Fahrgäste in mehreren großen Städten Schleswig-Holsteins müssen sich am Montag auf erhebliche Einschränkungen im Busverkehr einstellen. Die Gewerkschaft ver.di hat die Beschäftigten der kommunalen Verkehrsunternehmen erneut zu einem Warnstreik aufgerufen. Betroffen sind insbesondere Kiel, Lübeck, Flensburg und Neumünster.
Nach Angaben eines ver.di-Sprechers begann der Warnstreik wie geplant bereits um 3 Uhr am Morgen. Rund 1.800 Beschäftigte legten ihre Arbeit nieder. Die Arbeitsniederlegung soll bis zum jeweiligen Betriebsende andauern.
Für Pendler, Schüler und andere Fahrgäste bedeutet das: Zahlreiche Busverbindungen fallen aus oder werden nur eingeschränkt angeboten. Komplett zum Erliegen kommt der öffentliche Nahverkehr allerdings nicht überall. Regionalbusse, Züge und in Kiel auch die Fördeschifffahrt können teilweise als Alternative genutzt werden.
Kiel, Lübeck, Flensburg und Neumünster betroffen
Der Warnstreik konzentriert sich auf die kommunalen Busunternehmen des Landes.
Bestreikt werden die Kieler Verkehrsgesellschaft (KVG), der Stadtverkehr Lübeck, AktivBus in Flensburg sowie die Verkehrssparte der Stadtwerke Neumünster (SWN).
Fahrgäste sollten deshalb vor Fahrtantritt prüfen, ob ihre Verbindung tatsächlich angeboten wird. Die einzelnen Verkehrsunternehmen informieren darüber, welche Linien ausfallen und wo trotz des Arbeitskampfes noch Busse unterwegs sind.
Warnstreik unmittelbar vor nächster Verhandlungsrunde
Der Zeitpunkt des Arbeitskampfes ist bewusst gewählt.
Bereits am 22. September und damit einen Tag nach dem Warnstreik steht die dritte Verhandlungsrunde im laufenden Tarifkonflikt an.
Ver.di will mit den Arbeitsniederlegungen nach eigenen Angaben den Druck auf die Arbeitgeber vor diesen Gesprächen erhöhen.
Damit wird der Konflikt unmittelbar vor der nächsten Verhandlungsrunde noch einmal auf die Straße beziehungsweise an die Betriebshöfe getragen.
Arbeitgeber kritisieren Arbeitskampf
Beim Kommunalen Arbeitgeberverband Schleswig-Holstein stößt das Vorgehen der Gewerkschaft auf Kritik.
Verhandlungsführer Jan Jacobsen bezeichnete den angekündigten Warnstreik gegenüber NDR Schleswig-Holstein als „völlig unnötig“. Aus Sicht der Arbeitgeber werde der Tarifkonflikt damit auf dem Rücken der Fahrgäste ausgetragen.
Damit liegen Gewerkschaft und Arbeitgeber unmittelbar vor der dritten Verhandlungsrunde weiterhin deutlich auseinander.
Welche Annäherungen bei den Gesprächen am Dienstag möglich sind, lässt sich aus dem bisherigen Verlauf noch nicht ableiten.
Autokraft fährt trotz Streik
Nicht sämtliche Busse in Schleswig-Holstein sind vom Warnstreik betroffen.
Eine wichtige Ausnahme ist Autokraft. Für das Unternehmen gilt ein anderer Tarifvertrag, weshalb dessen Beschäftigte nicht von dem aktuellen Streikaufruf erfasst werden.
Das ist insbesondere für Fahrgäste im Raum Kiel relevant.
Die Regionalbusse zwischen Kiel und Orten wie Dänischenhagen, Felde, Flintbek, Gettorf, Klein Königsförde, Nortorf und Strande sollen weiterhin unterwegs sein.
Da diese Busse auch innerhalb des Kieler Stadtgebietes Haltestellen bedienen, können sie teilweise als Ersatz für ausgefallene KVG-Verbindungen dienen.
Allerdings gibt es eine wesentliche Einschränkung: Die Regionalbusse verkehren deutlich seltener als die regulären Stadtbusse.
Fahrgäste sollten deshalb mehr Zeit einplanen und ihre Verbindung vor Fahrtantritt kontrollieren.
Regionalzüge als Alternative
Eine weitere Möglichkeit sind Regionalzüge.
Diese werden vom kommunalen Busstreik nicht erfasst und verkehren nach den vorliegenden Informationen regulär. Teilweise halten die Züge auch innerhalb der Städte und können dadurch einzelne ausgefallene Busverbindungen ersetzen.
Für Fahrgäste hängt die praktische Nutzbarkeit allerdings davon ab, ob sich Start und Ziel in der Nähe entsprechender Bahnhöfe oder Haltepunkte befinden.
Insbesondere für längere Strecken kann die Bahn dennoch eine wichtige Alternative darstellen.
Fördeschiffe in Kiel sollen normal fahren
Eine Besonderheit gibt es in Kiel.
Auch die Schiffe der SFK über die Kieler Förde sollen voraussichtlich regulär unterwegs sein.
Damit bleibt beispielsweise die Verbindung in Richtung Laboe grundsätzlich bestehen.
Für Fahrgäste, deren Strecke sich mit den Fördeschiffen zurücklegen lässt, kann die Schifffahrt damit eine Alternative zum ausgefallenen Busverkehr darstellen.
Taxiverband rechnet mit hoher Nachfrage
Wer weder auf Regionalbusse noch auf Bahn oder Schiff ausweichen kann, könnte versuchen, ein Taxi zu nehmen.
Allerdings dürfte die Nachfrage erheblich steigen.
Nach Angaben des Landestaxiverbandes wollen die Unternehmen so viele Fahrzeuge wie möglich auf die Straßen schicken. Trotzdem müssen Fahrgäste mit teilweise sehr langen Wartezeiten rechnen.
Das gilt nach Angaben des Verbandes sogar für vorbestellte Fahrten.
Gerade zu den üblichen Stoßzeiten am Morgen und am Nachmittag könnte es deshalb schwierig werden, kurzfristig ein Taxi zu bekommen.
Flensburg richtet Sonderfahrplan ein
In Flensburg versucht AktivBus trotz des Warnstreiks, zumindest einen Teil des Stadtverkehrs aufrechtzuerhalten.
Auf sieben Linien wird ein Sonderfahrplan angeboten.
Das Unternehmen bezeichnet diesen allerdings als „stark reduziert“.
Für Fahrgäste bedeutet das, dass zwar nicht sämtliche Verbindungen vollständig eingestellt werden, das reguläre Angebot aber erheblich eingeschränkt ist. Auch hier empfiehlt es sich, den Sonderfahrplan unmittelbar vor der Fahrt zu überprüfen.
Fahrgäste sollten mehr Zeit einplanen
Für die betroffenen Städte bedeutet der Warnstreik einen Tag mit erheblichen Einschränkungen.
Besonders schwierig kann die Situation für Menschen werden, die für ihren Arbeits- oder Schulweg vollständig auf kommunale Buslinien angewiesen sind und keine Bahnverbindung oder andere Alternative nutzen können.
Wer am Montag unterwegs sein muss, sollte deshalb deutlich mehr Zeit einplanen und nach Möglichkeit bereits vor Fahrtbeginn nach Ersatzverbindungen suchen.
In Kiel stehen mit Autokraft, Regionalzügen und den Fördeschiffen mehrere Alternativen zur Verfügung. Sie können das deutlich größere reguläre Stadtbusangebot allerdings nur teilweise ersetzen.
In Flensburg sorgt der Sonderfahrplan zumindest auf sieben Linien für ein eingeschränktes Angebot.
Nächste Tarifrunde bereits am Dienstag
Der Warnstreik soll bis zum Betriebsende dauern. Damit müssen Fahrgäste nicht nur während des morgendlichen Berufsverkehrs, sondern voraussichtlich auch am Nachmittag und Abend mit Einschränkungen rechnen.
Politisch und tariflich richtet sich der Blick anschließend unmittelbar auf den nächsten Tag.
Am 22. September kommen Gewerkschaft und Arbeitgeber zur dritten Verhandlungsrunde zusammen. Ver.di versucht mit dem heutigen Warnstreik, unmittelbar vor diesen Gesprächen den Druck zu erhöhen.
Ob die Verhandlungen eine Annäherung bringen oder weitere Arbeitskampfmaßnahmen folgen könnten, ist derzeit offen.
Für die Fahrgäste in Kiel, Lübeck, Flensburg und Neumünster gilt zunächst: Der kommunale Busverkehr bleibt am Montag erheblich eingeschränkt – und die Auswirkungen können bis zum Betriebsende andauern.