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Kommunaler Windpark Westmecklenburg bleibt bilanziell überschuldet – schreibt aber 265.000 Euro Gewinn

Shutterbug75 (CC0), Pixabay

Die Kommunaler Windpark Westmecklenburg GmbH & Co. KG mit Sitz in Bandenitz weist zum Jahresende 2025 eine Bilanzsumme von 30,454 Millionen Euro aus. Im Vorjahr waren es 31,646 Millionen Euro.

Damit schrumpft die Bilanz um rund 1,192 Millionen Euro beziehungsweise 3,8 Prozent.

Gewinn steigt von 15.763 auf 264.938 Euro

Unter dem Strich steht 2025 ein Jahresüberschuss von exakt 264.938,41 Euro.

Im Vorjahr hatte der Windpark lediglich 15.763,04 Euro verdient. Der ausgewiesene Gewinn hat sich damit um rund 249.000 Euro erhöht.

Die Geschäftsführung schlägt vor, den Jahresüberschuss auf neue Rechnung vorzutragen.

Auf den ersten Blick sieht das nach einer deutlichen Ergebnisverbesserung aus. Allerdings wird der Abschluss 2025 von erheblichen periodenfremden Effekten geprägt.

Fast 700.000 Euro Sonderertrag

Die sonstigen betrieblichen Erträge enthalten 697.400 Euro periodenfremde Erträge.

Hintergrund ist nach Angaben des Unternehmens die Weiterberechnung einer Gewerbesteuer-Nachbelastung für das Jahr 2023 aufgrund einer Anteilsveräußerung an Alt-Kommanditisten.

Allein dieser Betrag liegt deutlich über dem ausgewiesenen Jahresgewinn.

Dem steht allerdings auf der Steuerseite ein ähnlich großer Sondereffekt gegenüber.

Gleichzeitig 698.600 Euro Gewerbesteueraufwand für 2023

In den Steuern vom Einkommen und vom Ertrag stecken 698.600 Euro periodenfremde Gewerbesteueraufwendungen für das Jahr 2023.

Damit stehen sich ein periodenfremder Ertrag von rund 697.400 Euro und ein periodenfremder Steueraufwand von rund 698.600 Euro gegenüber.

Die beiden Effekte heben sich größenmäßig nahezu auf. Für die Beurteilung des laufenden Geschäfts ist diese Besonderheit wichtig, weil beide Positionen die Gewinn- und Verlustrechnung erheblich aufblähen, ohne das Ergebnis in vergleichbarer Größenordnung zu verändern.

Bilanzielle Überschuldung besteht weiter

Der entscheidende Punkt findet sich allerdings im Anhang.

Dort schreibt die Gesellschaft ausdrücklich:

„Die Gesellschaft ist bilanziell überschuldet.“

Gleichzeitig wurde der Jahresabschluss weiterhin unter der Annahme der Unternehmensfortführung aufgestellt. Nach Einschätzung der Geschäftsleitung seien Liquidität und Fortführung des Unternehmens überwiegend wahrscheinlich und gesichert. Außerdem solle die Gesellschaft von ihren Gesellschaftern weiterhin finanziell unterstützt werden.

Die bilanzielle Überschuldung darf dabei nicht automatisch mit einer insolvenzrechtlichen Überschuldung oder einer eingetretenen Insolvenz gleichgesetzt werden. Der Abschluss selbst geht ausdrücklich von der Fortführung des Unternehmens aus.

Ungedeckter Verlustanteil sinkt drastisch

Dass sich die Lage 2025 verbessert hat, zeigt sich am nicht durch Vermögenseinlagen gedeckten Verlustanteil der Kommanditisten.

Dieser sinkt von 284.131 Euro auf nur noch 19.193 Euro.

Das ist ein Rückgang um rund 93 Prozent.

Die Entwicklung korrespondiert praktisch vollständig mit dem Jahresüberschuss von 264.938 Euro.

Das nominelle Kommanditkapital beträgt 10.000 Euro und ist vollständig eingezahlt. Hinzu kommt eine Kapitalrücklage von 1,954 Millionen Euro. Dem stehen allerdings weiterhin hohe aufgelaufene Verlustpositionen gegenüber.

Fast 2,25 Millionen Euro Verlustvortrag

Der Verlustvortrag beträgt Ende 2025 noch 2,248 Millionen Euro.

Im Vorjahr waren es 2,264 Millionen Euro.

Mit dem Jahresüberschuss 2025 verbessert sich die Situation zwar deutlich. Die Verluste aus früheren Jahren sind damit aber noch längst nicht aufgeholt.

Nach Verrechnung der Kapitalanteile, Rücklagen, des Verlustvortrags und des Jahresüberschusses ergibt sich zunächst ein negativer Kapitalbetrag von 19.193 Euro. Dieser wird durch den gleich hohen „nicht durch Vermögenseinlagen gedeckten Verlustanteil“ ausgeglichen, sodass auf der Passivseite bilanziell kein positives Eigenkapital verbleibt.

Bankschulden sinken um gut zwei Millionen Euro

Positiv entwickelt sich die Verschuldung gegenüber Banken.

Die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten gehen von 30,927 Millionen auf 28,919 Millionen Euro zurück.

Das entspricht einem Rückgang um 2,008 Millionen Euro beziehungsweise rund 6,5 Prozent.

Damit wird ein erheblicher Teil der Bankfinanzierung innerhalb eines Jahres zurückgeführt.

Fast 19 Millionen Euro länger als fünf Jahre gebunden

Die Bankverschuldung bleibt allerdings sehr langfristig.

Von den 28,919 Millionen Euro Bankschulden sind rund 2,008 Millionen Euro innerhalb eines Jahres fällig.

Weitere 8,033 Millionen Euro entfallen auf Laufzeiten zwischen einem und fünf Jahren.

Der größte Teil – 18,878 Millionen Euro – hat eine Restlaufzeit von mehr als fünf Jahren.

Damit sind rund 65 Prozent der Bankverbindlichkeiten noch länger als fünf Jahre gebunden.

Sonstige Verbindlichkeiten springen auf 954.000 Euro

Während die Bankschulden sinken, steigen die sonstigen Verbindlichkeiten erheblich.

Sie erhöhen sich von lediglich 98.338 Euro auf 953.822 Euro.

Der Anhang zeigt allerdings, dass es sich dabei nahezu vollständig um Steuerverbindlichkeiten handelt.

Der starke Anstieg ist damit im Zusammenhang mit der besonderen Gewerbesteuersituation des Geschäftsjahres zu sehen.

Insgesamt sinken die bilanziellen Verbindlichkeiten dennoch von 31,026 Millionen auf 29,873 Millionen Euro.

Bankguthaben verdreifacht sich

Parallel zum Schuldenabbau verbessert sich die unmittelbar ausgewiesene Liquidität.

Das Guthaben bei Kreditinstituten steigt von 336.164 Euro auf 1,014 Millionen Euro.

Damit hat sich das Bankguthaben innerhalb eines Jahres mehr als verdreifacht.

Das ist bemerkenswert, weil gleichzeitig mehr als zwei Millionen Euro Bankschulden zurückgeführt werden.

Eine Kapitalflussrechnung ist in den vorliegenden Unterlagen allerdings nicht enthalten. Wie sich die einzelnen Zahlungsströme zusammensetzen, lässt sich deshalb aus der Bilanz allein nicht vollständig rekonstruieren.

Forderungen steigen ebenfalls kräftig

Auch die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände erhöhen sich deutlich.

Sie steigen von 716.702 Euro auf 1,380 Millionen Euro.

Die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen gehen zwar leicht auf 666.984 Euro zurück. Dafür entstehen Forderungen gegen Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht, von knapp 318.000 Euro. Im Vorjahr waren es lediglich 234 Euro.

Auch die sonstigen Vermögensgegenstände springen von 810 Euro auf 394.813 Euro.

Alle Forderungen haben eine Restlaufzeit von höchstens einem Jahr.

Windkraftanlagen noch mit 26,4 Millionen Euro in der Bilanz

Die technischen Anlagen und Maschinen stehen Ende 2025 mit 26,410 Millionen Euro in der Bilanz.

Im Vorjahr waren es 28,581 Millionen Euro.

Der Buchwert sinkt damit um rund 2,171 Millionen Euro beziehungsweise 7,6 Prozent.

Die Anlagen werden linear über eine Nutzungsdauer von 16 Jahren abgeschrieben.

Der Anlagenspiegel zeigt für 2025 Abschreibungen von 2,297 Millionen Euro. Gleichzeitig wurden 125.399 Euro neu investiert.

Der Rückgang des Buchwerts ist damit im Wesentlichen durch die laufenden Abschreibungen geprägt. Daraus lässt sich allein keine Aussage über den technischen Zustand der Windenergieanlagen ableiten.

Rückbauvorsorge steigt

Für den späteren Rückbau der Anlagen hat der Windpark Ende 2025 261.500 Euro zurückgestellt.

Ein Jahr zuvor waren es 212.200 Euro.

Weitere 218.900 Euro Rückstellungen entfallen auf ausstehende Lieferantenrechnungen. Insgesamt liegen die sonstigen Rückstellungen bei 493.300 Euro.

Zusammen mit den Steuerrückstellungen von 87.400 Euro ergibt sich ein Rückstellungsvolumen von rund 580.700 Euro.

Fast 20 Millionen Euro weitere finanzielle Verpflichtungen

Neben den bilanzierten Schulden bestehen erhebliche langfristige vertragliche Verpflichtungen.

Zum Bilanzstichtag beziffert die Gesellschaft diese auf insgesamt 19,799 Millionen Euro.

Davon entfallen rund 12,536 Millionen Euro auf Pachtverträge und weitere 7,145 Millionen Euro auf Wartungsverträge.

Hinzu kommen Verpflichtungen aus technischer und kaufmännischer Betriebsführung von zusammen knapp 119.000 Euro.

Haftungsverhältnisse bestanden zum Bilanzstichtag dagegen nicht.

Kommunale Struktur hinter dem Windpark

Die Gesellschaft hält sämtliche Anteile an der Westmecklenburgischen Wind-Verwaltungs-GmbH in Bandenitz.

Diese Beteiligung steht mit 90.000 Euro in der Bilanz. Die Tochtergesellschaft weist für 2025 ein Eigenkapital von 35.800 Euro und einen Jahresüberschuss von 1.400 Euro aus.

Die Geschäftsführung des Windparks übernimmt die Westmecklenburgische Wind-Verwaltungs-GmbH, vertreten durch Torsten Hinrichs und Bernd Friedrich Jeske. Seit Mai 2024 verfügt die Gesellschaft außerdem über einen dreiköpfigen Aufsichtsrat.

Eigene Beschäftigte hat der Windpark nicht.

Gewinn allein erzählt nicht die ganze Geschichte

Der Abschluss 2025 zeigt damit eine ungewöhnliche Kombination.

Der Windpark erzielt einen Jahresüberschuss von knapp 265.000 Euro, nachdem im Vorjahr lediglich rund 16.000 Euro Gewinn ausgewiesen worden waren. Gleichzeitig sinken die Bankschulden um gut zwei Millionen Euro und das Bankguthaben steigt auf mehr als eine Million Euro.

Dennoch bezeichnet die Gesellschaft ihre Situation ausdrücklich weiterhin als bilanzielle Überschuldung. Der nicht durch Vermögenseinlagen gedeckte Verlustanteil ist zwar von 284.000 auf nur noch 19.000 Euro zusammengeschmolzen, vollständig beseitigt ist er aber noch nicht.

Zudem sollte der ausgewiesene Gewinn nicht ohne Blick auf die Sondereffekte interpretiert werden: Rund 697.000 Euro periodenfremde sonstige Erträge stehen rund 699.000 Euro periodenfremdem Gewerbesteueraufwand gegenüber.

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