auffällig ist die Kombination aus hoher Aktienquote, einseitigem Länderschwerpunkt und ungesichertem Währungsrisiko. Der Bericht benennt ausdrücklich Risiken aus Markt-, Emittenten-, Liquiditäts-, Währungs- und operationellen Faktoren. Besonders relevant ist, dass die Performance des Fonds nicht an einer Benchmark gemessen wird. Das schafft Spielraum, macht den Erfolg aber auch stärker abhängig von der Qualität der Einzeltitelauswahl und vom Einstiegszeitpunkt.
Weitere Veränderungen gegenüber dem Vorjahr gibt es naturgemäß kaum, weil der Fonds erst im Oktober 2025 aufgelegt wurde. Wesentliche Ereignisse waren Anpassungen der Anlagebedingungen zum 29. Dezember 2025 und 16. April 2026 sowie der Wechsel der Verwahrstelle zur ABN AMRO Bank N.V. Frankfurt Branch per 15. Juni 2026. Der ordentliche Nettoertrag fiel mit 135.599,50 Euro in Klasse I und 494,28 Euro in Klasse R positiv aus; das unterstreicht, dass die laufenden Erträge vorhanden sind, der Kurs- und Währungseffekt aber das Gesamtergebnis dominiert.
Fazit für Anleger
Der Bericht zeichnet das Bild eines fokussierten, aktiv gemanagten Türkei-Aktienfonds mit guter laufender Ertragsbasis, aber hoher Abhängigkeit von Marktstimmung, Lira-Entwicklung und der Auswahl einzelner Titel. Ausschüttungen gab es im Rumpfgeschäftsjahr nicht; der gesamte verfügbare Betrag wurde auf neue Rechnung vorgetragen. Der Abschlussprüfer bescheinigt dem Jahresbericht, dass er in allen wesentlichen Belangen den Vorschriften des KAGB entspricht und ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild vermittelt. Für Anleger ist der Fonds damit nachvollziehbar beschrieben – aber klar als chancenorientierte, schwankungsanfällige Schwellenländerstrategie einzuordnen.