Bei der Windpark Wiesental GmbH & Co. KG aus Wiemersdorf fällt im Jahresabschluss 2024/25 vor allem eine ungewöhnliche Entwicklung auf: Das Sachanlagevermögen ist von 297.793 Euro auf nur noch einen Euro gesunken. Gleichzeitig verfügt die Gesellschaft über Bankguthaben von knapp 1,69 Millionen Euro und vergleichsweise geringe Verbindlichkeiten von rund 673.000 Euro.
Die Bilanzsumme verringerte sich zum 31. Oktober 2025 nur leicht von 2,50 Millionen auf 2,43 Millionen Euro. Das Eigenkapital blieb unverändert bei 1,55 Millionen Euro.
Sachanlagen fallen auf einen Erinnerungswert von einem Euro
Der auffälligste Posten befindet sich auf der Aktivseite. Ende Oktober 2024 standen noch Sachanlagen mit einem Buchwert von 297.793 Euro in der Bilanz. Ein Jahr später weist die Gesellschaft dafür nur noch einen Euro aus.
Der Rückgang beträgt damit nahezu 100 Prozent.
Im Anhang heißt es, dass Sachanlagen zu Anschaffungs- beziehungsweise Herstellungskosten angesetzt und planmäßig abgeschrieben werden. Die Abschreibungen erfolgen linear beziehungsweise degressiv.
Aus den vorliegenden Angaben geht allerdings nicht hervor, wodurch der konkrete Rückgang von 297.793 Euro auf einen Euro verursacht wurde. Insbesondere lässt sich daraus nicht sicher feststellen, ob die Anlagen vollständig abgeschrieben, verkauft oder anderweitig ausgebucht wurden. Eine solche Erklärung enthält der veröffentlichte Abschluss nicht.
Mehr als zwei Drittel der Bilanz bestehen aus Bankguthaben
Während das Sachanlagevermögen nahezu vollständig aus der Bilanz verschwunden ist, verfügt die Gesellschaft über erhebliche liquide Mittel.
Kassen- und Bankguthaben erhöhten sich von 1,529 Millionen Euro auf 1,687 Millionen Euro. Das entspricht einem Zuwachs von rund 158.200 Euro beziehungsweise gut zehn Prozent.
Damit machen die liquiden Mittel allein rund 69,5 Prozent der gesamten Bilanzsumme aus.
Auch die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände erhöhten sich – von 139.214 Euro auf 209.546 Euro.
Insgesamt stieg das Umlaufvermögen dadurch von 1,668 Millionen auf 1,897 Millionen Euro.
Finanzanlagen bleiben bei mehr als einer halben Million Euro
Neben den hohen Bankguthaben verfügt der Windpark weiterhin über Finanzanlagen.
Diese werden zum Bilanzstichtag mit 521.530 Euro ausgewiesen. Im Vorjahr waren es 522.650 Euro. Der Rückgang fällt mit rund 1.120 Euro gering aus.
Nach Angaben im Anhang handelt es sich bei den Finanzanlagen um Beteiligungen, die grundsätzlich zu Anschaffungskosten bewertet werden. Soweit erforderlich, wird ein niedrigerer Wert angesetzt.
Das gesamte Anlagevermögen verringerte sich durch den starken Rückgang der Sachanlagen von 820.443 Euro auf 521.531 Euro.
Eigenkapitalquote steigt auf fast 64 Prozent
Das Eigenkapital beträgt unverändert 1,55 Millionen Euro. Es besteht vollständig aus den Kapitalanteilen der Kommanditisten. Einen Bilanzgewinn oder Bilanzverlust weist die Gesellschaft sowohl 2024 als auch 2025 mit null Euro aus.
Da die Bilanzsumme gleichzeitig zurückgegangen ist, erhöht sich die rechnerische Eigenkapitalquote leicht.
Ende Oktober 2024 lag sie bei rund 62,1 Prozent, ein Jahr später bei etwa 63,9 Prozent.
Damit wird fast zwei Drittel der Bilanz durch Eigenkapital finanziert.
Keine Bankschulden ausgewiesen
Bemerkenswert ist auch die Struktur der Verbindlichkeiten. Anders als bei zahlreichen fremdfinanzierten Windparkgesellschaften werden im vorliegenden Abschluss keine Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten ausgewiesen.
Die gesamten Verbindlichkeiten gingen von 744.141 Euro auf 672.725 Euro zurück. Das entspricht einem Rückgang um rund 71.400 Euro beziehungsweise 9,6 Prozent.
Der mit Abstand größte Posten sind dabei Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern. Sie reduzierten sich von 675.327 Euro auf 584.764 Euro.
Die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen stiegen dagegen leicht von 60.391 Euro auf 67.817 Euro. Die übrigen sonstigen Verbindlichkeiten erhöhten sich von 8.423 Euro auf 20.143 Euro.
Sämtliche Verbindlichkeiten kurzfristig
Ein weiterer Unterschied zu langfristig finanzierten Windparks: Die kompletten 672.724,60 Euro Verbindlichkeiten haben eine Restlaufzeit von weniger als einem Jahr.
Verbindlichkeiten mit einer Laufzeit von mehr als einem Jahr weist der Abschluss nicht aus. Entsprechend existieren auch keine ausgewiesenen Verpflichtungen mit mehr als fünf Jahren Restlaufzeit.
Den kurzfristigen Verbindlichkeiten von rund 673.000 Euro stehen allein Bankguthaben von knapp 1,69 Millionen Euro gegenüber.
Rechnerisch sind die liquiden Mittel damit rund 2,5-mal so hoch wie sämtliche ausgewiesenen Verbindlichkeiten. Das ist eine reine Bilanzrelation und keine Aussage darüber, welche Zahlungen nach dem Bilanzstichtag tatsächlich anfallen.
Rückstellungen bleiben nahezu unverändert
Bei den Rückstellungen gab es kaum Bewegung. Sie stiegen geringfügig von 203.159 Euro auf 204.291 Euro.
Damit setzen sich die Passiva im Wesentlichen aus 1,55 Millionen Euro Eigenkapital, rund 204.000 Euro Rückstellungen und knapp 673.000 Euro Verbindlichkeiten zusammen.
Insgesamt sank die Bilanzsumme lediglich um rund 70.300 Euro beziehungsweise 2,8 Prozent auf 2,427 Millionen Euro.
Mindestens 18.514 Euro Pacht pro Jahr
Zusätzlich zu den bilanzierten Verpflichtungen bestehen Nutzungsverträge mit einer Laufzeit von 20 Jahren ab Inbetriebnahme.
Die Gesellschaft muss jährlich Pachtzahlungen leisten, deren Höhe von den Einspeiseerlösen und Marktprämien abhängt. Unabhängig davon beträgt die vertragliche Mindestpacht 18.514,29 Euro pro Jahr.
Wie hoch die tatsächlichen Pachtzahlungen im Geschäftsjahr waren und wie lange die Nutzungsverträge zum Bilanzstichtag noch laufen, lässt sich aus den vorliegenden Angaben nicht entnehmen.
Gesellschaft sieht keine Zweifel an Fortführung
Im Anhang erklärt die Windpark Wiesental GmbH & Co. KG ausdrücklich, dass keine Zweifel an der Unternehmensfortführung bestehen.
Persönlich haftende Gesellschafterin ist die Bürger-Windpark Wiemersdorf Verwaltungsgesellschaft mbH. Sie ist nicht am Gesellschaftskapital beteiligt und verfügt über ein gezeichnetes Kapital von 25.000 Euro. Die Kommanditeinlagen der Windpark Wiesental GmbH & Co. KG belaufen sich auf 1,55 Millionen Euro.
Der Jahresabschluss wurde am 20. Mai 2026 festgestellt.
Insgesamt präsentiert sich damit eine ungewöhnliche Bilanzstruktur: Nur noch ein Euro Sachanlagen steht knapp 1,69 Millionen Euro Bankguthaben gegenüber. Die Gesellschaft weist keine Bankkredite aus, sämtliche Verbindlichkeiten sind kurzfristig und das Eigenkapital deckt rund 64 Prozent der Bilanzsumme ab. Warum das Sachanlagevermögen innerhalb eines Jahres praktisch vollständig aus der Bilanz verschwunden ist, erklärt der vorliegende Jahresabschluss allerdings nicht.