Der Jahresabschluss 2025 der Windpark Havelberg II Beteiligungs GmbH aus Bremen zeigt eine Gesellschaft, die bilanziell ausgesprochen solide finanziert ist. Die Verschuldung ist praktisch bedeutungslos, die liquiden Mittel sind gestiegen und die Eigenkapitalquote liegt bei mehr als 90 Prozent.
Auf der anderen Seite steht jedoch eine klare Schwäche: Die Gesellschaft erwirtschaftet bislang nahezu keine laufenden Erträge und schreibt erneut einen Verlust. Der Jahresfehlbetrag hat sich gegenüber 2024 sogar mehr als verdoppelt.
Für Anleger ist deshalb weniger die aktuelle Verschuldung das zentrale Thema als die Frage, wann die Beteiligungen erstmals nennenswerte Erträge abwerfen.
Bilanzsumme wächst deutlich
Die Bilanzsumme der Windpark Havelberg II Beteiligungs GmbH erhöhte sich von rund 9.347 Euro auf 17.525 Euro.
Das entspricht einem Wachstum von etwa 87 Prozent.
In absoluten Zahlen bleibt die Gesellschaft jedoch sehr klein. Anleger sollten sich deshalb nicht allein von der hohen prozentualen Wachstumsrate leiten lassen.
Der Zuwachs verteilt sich im Wesentlichen auf zwei Bereiche: Die Finanzanlagen stiegen von 5.000 Euro auf 10.000 Euro, während sich das Bankguthaben von rund 4.347 Euro auf 7.525 Euro erhöhte.
Beteiligungen verdoppelt
Das gesamte Anlagevermögen besteht aus Anteilen an verbundenen Unternehmen.
Der Buchwert dieser Beteiligungen verdoppelte sich 2025 von 5.000 auf 10.000 Euro.
Das unterstreicht den Charakter der Gesellschaft als Beteiligungsholding. In ihrer eigenen Bilanz befinden sich keine Windenergieanlagen. Der wirtschaftliche Erfolg hängt vielmehr davon ab, wie profitabel die Gesellschaften arbeiten, an denen sie beteiligt ist.
Für Anleger ist deshalb entscheidend, was hinter diesen Beteiligungen steckt.
Der Abschluss nennt allerdings weder die konkreten operativen Gesellschaften noch deren Umsätze, Gewinne, Verschuldung oder Stromproduktion.
Genau diese Informationen wären für eine wirtschaftliche Bewertung wesentlich.
Liquidität entwickelt sich positiv
Positiv fällt zunächst die Entwicklung des Bankguthabens auf.
Die liquiden Mittel stiegen von 4.346,74 Euro auf 7.525,34 Euro. Das entspricht einem Plus von rund 73 Prozent.
Gemessen an der sehr kleinen Bilanz besitzt die Gesellschaft damit ein ordentliches Liquiditätspolster.
Die Verbindlichkeiten betragen gleichzeitig lediglich 200 Euro.
Kurzfristiger finanzieller Druck ist aus der Bilanz daher nicht erkennbar.
Eigenkapitalquote von rund 91 Prozent
Auch die Eigenkapitalstruktur wirkt zunächst sehr robust.
Das Eigenkapital beträgt zum Jahresende 15.962 Euro. Bei einer Bilanzsumme von 17.525 Euro entspricht das einer rechnerischen Eigenkapitalquote von rund 91 Prozent.
Neben dem Eigenkapital stehen lediglich rund 1.363 Euro Rückstellungen und 200 Euro Verbindlichkeiten auf der Passivseite.
Damit ist die Gesellschaft praktisch frei von klassischer Fremdfinanzierung.
Für Anleger ist das grundsätzlich ein Pluspunkt: Hohe Zins- oder Tilgungsverpflichtungen bestehen auf Ebene dieser Beteiligungs-GmbH nicht.
Warum steigt das Eigenkapital trotz Verlust?
Auch bei dieser Gesellschaft darf der deutliche Anstieg des Eigenkapitals nicht mit einer Verbesserung der Ertragskraft verwechselt werden.
Ende 2024 waren vom gezeichneten Kapital von 25.000 Euro nur 12.500 Euro eingefordert. Die übrigen 12.500 Euro wurden als nicht eingeforderte Einlage ausgewiesen.
Ende 2025 ist dagegen das vollständige Stammkapital von 25.000 Euro eingefordert.
Dadurch steigt das ausgewiesene Eigenkapital trotz des gleichzeitig entstandenen Jahresverlustes.
Das ist aus Anlegersicht ein entscheidender Unterschied: Die stärkere Kapitalbasis wurde durch zusätzlich eingefordertes Gesellschafterkapital geschaffen und nicht durch Gewinne aus dem Geschäft.
Jahresverlust mehr als verdoppelt
Die deutlich kritischere Entwicklung zeigt die Gewinn- und Verlustrechnung.
2024 lag der Jahresfehlbetrag bei 2.021,88 Euro. 2025 erhöhte er sich auf 4.287,95 Euro.
Damit hat sich der Jahresverlust innerhalb eines Jahres um rund 112 Prozent erhöht.
Noch auffälliger ist die Zusammensetzung des Ergebnisses.
Die Gesellschaft erzielte 2025 lediglich 4,18 Euro sonstige betriebliche Erträge. Dem standen 4.292,13 Euro sonstige betriebliche Aufwendungen gegenüber.
Es sind damit bislang praktisch keine operativen oder Beteiligungserträge sichtbar.
Genau das ist aus Anlegersicht der wichtigste Punkt dieses Abschlusses.
Mehr als 9.000 Euro Verluste angesammelt
Zusätzlich zum aktuellen Jahresfehlbetrag besteht ein Verlustvortrag von 4.749,76 Euro.
Zusammen ergeben sich damit inzwischen ausgewiesene Verluste von rund 9.038 Euro.
Das entspricht bereits etwa 36 Prozent des gezeichneten Stammkapitals von 25.000 Euro.
Die Gesellschaft verfügt aktuell zwar weiterhin über einen ausreichenden Eigenkapitalpuffer. Sollte sie jedoch über mehrere weitere Jahre Verluste in ähnlicher Größenordnung erwirtschaften, würde dieser Puffer zunehmend kleiner.
Deshalb ist die zukünftige Ertragsentwicklung wichtiger als die aktuell hohe Eigenkapitalquote.
Noch keine sichtbaren Beteiligungserträge
Gerade für eine Beteiligungsgesellschaft ist auffällig, dass in der Gewinn- und Verlustrechnung keine nennenswerten Erträge aus Beteiligungen zu erkennen sind.
Das muss nicht zwingend negativ sein.
Die zugrunde liegenden Windparkprojekte könnten sich noch in einer Entwicklungs-, Bau- oder frühen Betriebsphase befinden. In solchen Phasen können zunächst Kosten entstehen, bevor Ausschüttungen an die Beteiligungsgesellschaft fließen.
Der veröffentlichte Abschluss liefert dazu jedoch keine näheren Erläuterungen.
Daher lässt sich nicht beurteilen, ob die fehlenden Erträge lediglich zeitlich bedingt sind oder ob sich die wirtschaftliche Entwicklung der Beteiligungen verzögert.
Verlustanstieg verlangt Erklärung
Auch die Verdoppelung der sonstigen betrieblichen Aufwendungen von rund 2.022 Euro auf 4.292 Euro wäre aus Anlegersicht erklärungsbedürftig.
In absoluten Zahlen handelt es sich zwar um kleine Beträge. Im Verhältnis zur Bilanzgröße und zu den fehlenden Einnahmen sind sie jedoch relevant.
Der Anhang schlüsselt nicht auf, woraus diese Kosten konkret bestehen.
Denkbar wären beispielsweise Verwaltungs-, Beratungs-, Abschluss- oder Projektkosten. Eine genaue Zuordnung lässt sich aus den vorliegenden Informationen aber nicht ableiten.
Verbindung zur wpd GmbH
Die Windpark Havelberg II Beteiligungs GmbH wird in den Konzernabschluss der wpd GmbH mit Sitz in Bremen einbezogen.
Geschäftsführer ist Dr. Gernot Blanke.
Die Konzernzugehörigkeit ist für die Einordnung relevant, weil die Gesellschaft damit Teil einer größeren Unternehmensstruktur ist.
Anleger sollten daraus jedoch keine automatische finanzielle Garantie durch die wpd GmbH ableiten. Eine entsprechende Haftungs- oder Garantieverpflichtung wird im vorliegenden Abschluss nicht genannt.
Schuldenfreiheit der Holding sagt wenig über das Projekt aus
Ein wichtiger Punkt darf bei der Analyse nicht übersehen werden.
Die Beteiligungs-GmbH selbst hat lediglich 200 Euro Verbindlichkeiten. Daraus lässt sich aber nicht schließen, dass auch die dahinterstehenden Windparkgesellschaften kaum verschuldet sind.
Operative Windparkprojekte werden häufig über erhebliche Bankdarlehen finanziert.
Für Anleger wäre deshalb besonders interessant, wie hoch die Verschuldung der Projektgesellschaften ist, an denen die Windpark Havelberg II Beteiligungs GmbH beteiligt ist.
Die fast schuldenfreie Bilanz der Beteiligungsgesellschaft allein gibt darüber keine Auskunft.
Fazit: Finanzielle Stabilität vorhanden – Profitabilität fehlt bislang
Die Windpark Havelberg II Beteiligungs GmbH besitzt Ende 2025 eine ausgesprochen stabile Bilanzstruktur. Rund 15.962 Euro Eigenkapital bei 17.525 Euro Bilanzsumme entsprechen einer Eigenkapitalquote von etwa 91 Prozent. Gleichzeitig bestehen nur 200 Euro Verbindlichkeiten und das Bankguthaben ist auf rund 7.525 Euro gestiegen.
Das ist die positive Seite.
Kritischer ist die Ertragslage. Die Gesellschaft erzielte 2025 nur 4,18 Euro betriebliche Erträge, während die Aufwendungen bei mehr als 4.292 Euro lagen. Der Jahresverlust stieg dadurch auf 4.287,95 Euro und hat sich gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt.
Zusammen mit dem Verlustvortrag summieren sich die Verluste inzwischen auf rund 9.038 Euro.
Für Anleger lautet die entscheidende Frage deshalb: Wann beginnen die gehaltenen Windparkbeteiligungen, tatsächlich Geld zu verdienen?
Die derzeit hohe Eigenkapitalquote verschafft der Gesellschaft Zeit und finanziellen Spielraum. Langfristig reicht eine starke Bilanz allein jedoch nicht aus. Entscheidend wird sein, ob aus den 10.000 Euro Beteiligungsvermögen künftig regelmäßige Erträge und Ausschüttungen entstehen. Genau darüber sagt der vorliegende Jahresabschluss bislang nur sehr wenig.