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Next2Sun nach gescheiterter Kapitalmaßnahme: Zwei Gesellschaften beantragen Insolvenzverfahren

geralt (CC0), Pixabay

Next2Sun aus Dillingen/Saar gilt als Spezialist für vertikale Photovoltaik und Agri-Photovoltaik. Bei diesem Konzept werden Solarmodule so auf landwirtschaftlichen Flächen errichtet, dass Energieerzeugung und landwirtschaftliche Nutzung miteinander verbunden werden können.

Technologisch mag das Konzept Zukunftspotenzial besitzen. Wirtschaftlich ist die Unternehmensgruppe nun jedoch in eine kritische Situation geraten.

Am 18. September 2026 hatte Next2Sun selbst öffentlich erklärt, vor einer entscheidenden Phase zu stehen. Die laufende Aktienemission habe bis dahin nur einen Bruchteil des angestrebten Volumens erreicht.

Das Unternehmen machte damals deutlich, wie ernst die Lage war: Ohne ausreichendes zusätzliches Kapital sei der Fortbestand gefährdet.

Mindestens fünf Millionen Euro sollten zusammenkommen

Die Dimension der Finanzierung wurde anschließend konkreter.

Nach Angaben von Next2Sun sollten bis zum 25. September mindestens fünf Millionen Euro durch Aktienzeichnungen, weitere liquide Mittel oder verbindliche Finanzierungszusagen zusammenkommen.

Die Mindestzeichnungssumme für neue Aktien wurde auf 600 Euro reduziert.

Damit richtete sich das Unternehmen ausdrücklich auch an private Anleger und Unterstützer der Energiewende.

Bemerkenswert war die Bedingung, die Next2Sun selbst formulierte:

Sollte kein Finanzierungsvolumen erreicht werden, mit dem eine wirtschaftlich sinnvolle Fortführung möglich sei, sollte die Kapitalerhöhung nicht durchgeführt werden.

Für diesen Fall hatte das Unternehmen bereits einen Insolvenzantrag angekündigt.

Damit war für potenzielle Anleger ungewöhnlich deutlich erkennbar, dass es sich bei der Kapitalmaßnahme nicht lediglich um gewöhnliches Wachstumskapital handelte.

Es ging um die Zukunft des Unternehmens.

Zunächst sah es nach mehr als fünf Millionen Euro aus

Am 28. September schien sich die Situation zunächst aufzuhellen.

Nach Angaben des Unternehmens waren Finanzierungsbeiträge von insgesamt mehr als fünf Millionen Euro mobilisiert worden.

Allerdings stammte diese Summe nicht allein aus Aktienzeichnungen. Hinzu kamen weitere Finanzierungsmöglichkeiten und Unterstützungsangebote.

Next2Sun kündigte deshalb an, die Zusagen zunächst zu prüfen und zu verifizieren.

Genau diese Prüfung wurde anschließend zum Problem.

Zwei größere Investmentzusagen waren nicht ausreichend gesichert

Am 2. Oktober folgte die Ernüchterung.

Next2Sun erklärte, dass die für die Kapitalmaßnahme erforderliche Finanzierungssumme nicht mit dem notwendigen Grad an Verbindlichkeit erreicht worden sei.

Nach Angaben des Unternehmens enthielt die Gesamtsumme zwei größere Investmentzusagen, deren Umsetzung nicht gesichert werden konnte.

Damit kam die Beteiligung nicht zustande.

Für Anleger ist dabei ein wichtiger Punkt festzuhalten:

Die abgegebenen Zeichnungen wurden nicht angenommen und nach Unternehmensangaben wurden keine Anlegergelder eingezogen.

Wer im Rahmen dieser konkreten Kapitalmaßnahme Aktien zeichnen wollte, wurde damit nicht nachträglich Aktionär aufgrund dieser Zeichnung.

Drei Tage später folgten Insolvenzanträge

Seit dem 5. Oktober ist klar, welche Konsequenzen die gescheiterte Finanzierung hatte.

Next2Sun teilte mit, dass für Teile der Unternehmensgruppe die Eröffnung von Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt worden sei.

Nach übereinstimmender aktueller Berichterstattung handelt es sich um die

Next2Sun Technology GmbH und die Next2Sun Mounting Systems GmbH.

Nicht betroffen seien nach aktuellem Stand die Next2Sun AG als Muttergesellschaft und die Next2Sun Projekt GmbH. Auch Projektgesellschaften, die bereits realisierte Agri-PV-Anlagen betreiben, sollen nach Unternehmensangaben nicht insolvent sein.

Diese gesellschaftsrechtliche Trennung ist wichtig.

Eine Insolvenz einzelner Tochtergesellschaften bedeutet nicht automatisch, dass sämtliche Unternehmen der Next2Sun-Gruppe insolvent sind.

Geschäftsbetrieb soll weiterlaufen

Ein Insolvenzantrag bedeutet zudem nicht automatisch die sofortige Einstellung des Geschäftsbetriebs.

Next2Sun kündigte an, den Geschäftsbetrieb der betroffenen Gesellschaften fortzuführen.

Laufende Projekte sollen auf ihre wirtschaftliche Umsetzbarkeit geprüft und nach Möglichkeit weitergeführt werden.

Gleichzeitig soll die Suche nach Investoren fortgesetzt werden. Ziel sei es, möglichst viele Arbeitsplätze und das vorhandene Know-how zu erhalten.

Damit beginnt nun die entscheidende Sanierungsphase.

Ob und in welcher Form die betroffenen Gesellschaften dauerhaft fortgeführt werden können, ist zum jetzigen Zeitpunkt offen.

Blick in die Bilanz der Next2Sun Technology GmbH

Interessant wird der Fall beim Blick auf den letzten verfügbaren Jahresabschluss der Next2Sun Technology GmbH zum 31. Dezember 2024.

Die Gesellschaft ist keineswegs klein geblieben.

Ihre Bilanzsumme erhöhte sich innerhalb eines Jahres von rund 7,20 Millionen Euro auf knapp 17,98 Millionen Euro. Gleichzeitig stiegen die Verbindlichkeiten von rund 7,14 Millionen Euro auf 17,59 Millionen Euro.

Das entspricht einem Anstieg der Verbindlichkeiten um rund 10,45 Millionen Euro innerhalb nur eines Jahres.

Noch auffälliger ist das Verhältnis zur Bilanzsumme:

Ende 2024 entsprachen die Verbindlichkeiten rechnerisch rund 97,8 Prozent der Bilanzsumme.

Das ist keine Aussage darüber, ob die Gesellschaft Ende 2024 zahlungsunfähig war. Es zeigt aber, wie stark ihre Bilanz auf der Passivseite von Verbindlichkeiten geprägt war.

Eigenkapital von nur 214.000 Euro

Dem standen zum Jahresende 2024 lediglich rund 214.000 Euro Eigenkapital gegenüber.

Rechnerisch ergibt sich damit eine Eigenkapitalquote von nur etwa 1,2 Prozent.

Immerhin war das eine Verbesserung gegenüber den Vorjahren.

2021, 2022 und 2023 hatte die Gesellschaft nach den vorliegenden Daten jeweils einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag ausgewiesen. Ende 2023 betrug dieser noch rund 794.000 Euro.

Ende 2024 war dieser bilanzielle Fehlbetrag verschwunden.

Das Eigenkapitalpolster blieb im Verhältnis zur stark gewachsenen Bilanzsumme allerdings äußerst schmal.

Liquiditätsposition fiel deutlich

Ein weiterer Wert verdient Aufmerksamkeit.

Die liquiden Mittel beziehungsweise der ausgewiesene Kassenbestand lagen Ende 2023 noch bei rund 969.000 Euro.

Ende 2024 waren es nur noch rund 159.000 Euro. Gleichzeitig stiegen die Forderungen von rund 1,51 Millionen auf etwa 3,21 Millionen Euro.

Allein daraus lässt sich keine Zahlungsunfähigkeit ableiten.

Forderungen können kurzfristig zahlbar und werthaltig sein; zudem erlaubt eine Jahresendbilanz keinen vollständigen Blick auf die unterjährige Liquidität.

Die Entwicklung zeigt jedoch, warum bei einem schnell wachsenden Unternehmen die Frage nach der tatsächlichen Finanzierung und dem verfügbaren Cash besonders wichtig ist.

Von Millionenverlusten zu einem Mini-Gewinn

Auch die Ergebnisentwicklung fällt auf.

Die Next2Sun Technology GmbH hatte in den Jahren 2020 bis 2022 erhebliche Jahresfehlbeträge ausgewiesen:

2020 rund 487.000 Euro Verlust, 2021 rund 646.000 Euro Verlust und 2022 rund 830.000 Euro Verlust.

2023 gelang mit rund 82.000 Euro erstmals ein Jahresüberschuss.

2024 blieb davon jedoch nur ein Gewinn von rund 8.400 Euro übrig.

Gleichzeitig belief sich der Personalaufwand 2024 auf knapp 1,97 Millionen Euro, die sonstigen betrieblichen Aufwendungen auf rund 1,32 Millionen Euro und das negative Finanzergebnis auf rund 321.000 Euro.

Das Ergebnis war damit trotz der stark gewachsenen Bilanz nur knapp positiv.

Die Mounting Systems GmbH sah Ende 2024 deutlich besser aus

Allerdings wäre es falsch, daraus auf die gesamte Unternehmensgruppe zu schließen.

Die ebenfalls vom Insolvenzantrag betroffene Next2Sun Mounting Systems GmbH zeigte Ende 2024 ein deutlich anderes Bild.

Sie verfügte über rund 955.000 Euro Eigenkapital bei einer Bilanzsumme von rund 4,78 Millionen Euro. Die Verbindlichkeiten lagen bei rund 3,69 Millionen Euro.

Noch bemerkenswerter:

Die Gesellschaft erzielte 2024 nach den vorliegenden Abschlussdaten einen Jahresüberschuss von rund 665.000 Euro. Im Vorjahr waren es lediglich rund 19.000 Euro gewesen.

Damit zeigt der Fall exemplarisch, warum bei Unternehmensgruppen nicht einfach von „der Bilanz von Next2Sun“ gesprochen werden sollte.

Die einzelnen Gesellschaften hatten unterschiedliche Vermögens-, Finanzierungs- und Ergebnisstrukturen.

Was geschah 2025?

Genau hier liegt derzeit eine der wichtigsten offenen Fragen.

Der letzte vorliegende Abschluss betrifft 2024.

Die eigentliche Zuspitzung scheint jedoch im Geschäftsjahr 2025 stattgefunden zu haben.

Next2Sun erklärte im September selbst, dass insbesondere Belastungen des Geschäftsjahres 2025 durch eine nicht genehmigte Agri-PV-Förderung sowie die Zurückhaltung von Investoren und Banken deutliche Spuren hinterlassen hätten.

Gegenüber dem Fachmedium PHOTON erklärte eine Unternehmenssprecherin außerdem, der Konzernabschluss 2025 liege noch nicht vor. In der Gruppe habe es gegenüber 2024 jedoch einen deutlichen Einbruch bei Gesamtleistung und Ergebnis gegeben.

Gerade die Zahlen für 2025 wären deshalb entscheidend, um nachvollziehen zu können, wie aus der Situation Ende 2024 innerhalb relativ kurzer Zeit eine Finanzierungskrise wurde.

Bemerkenswert: 2026 wurde das Kapital noch erhöht

Hinzu kommt eine weitere Entwicklung.

Bei der Next2Sun Technology GmbH zeigen die vorliegenden Unternehmensdaten mehrere Kapitalmaßnahmen.

Das Stammkapital lag Ende 2024 bei 2,022 Millionen Euro. Im August 2025 wird eine Erhöhung auf 2,522 Millionen Euro ausgewiesen. Für April 2026 ist schließlich ein Kapital von 3,822 Millionen Euro dokumentiert.

Bei der Next2Sun Mounting Systems GmbH stieg das ausgewiesene Stammkapital ebenfalls: von 1,25 Millionen Euro auf 1,75 Millionen Euro im September 2025 und schließlich auf 2,75 Millionen Euro im Mai 2026.

Diese Kapitalerhöhungen werfen angesichts der wenige Monate später eingetretenen Finanzierungskrise zusätzliche Fragen auf:

Wie viel zusätzliche Liquidität floss tatsächlich in die Gesellschaften?

Wofür wurde sie verwendet?

Wie entwickelte sich der operative Cashflow?

Und welcher konkrete Kapitalbedarf bestand im September 2026?

Technologie und Liquidität sind zwei verschiedene Dinge

Next2Sun betont, dass die Krise nicht auf fehlende Projekte oder mangelnde Wirtschaftlichkeit der Technologie zurückzuführen sei.

Das Unternehmen verweist auf eine starke Projektpipeline, marktfähige Technologie und eine schwierige Finanzierungssituation im Bereich erneuerbarer Energien.

Diese Darstellung ist zunächst die Position des Unternehmens.

Aus Anlegersicht muss davon die finanzielle Situation getrennt werden.

Eine interessante Technologie, ein hoher Auftragsbestand oder aussichtsreiche Projekte garantieren nicht automatisch ausreichende Liquidität.

Unternehmen können wachsen und gleichzeitig einen hohen Finanzierungsbedarf entwickeln – beispielsweise weil Personal, Projektentwicklung und Vorleistungen bezahlt werden müssen, lange bevor Projekte Erlöse oder Liquidität erzeugen.

Ein bemerkenswerter Fall für Anleger

Der Fall Next2Sun zeigt deshalb sehr deutlich, warum Anleger bei Beteiligungen an jungen Technologie- und Energiewendeunternehmen nicht allein auf den zugrunde liegenden Sachwert oder die Technologie schauen sollten.

Vertikale Solaranlagen sind reale technische Anlagen.

Eine Aktie an einem Unternehmen, das solche Anlagen entwickelt, plant oder Komponenten dafür vertreibt, ist jedoch etwas anderes als unmittelbares Eigentum an einem Solarpark.

Anleger tragen das unternehmerische Risiko der jeweiligen Gesellschaft.

Besonders bemerkenswert ist im Fall Next2Sun die zeitliche Abfolge:

Am 18. September machte das Unternehmen öffentlich, dass seine Zukunft von zusätzlichem Kapital abhängt.

Bis 25. September sollten mindestens fünf Millionen Euro mobilisiert werden.

Am 28. September wurden zunächst Finanzierungsbeiträge von mehr als fünf Millionen Euro gemeldet.

Am 2. Oktober stellte sich heraus, dass ein Teil dieser Zusagen nicht ausreichend gesichert war.

Und am 5. Oktober 2026 wurden schließlich für zwei Gesellschaften Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt.

Entscheidend wird jetzt die Sanierung

Für die zuletzt angebotenen neuen Aktien gibt es zumindest eine klare Aussage: Da die notwendige Finanzierungsschwelle nicht erreicht wurde, kommt diese Kapitalerhöhung nicht zustande und die entsprechenden Anlegergelder sollen nicht eingezogen werden.

Anders stellt sich die Situation für bereits bestehende Aktionäre sowie Gläubiger der betroffenen Gesellschaften dar. Welche wirtschaftlichen Folgen die Verfahren für sie haben werden, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht seriös bestimmen.

Entscheidend wird sein, ob Investoren gefunden werden, welche Gesellschaften und Vermögenswerte fortgeführt werden können und wie die beantragten Eigenverwaltungsverfahren verlaufen.

Vor allem aber fehlen für eine vollständige finanzielle Bewertung noch entscheidende Informationen.

Wie hoch ist der aktuelle Liquiditätsbedarf? Wie groß waren Verlust und Mittelabfluss 2025 und 2026? Welche Forderungen bestehen innerhalb der Gruppe? Welche Verbindlichkeiten bestehen gegenüber Banken, Gesellschaftern und anderen Gläubigern? Und weshalb reichten die 2025 und 2026 vorgenommenen Kapitalmaßnahmen nicht aus, um die Finanzierung dauerhaft zu stabilisieren?

Die Antworten darauf werden darüber entscheiden, ob Next2Sun vor allem ein Beispiel für eine kurzfristige Finanzierungslücke eines grundsätzlich tragfähigen Geschäftsmodells ist – oder ob hinter der aktuellen Krise tiefere wirtschaftliche Probleme stehen.

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