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Starker Start mit strukturellem Rückenwind – European Defence Equity Fund überzeugt, bleibt aber ein konzentriertes Themeninvestment
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Starker Start mit strukturellem Rückenwind – European Defence Equity Fund überzeugt, bleibt aber ein konzentriertes Themeninvestment

geralt (CC0), Pixabay

Der European Defence Equity Fund hat in seinem ersten Rumpfgeschäftsjahr vom 1. Juli 2025 bis zum 31. Mai 2026 einen bemerkenswert starken Start hingelegt. Der Fonds investiert gezielt in europäische Verteidigungsunternehmen und deren Wertschöpfungskette. Neben etablierten Rüstungskonzernen werden dabei auch Zulieferer, Infrastrukturunternehmen sowie Unternehmen aus dem Space- und Satellitenbereich berücksichtigt. Das Management verfolgt einen aktiven, fundamental orientierten Ansatz und hat das Portfolio im Berichtszeitraum zunehmend in Richtung Zulieferer und Space-Unternehmen verschoben.

Starke Wertentwicklung im ersten Geschäftsjahr

Die Entwicklung der Anteilwerte fällt deutlich positiv aus. Die institutionelle Anteilklasse I stieg seit Auflegung von 100,00 Euro auf 122,31 Euro, während die Anteilklasse R einen Anteilwert von 121,53 Euro erreichte. Dies entspricht seit Auflegung einem Wertzuwachs von rund 22,3 % beziehungsweise 21,5 %. Gleichzeitig wuchs das gesamte Fondsvermögen zum 31. Mai 2026 auf rund 67,9 Mio. Euro.
Positiv ist außerdem das Anlegerinteresse. Die institutionelle Anteilklasse verzeichnete Netto-Mittelzuflüsse von rund 44,0 Mio. Euro, die R-Klasse weitere 13,5 Mio. Euro. Dies zeigt, dass der Fonds bereits innerhalb seines ersten Geschäftsjahres ein beachtliches Volumen aufbauen konnte.

Ergebnis stark von Kurssteigerungen geprägt

Das Ergebnis der Anteilklasse I belief sich auf 8,87 Mio. Euro, während die R-Klasse einen Gewinn von 1,68 Mio. Euro erzielte. Auffällig ist allerdings, dass ein erheblicher Teil davon auf bislang nicht realisierten Kursgewinnen beruht. Bei der I-Klasse betrug das nicht realisierte Ergebnis rund 7,49 Mio. Euro. Das realisierte Ergebnis lag dagegen bei rund 1,38 Mio. Euro.

Für Anleger bedeutet dies: Der starke Wertzuwachs ist zwar erfreulich, ein großer Teil der bisherigen Gewinne besteht jedoch weiterhin aus gestiegenen Marktwerten der gehaltenen Aktien. Bei einer Korrektur im europäischen Verteidigungssektor könnten sich diese Buchgewinne entsprechend wieder reduzieren.

Breites Aktienportfolio innerhalb eines engen Themenfeldes

Mit 96,89 % des Fondsvermögens ist der Fonds nahezu vollständig in Aktien investiert; lediglich rund 3,19 % werden als Bankguthaben gehalten. Damit ist der Fonds klar auf Kapitalwachstum und nicht auf defensive Stabilisierung ausgerichtet.

Innerhalb des Verteidigungssektors ist die Einzelwertstreuung allerdings vergleichsweise ausgewogen. Zu den größten Positionen gehören unter anderem Saab mit 3,48 %, Leonardo mit 3,46 %, OHB mit 3,28 %, Rheinmetall mit 3,23 %, BAE Systems mit 3,18 %, Safran mit 3,14 % und Airbus mit 3,01 % des Fondsvermögens. Damit besteht keine extreme Abhängigkeit von einem einzelnen Unternehmen.
Die Diversifikation auf Einzeltitelebene kann jedoch das grundlegende Branchenrisiko nicht beseitigen. Der Fonds investiert ausschließlich im Umfeld der europäischen Verteidigungsindustrie. Veränderungen bei Verteidigungsausgaben, politischen Prioritäten, Regulierung oder öffentlichen Beschaffungsprogrammen können deshalb einen erheblichen Einfluss auf praktisch das gesamte Portfolio haben. Der Fonds weist auf dieses erhöhte Konzentrationsrisiko ausdrücklich hin.

Kosten: deutlicher Vorteil der I-Klasse

Bei den Kosten unterscheiden sich die beiden Anteilklassen erheblich. Die TER der I-Klasse beträgt 0,79 %, während sie bei der für Privatanleger zugänglichen R-Klasse 1,45 % beträgt. Zusätzlich weist die R-Klasse einen Ausgabeaufschlag von bis zu 5 % auf, während für die I-Klasse kein Ausgabeaufschlag vorgesehen ist. Die I-Klasse setzt allerdings ein Mindestanlagevolumen von 250.000 Euro voraus.
Gerade bei einer langfristigen Anlage ist die höhere Kostenbelastung der R-Klasse relevant, da sie die Nettorendite kontinuierlich reduziert. Anleger sollten daher insbesondere prüfen, ob und in welcher Höhe der Ausgabeaufschlag beim konkreten Vertriebsweg tatsächlich anfällt.

Chancen und Risiken

Die langfristige Investmentthese ist nachvollziehbar: steigende europäische Verteidigungsausgaben, der Ausbau militärischer Kapazitäten sowie der zunehmende Bedarf an Satelliten-, Kommunikations- und Sicherheitstechnologie können den Unternehmen des Fonds strukturellen Rückenwind geben.

Dem stehen jedoch erhebliche Risiken gegenüber. Neben dem sektoralen Konzentrationsrisiko bestehen allgemeine Marktpreis- sowie Währungsrisiken, da auch Aktien in britischen Pfund, Schweizer Franken, norwegischen und schwedischen Kronen gehalten werden. Positiv ist dagegen die Liquidität: Ein großer Teil der Anlagen entfällt auf börsennotierte Unternehmen mit hoher Marktkapitalisierung, sodass das Management das Liquiditätsrisiko als vergleichsweise begrenzt einschätzt.
Aus ESG-Sicht ist zudem zu beachten, dass Nachhaltigkeitsrisiken bei den Investitionsentscheidungen nicht berücksichtigt wurden. Der Fonds wird nach Artikel 6 der EU-Offenlegungsverordnung eingeordnet und ist damit kein Fonds mit einem ausdrücklich nachhaltigen Anlageziel.

Fazit aus Anlegersicht

Der European Defence Equity Fund präsentiert sich nach seinem ersten Geschäftsjahr als renditestarker, klar positionierter Themenfonds. Ein Wertzuwachs von mehr als 20 %, hohe Netto-Mittelzuflüsse und ein über zahlreiche Unternehmen gestreutes Portfolio sprechen zunächst für einen gelungenen Fondsstart.

Für Anleger ist jedoch entscheidend, die außergewöhnlich gute Anfangsperformance nicht einfach in die Zukunft fortzuschreiben. Der Fonds besteht erst seit Juli 2025 und verfügt damit noch über keinen belastbaren langfristigen Track Record. Gleichzeitig bleibt die Abhängigkeit von einem einzigen strukturellen Investmentthema hoch. Politische Veränderungen, sinkende Verteidigungsausgaben oder Bewertungsrückgänge bei europäischen Rüstungsaktien könnten den Fonds überdurchschnittlich treffen.

Insgesamt eignet sich der Fonds daher vor allem für risikobereite Anleger, die gezielt auf den langfristigen Ausbau der europäischen Verteidigungs- und Sicherheitsindustrie setzen möchten. Als Beimischung zu einem breit diversifizierten Portfolio erscheint das Konzept attraktiv; als alleinige oder sehr große Kernposition wäre das sektorale Konzentrationsrisiko dagegen vergleichsweise hoch. Die günstigere I-Anteilklasse ist aus Kostensicht klar attraktiver, steht aufgrund der Mindestanlage von 250.000 Euro jedoch vor allem institutionellen beziehungsweise vermögenden Anlegern offen.

Der unabhängige Abschlussprüfer kommt im Jahresbericht zu dem Ergebnis, dass der Bericht in allen wesentlichen Belangen den Vorschriften des KAGB entspricht und ein umfassendes Bild der tatsächlichen Verhältnisse und Entwicklungen des Sondervermögens ermöglicht.

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