Die Windpark Haltern AV 9 GmbH aus Haltern am See hat ihr Anlagevermögen 2025 massiv ausgebaut. Insgesamt stieg es von rund 8,65 Millionen auf 15,36 Millionen Euro.
Das entspricht einem Zuwachs von rund 6,71 Millionen Euro beziehungsweise knapp 78 Prozent.
Der entscheidende Treiber sind die Anlagen im Bau und geleisteten Anzahlungen. Diese Position explodierte regelrecht: von 310.455 Euro Ende 2024 auf 7.700.475 Euro zum 31. Dezember 2025.
Damit hat sich der Bilanzwert innerhalb eines Jahres um fast 7,4 Millionen Euro erhöht.
Millionenprojekt verändert die gesamte Bilanz
Die Größenordnung der laufenden Investitionen verändert die Bilanz grundlegend.
Während Grundstücke, Rechte und Bauten mit rund 461.000 Euro etwas niedriger bewertet werden als im Vorjahr, gingen auch die bereits bestehenden technischen Anlagen und Maschinen abschreibungsbedingt von 7,84 Millionen auf rund 7,20 Millionen Euro zurück.
Doch der enorme Anstieg bei den Anlagen im Bau überkompensiert diese Rückgänge bei weitem.
Die gesamte Bilanzsumme wächst dadurch von 11,03 Millionen auf 17,31 Millionen Euro.
Das entspricht einem Plus von rund 6,28 Millionen Euro beziehungsweise 57 Prozent innerhalb eines Jahres.
Gesellschafter stärken Kapitalbasis um 5,4 Millionen Euro
Finanziert wird die Expansion zu einem erheblichen Teil über zusätzliches Eigenkapital.
Die Kapitalrücklage stieg von 1,8 Millionen Euro auf 7,2 Millionen Euro.
Damit kamen allein über diese Bilanzposition 5,4 Millionen Euro hinzu.
Zusammen mit dem Jahresgewinn erhöhte sich das gesamte Eigenkapital von 2,28 Millionen auf 7,55 Millionen Euro.
Die Eigenkapitalquote verbesserte sich dadurch erheblich: Sie stieg rechnerisch von rund 20,7 Prozent auf 43,6 Prozent.
Der Ausbau des Windparks wird damit keineswegs ausschließlich über Fremdkapital finanziert. Die Gesellschafter haben die Eigenkapitalbasis gleichzeitig massiv gestärkt.
Bankschulden steigen auf 9,34 Millionen Euro
Dennoch spielt die Bankenfinanzierung weiterhin eine zentrale Rolle.
Die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten erhöhten sich von rund 7,50 Millionen auf 9,34 Millionen Euro.
Das ist ein Anstieg um rund 1,84 Millionen Euro beziehungsweise 24,5 Prozent.
Von den Bankschulden haben rund 6,50 Millionen Euro eine Restlaufzeit von mehr als einem Jahr. Rund 4,50 Millionen Euro laufen sogar länger als fünf Jahre.
Auffällig ist zugleich der starke Anstieg der kurzfristig fälligen Bankverbindlichkeiten. Die Kredite mit einer Restlaufzeit von höchstens einem Jahr erhöhten sich von rund 500.000 Euro auf 2,84 Millionen Euro.
Die gesamten Bankverbindlichkeiten sind umfangreich besichert. Dazu gehören unter anderem Sicherungsübereignungen der Windenergieanlagen, die Verpfändung eines Kapitaldienstreservekontos sowie Abtretungen von Ansprüchen aus Verträgen und Versicherungen.
Gewinn fällt um fast 29 Prozent
Während die Bilanz massiv wächst, entwickelt sich das Jahresergebnis in die andere Richtung.
Der Jahresüberschuss sank von 454.640 Euro auf 324.091 Euro.
Das entspricht einem Rückgang um rund 130.500 Euro beziehungsweise 28,7 Prozent.
Die Gesellschaft bleibt damit deutlich profitabel, verdient aber weniger als im Vorjahr.
Die veröffentlichten Angaben liefern zugleich einen ungewöhnlichen Einblick in Sondereffekte des Geschäftsjahres.
Fast 275.000 Euro Schadenersatz
Die sonstigen betrieblichen Erträge beliefen sich auf 313.100 Euro. Darin enthalten waren Schadenersatzzahlungen von 274.900 Euro.
Auf der Aufwandsseite entstanden gleichzeitig Kosten im Zusammenhang mit einem Versicherungsschaden.
Im Materialaufwand von insgesamt 400.000 Euro steckten unter anderem 122.100 Euro Aufwendungen im Zusammenhang mit einem Versicherungsschaden. Hinzu kamen Wartungskosten für die Windenergieanlagen von 127.100 Euro.
Weitere 72.800 Euro entfielen auf die kaufmännische und technische Geschäftsführung.
Damit war das Geschäftsjahr von erheblichen schadensbezogenen Erträgen und Aufwendungen geprägt. Aus den veröffentlichten Angaben lässt sich allerdings nicht vollständig bestimmen, wie hoch der Nettoeffekt des Schadensfalls auf den Jahresgewinn tatsächlich war.
Stromverkauf bleibt Kerngeschäft
Die Umsätze der Gesellschaft wurden vollständig in Deutschland erzielt und stammen aus der Einspeisung von Strom.
Damit handelt es sich – anders als bei reinen Beteiligungsgesellschaften – um eine operative Windparkgesellschaft mit eigenen Windenergieanlagen.
Personal beschäftigt die Gesellschaft allerdings nicht. Die Geschäftsführung erhielt 2025 ebenfalls keine Bezüge.
Bankguthaben halbiert sich
Trotz des Jahresgewinns und der umfangreichen Kapitalzuführung ging die unmittelbar verfügbare Liquidität deutlich zurück.
Das Bankguthaben sank von rund 1,91 Millionen Euro auf 867.367 Euro.
Damit verringerte es sich um gut 1,04 Millionen Euro beziehungsweise rund 54,5 Prozent.
Gleichzeitig stiegen allerdings die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände deutlich. Sie erhöhten sich von rund 457.000 Euro auf 1,04 Millionen Euro.
Allein die sonstigen Vermögensgegenstände stiegen von rund 189.000 auf 704.000 Euro. Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich dabei im Wesentlichen um Umsatzsteuerforderungen.
Das Umlaufvermögen insgesamt ging deshalb vergleichsweise moderat von 2,36 Millionen auf 1,91 Millionen Euro zurück.
Lieferantenschulden fast vollständig verschwunden
Bei den übrigen Verbindlichkeiten zeigt sich eine deutliche Entlastung.
Die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen fielen von rund 346.000 Euro auf nur noch 3.082 Euro.
Auch die Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen gingen von gut 9.200 Euro auf lediglich 597 Euro zurück.
Sonstige Verbindlichkeiten werden für 2025 gar nicht mehr ausgewiesen. Im Vorjahr lagen sie noch bei rund 60.000 Euro und betrafen nach Angaben des Unternehmens Umsatzsteuerverbindlichkeiten gegenüber dem Finanzamt.
Die Fremdfinanzierung konzentriert sich damit Ende 2025 fast vollständig auf die Bankkredite.
Verpflichtungen von mehr als 21 Millionen Euro
Neben den bilanzierten Schulden weist der Abschluss noch eine weitere große Zahl aus.
Die Gesellschaft hat sonstige finanzielle Verpflichtungen von insgesamt 21,224 Millionen Euro mit Restlaufzeiten von bis zu 15 Jahren.
Davon entfallen 1,906 Millionen Euro auf verbundene Unternehmen und 19,228 Millionen Euro auf sonstige Unternehmen.
Diese Verpflichtungen sind nicht mit bilanzierten Verbindlichkeiten gleichzusetzen. Ihre Größenordnung zeigt aber, dass der Windpark langfristig erhebliche vertragliche Zahlungsverpflichtungen eingegangen ist.
90 Prozent des Gewinns sollen ausgeschüttet werden
Trotz der laufenden Millioneninvestitionen soll der größte Teil des Jahresgewinns an die Eigentümer fließen.
Die Geschäftsführung schlägt vor, 90 Prozent des Jahresüberschusses von 324.091 Euro auszuschütten und lediglich zehn Prozent auf neue Rechnung vorzutragen.
Rechnerisch entspräche dies einer Ausschüttung von rund 291.682 Euro. Etwa 32.409 Euro würden im Unternehmen verbleiben.
An der Windpark Haltern AV 9 GmbH hält die RAG Montan Immobilien GmbH 80 Prozent. Weitere 20 Prozent gehören der Stadtwerke Haltern am See GmbH.
Bei einer Ausschüttung exakt entsprechend den Beteiligungsquoten entfielen rechnerisch rund 233.345 Euro auf die RAG Montan Immobilien GmbH und etwa 58.336 Euro auf die Stadtwerke Haltern am See GmbH.
Vom laufenden Windpark zum großen Ausbauprojekt
Der Jahresabschluss 2025 wird damit vor allem von einem Thema geprägt: Investitionen in Millionenhöhe.
Die Anlagen im Bau springen von 310.000 auf 7,7 Millionen Euro, das gesamte Anlagevermögen wächst auf 15,36 Millionen Euro und die Bilanzsumme erreicht 17,31 Millionen Euro.
Für die Finanzierung wurde die Kapitalrücklage um 5,4 Millionen Euro aufgestockt. Gleichzeitig stiegen die Bankschulden um 1,84 Millionen Euro auf 9,34 Millionen Euro.
Das Unternehmen wächst also auf beiden Seiten der Bilanz erheblich.
Gleichzeitig liefert das laufende Geschäft weiterhin einen sechsstelligen Gewinn. Allerdings sank der Jahresüberschuss trotz erheblicher Schadenersatzzahlungen von rund 455.000 auf 324.000 Euro.