Wer nur gelegentlich Bus oder Bahn fährt, kennt das Problem: unterschiedliche Tarifzonen, Kurzstreckenregeln und Ticketvarianten je nach Verkehrsverbund. Die Verbraucherzentralen wollen dieses System grundlegend vereinfachen und fordern ein bundesweit einheitliches Fahrpreismodell für den öffentlichen Personennahverkehr.
Nach dem Vorschlag soll künftig vor allem die Dauer einer Fahrt darüber entscheiden, welches Ticket benötigt wird. Übrig bleiben sollen gerade einmal fünf Ticket-Arten: 15 Minuten, 30 Minuten, eine Stunde, zwei Stunden und 24 Stunden.
Deutschlandticket reicht Verbraucherschützern nicht
Ramona Pop, Chefin des Verbraucherzentrale Bundesverbands, bezeichnet das Deutschlandticket als erfolgreichen Anfang auf dem Weg aus dem Tarifdschungel. Das Problem sei damit aber nur für einen Teil der Fahrgäste gelöst.
Insbesondere Menschen, die öffentliche Verkehrsmittel nur gelegentlich nutzen, seien weiterhin mit einem unübersichtlichen Flickenteppich unterschiedlicher Tarife konfrontiert.
Je nachdem, wo eine Fahrt stattfindet, gelten unterschiedliche Tarifmodelle. Genau diese regionale Komplexität wollen die Verbraucherzentralen mit ihrem Vorschlag zurückdrängen.
Fahrzeit statt Tarifzonen
Der entscheidende Unterschied des vorgeschlagenen Systems liegt in seiner Einfachheit: Nicht unterschiedliche Tarifgebiete oder andere regionale Modelle sollen im Mittelpunkt stehen, sondern allein die Fahrtzeit.
Wer beispielsweise nur eine kurze Strecke zurücklegt, könnte ein 15- oder 30-Minuten-Ticket kaufen. Für längere Fahrten wären Tickets über eine oder zwei Stunden vorgesehen. Wer den Nahverkehr über einen größeren Teil des Tages nutzen möchte, könnte auf das 24-Stunden-Ticket zurückgreifen.
Damit würde sich das Grundprinzip eines Tickets unmittelbar aus seiner zeitlichen Gültigkeit ergeben.
Diese fünf Ticket-Arten sollen bleiben
Nach dem Vorschlag der Verbraucherzentralen soll das bundesweite Modell nur noch folgende Zeitstufen kennen:
- 15 Minuten
- 30 Minuten
- 1 Stunde
- 2 Stunden
- 24 Stunden
Welche Preise für die einzelnen Tickets verlangt werden sollen, geht aus den vorliegenden Angaben allerdings nicht hervor.
Ebenso bleibt offen, ob ein 30-Minuten-Ticket beispielsweise in München genauso viel kosten sollte wie in Leipzig, Hamburg oder einer ländlichen Region. Die Forderung richtet sich zunächst auf ein bundesweit einheitliches Fahrpreismodell.
Vor allem Gelegenheitsfahrer im Blick
Das Deutschlandticket hat die Nutzung für regelmäßige Fahrgäste bereits deutlich vereinheitlicht: Für die Argumentation der Verbraucherzentralen bleibt aber eine Lücke bei Menschen, für die sich ein dauerhaftes Abonnement nicht anbietet.
Genau diese Gelegenheitsnutzer von Bus und Bahn stehen im Zentrum des Vorstoßes. Sie sollen nicht erst herausfinden müssen, welche Tarifzone, Kurzstreckenregel oder Ticketvariante am jeweiligen Ort gilt.
Die Verbraucherzentralen wollen damit das Prinzip des Deutschlandtickets gewissermaßen auf den Einzelkartenbereich übertragen: weniger unterschiedliche Regeln und ein leichter verständliches System.
Viele Details noch offen
Wie ein ausschließlich zeitabhängiges Modell praktisch umgesetzt würde, lässt sich aus den vorliegenden Angaben noch nicht beantworten. Offen bleibt beispielsweise, welche Regeln für Umstiege gelten würden und was passiert, wenn sich eine Fahrt durch Verspätungen über die gebuchte Zeit hinaus verlängert.
Auch die konkreten Preise, mögliche Ermäßigungen und die Finanzierung eines solchen Systems werden in dem vorliegenden Auszug nicht genannt.
Fest steht zunächst nur die Kernforderung: Die Verbraucherzentralen wollen den regionalen Tarifdschungel im Nahverkehr deutlich reduzieren. Nach ihrer Vorstellung könnten dafür fünf zeitbasierte Ticket-Arten für den ÖPNV in ganz Deutschland ausreichen.