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Taifun „Dujuan“ trifft Großraum Tokio: 1,6 Millionen Menschen sollen sich in Sicherheit bringen – Hunderte Flüge gestrichen

geralt (CC0), Pixabay

Japan bereitet sich auf heftigen Regen, Überschwemmungen und Erdrutsche durch Taifun „Dujuan“ vor. Besonders betroffen ist der dicht besiedelte Großraum Tokio. Mehr als 1,6 Millionen Menschen wurden von den Behörden aufgefordert, sich vorsorglich in Sicherheit zu bringen. Hunderte Flüge wurden gestrichen, Bahnverbindungen unterbrochen und Tausende Haushalte waren zeitweise ohne Strom.

Der Wirbelsturm näherte sich am Montag der japanischen Pazifikküste und brachte Windgeschwindigkeiten von rund 144 Kilometern pro Stunde mit sich.

Besonders große Sorgen bereiten den Behörden allerdings nicht nur die starken Winde, sondern die erwarteten Regenmengen.

Die japanische Wetterbehörde JMA warnt vor Überschwemmungen, anschwellenden Flüssen und Erdrutschen. In einigen Regionen könnte bis Dienstag mehr Regen fallen als dort normalerweise im gesamten September.

Mindestens 275 Flüge gestrichen

Die Auswirkungen auf den Flugverkehr sind erheblich.

All Nippon Airways strich nach aktuellen Angaben 140 Flüge. Japan Airlines meldete 135 Ausfälle.

Damit waren allein bei diesen beiden großen Fluggesellschaften mindestens 275 Verbindungen betroffen.

Auch am Flughafen Tokio-Haneda mussten Reisende mit erheblichen Beeinträchtigungen rechnen.

Reuters-Bilder vom Montag zeigen Passagiere, die wegen verspäteter und gestrichener Flüge am Flughafen warten.

Mehr als 1,6 Millionen Menschen betroffen

Noch größer ist die Dimension der vorsorglichen Evakuierungshinweise.

Nach Angaben der japanischen Katastrophenschutzbehörde wurden mehr als 1,6 Millionen Menschen in Tokio und umliegenden Gebieten aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen.

Dabei handelt es sich nicht um eine verpflichtende Evakuierung.

Die Hinweise sollen Bewohner gefährdeter Gebiete vielmehr dazu bewegen, sich frühzeitig an sichere Orte zu begeben, bevor Straßen überflutet oder durch Erdrutsche unpassierbar werden.

Besonders gefährdet sind tiefer gelegene Gebiete, Regionen in der Nähe von Flüssen und Hänge, an denen sich durch den starken Regen Erdrutsche lösen können.

Mehr als 9.000 Haushalte ohne Strom

Auch die Energieversorgung wurde durch das Unwetter beeinträchtigt.

Mehr als 9.000 Haushalte in der Umgebung Tokios waren nach aktuellen Angaben ohne Strom.

Damit trifft der Taifun eine der am dichtesten besiedelten Regionen der Welt.

Anders als bei einem Sturm über dünn besiedelten Gebieten können deshalb selbst lokal begrenzte Überschwemmungen oder Stromausfälle sehr viele Menschen und erhebliche Teile der Infrastruktur betreffen.

Erdrutsch-Warnungen für mehrere Präfekturen

Die Behörden veröffentlichten Erdrutsch-Warnungen für Tokio sowie für die angrenzenden beziehungsweise nahe gelegenen Präfekturen Chiba, Kanagawa und Shizuoka.

Besonders kritisch ist die Situation auf Teilen der Izu-Inseln.

Dort wurden örtlich bereits Niederschlagsmengen von mehr als 300 Millimetern registriert. Für Oshima wurde eine Warnung der höchsten Stufe wegen Erdrutschgefahr ausgegeben.

Damit geht die Gefahr weit über starken Wind hinaus.

Wenn innerhalb kurzer Zeit enorme Regenmengen fallen, kann der Boden das Wasser nicht mehr aufnehmen. Hänge können instabil werden, Flüsse über die Ufer treten und Straßen innerhalb kurzer Zeit überflutet werden.

Regen könnte gesamten September-Durchschnitt übertreffen

Besonders eindringlich fällt deshalb die Prognose der japanischen Wetterbehörde aus.

Nach Angaben der JMA könnte die Niederschlagsmenge bis Dienstag in einigen Regionen den durchschnittlichen Niederschlag eines gesamten Septembers übersteigen.

Damit besteht die Möglichkeit außergewöhnlich hoher Regenmengen innerhalb eines sehr kurzen Zeitraums.

Die Wetterbehörde warnte außerdem davor, dass sich sogenannte lineare Regenbänder bilden könnten.

Dabei ziehen intensive Niederschlagsgebiete wiederholt über dieselbe Region. Dadurch können lokal innerhalb weniger Stunden enorme Wassermengen zusammenkommen.

Bahnverkehr teilweise eingestellt

Auch Japans dichtes Bahnnetz bleibt von den Auswirkungen nicht verschont.

Auf mehreren Strecken in Tokio und den umliegenden Regionen wurde der Betrieb vorsorglich eingestellt beziehungsweise eingeschränkt.

Solche Maßnahmen sind in Japan bei schweren Taifunen ein wichtiges Sicherheitsinstrument.

Starke Regenfälle können Gleise unterspülen, Hänge entlang der Strecken destabilisieren und Bahnübergänge oder Tunnel überfluten.

Für Pendler und Reisende bedeutet dies allerdings zusätzliche Schwierigkeiten, weil neben dem Flugverkehr auch der öffentliche Nah- und Fernverkehr beeinträchtigt wird.

Überschwemmungen bereits sichtbar

Die Folgen des Starkregens sind in einigen Gebieten bereits zu sehen.

In der Präfektur Chiba wurden Straßen überflutet. Auch aus Kamakura südlich von Tokio wurden Überschwemmungen gemeldet.

Der Bürgermeister von Kamakura warnte davor, mit dem Auto durch betroffene Gebiete zu fahren.

Das Risiko ist erheblich: Bei überfluteten Straßen lässt sich die tatsächliche Wassertiefe vom Fahrzeug aus häufig nicht erkennen. Schon vergleichsweise geringe Wasserstände können Fahrzeuge manövrierunfähig machen oder mitreißen.

Erste Verletzte und beschädigte Häuser

Nach aktuellen Angaben wurde mindestens eine Person leicht verletzt.

Zudem wurden neun Häuser durch den Taifun beschädigt.

Diese Zahlen können sich im weiteren Verlauf noch verändern. Das Zentrum des Sturms und insbesondere die stärksten Niederschläge bewegten sich am Montag weiter entlang der japanischen Pazifikküste.

Eine abschließende Schadensbilanz ist deshalb noch nicht möglich.

Auch Großveranstaltungen betroffen

Die Folgen von „Dujuan“ reichen über Verkehr und Stromversorgung hinaus.

Bei den derzeit in Japan stattfindenden Asienspielen wurde der Vielseitigkeitswettbewerb im Reitsport wegen des Taifuns verschoben.

Auch die Tokyo Game Show, eine der weltweit größten Videospielmessen, musste ihren letzten Veranstaltungstag vorzeitig beenden.

Weitere Veranstaltungen in Chiba, darunter ein Musikfestival und ein Baseballspiel, wurden abgesagt.

Damit treffen die Auswirkungen des Taifuns auch Tourismus, Sport und Veranstaltungswirtschaft.

Regierungschefin muss Reise verschieben

Selbst die Reiseplanung der japanischen Regierung wurde durch den Sturm verändert.

Ministerpräsidentin Sanae Takaichi verschob ihre Abreise nach New York zur Generalversammlung der Vereinten Nationen nach aktuellen Angaben um vier Stunden.

Die Regierung plante daraufhin eine Abreise aus Tokio erst gegen 23 Uhr Ortszeit.

Das verdeutlicht, wie stark der Taifun inzwischen den Verkehr im Großraum der japanischen Hauptstadt beeinflusst.

Warum Tokio besonders verwundbar ist

Ein Taifun muss nicht direkt über das Zentrum Tokios ziehen, um erhebliche Schäden anzurichten.

Entscheidend sind die großflächigen Regengebiete rund um das Sturmzentrum.

Der Großraum Tokio besitzt ein hochentwickeltes System aus Flüssen, Kanälen, Pumpwerken und unterirdischen Hochwasserschutzanlagen. Gleichzeitig leben dort viele Millionen Menschen auf engem Raum.

Besonders problematisch sind extreme Niederschläge innerhalb weniger Stunden.

Unterführungen, Keller, Tiefgaragen und andere unterirdische Bereiche können sich schnell mit Wasser füllen.

Die japanischen Behörden raten deshalb insbesondere in gefährdeten Stadtgebieten zu großer Vorsicht.

Taifunsaison erreicht kritische Phase

Japan wird regelmäßig von tropischen Wirbelstürmen getroffen.

Spätsommer und Frühherbst gehören zu den typischen Zeiten für starke Taifune.

Entsprechend umfangreich sind die Warn- und Evakuierungssysteme des Landes.

Dass mehr als 1,6 Millionen Menschen einen Evakuierungshinweis erhalten, bedeutet deshalb nicht automatisch, dass mit einer Katastrophe dieses Ausmaßes gerechnet wird.

Die Behörden versuchen vielmehr, gefährdete Bewohner möglichst frühzeitig zu erreichen und insbesondere ältere oder mobilitätseingeschränkte Menschen rechtzeitig in Sicherheit zu bringen.

Entscheidend werden die kommenden Stunden

Für Tokio und die angrenzenden Regionen dürfte deshalb vor allem entscheidend sein, wie lange die besonders intensiven Regengebiete über denselben Regionen liegen bleiben.

Die Kombination aus bereits gesättigten Böden, weiterem Starkregen und starken Winden erhöht die Gefahr von Erdrutschen, Überschwemmungen und Schäden an der Infrastruktur.

Mindestens 275 gestrichene Flüge, mehr als 9.000 Haushalte ohne Strom und Evakuierungshinweise für über 1,6 Millionen Menschen zeigen bereits jetzt die Dimension der Vorsichtsmaßnahmen.

Ob „Dujuan“ darüber hinaus größere Schäden verursacht, hängt wesentlich von seiner weiteren Zugbahn und vor allem von den tatsächlichen Niederschlagsmengen ab.

Für die Bevölkerung gilt deshalb weiterhin höchste Aufmerksamkeit gegenüber den aktuellen Warnungen der japanischen Wetter- und Katastrophenschutzbehörden.

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