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Sachsen-Anhalt nach der Wahl: AfD gewinnt deutlich – doch drei Mandate verändern die Machtfrage

geralt (CC0), Pixabay

Die AfD gewinnt die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit großem Abstand, die CDU erlebt einen historischen Einbruch – und dennoch ist nach dieser Wahlnacht eine entscheidende Frage offen: Wer kann das Land künftig regieren?

Nach dem vorläufigen amtlichen Ergebnis erreicht die AfD 43,8 Prozent der Zweitstimmen. Damit wird sie mit weitem Abstand stärkste Kraft und verbessert ihr Ergebnis gegenüber der Landtagswahl 2021 erheblich. Damals hatte sie 20,8 Prozent erreicht.

Doch für die absolute Mehrheit reicht der Wahlerfolg nicht.

Im neuen Landtag erhält die AfD nach dem vorläufigen Ergebnis 39 von insgesamt 83 Mandaten. Für eine eigene Mehrheit wären 42 Sitze erforderlich.

Drei Mandate trennen die Partei damit von der Möglichkeit, allein über eine parlamentarische Mehrheit zu verfügen.

CDU fällt auf 17,2 Prozent

Für die CDU endet die Wahl mit einem tiefen Einschnitt.

Die Partei erreicht nur noch 17,2 Prozent der Zweitstimmen. Bei der Landtagswahl 2021 waren es noch 37,1 Prozent gewesen.

Damit verliert die CDU mehr als die Hälfte ihres damaligen Stimmenanteils.

Noch deutlicher wird der politische Umbruch beim Blick auf die Wahlkreise: 2021 hatte die CDU 40 von 41 Direktmandaten gewonnen. Diesmal gewinnt sie nach dem vorläufigen Ergebnis kein einziges.

Die AfD gewinnt dagegen 38 der 41 Wahlkreise. Drei Direktmandate gehen an die Linke.

Damit hat sich die politische Landkarte Sachsen-Anhalts innerhalb einer Wahlperiode grundlegend verändert.

SPD und Grüne bleiben einstellig

Auch für die bisherigen kleineren Parteien fällt das Ergebnis bemerkenswert aus.

Die SPD erreicht 9,3 Prozent, die Grünen kommen auf 8,9 Prozent.

Die Linke erzielt 8,6 Prozent und bleibt damit ebenfalls im Landtag.

Neu vertreten ist das Bündnis Sahra Wagenknecht. Das BSW überspringt mit 5,3 Prozent knapp die Fünf-Prozent-Hürde und erhält fünf Mandate.

Für die FDP endet die Wahl dagegen mit dem Ausscheiden aus dem Landesparlament. Sie erreicht lediglich 2,6 Prozent.

Damit werden künftig sechs Parteien im Landtag vertreten sein: AfD, CDU, SPD, Grüne, Linke und BSW.

39 von 83 Sitzen: Warum die Sitzverteilung entscheidend ist

Der Blick auf die Prozentwerte allein reicht bei dieser Wahl nicht aus.

Die entscheidende Zahl lautet 42.

So viele Mandate wären bei einem Landtag mit 83 Abgeordneten für eine absolute Mehrheit erforderlich.

Die AfD verfügt nach dem vorläufigen Ergebnis über 39 Sitze.

Die CDU erhält 15 Mandate, die SPD acht, die Grünen acht, die Linke acht und das BSW fünf.

Damit verfügt keine Partei allein über eine Mehrheit.

Genau daraus ergibt sich die schwierige Ausgangslage für die kommende Regierungsbildung.

CDU, SPD und Grüne kommen gemeinsam nicht auf eine Mehrheit

Besonders bemerkenswert ist die rechnerische Situation der bisherigen politischen Mitte.

CDU, SPD und Grüne kommen gemeinsam auf 31 Mandate.

Das reicht bei 83 Sitzen deutlich nicht für eine Mehrheit.

Auch eine Zusammenarbeit von CDU, SPD und BSW käme mit insgesamt 28 Sitzen nicht in die Nähe der erforderlichen 42 Mandate.

CDU, SPD, Grüne und BSW hätten zusammen 36 Sitze.

Damit zeigt sich: Mehrere rechnerisch naheliegende Kombinationen ohne AfD und Linke reichen nicht für eine parlamentarische Mehrheit.

Für die Parteien stellt sich deshalb nach der Wahl nicht nur die Frage, mit wem sie politisch zusammenarbeiten wollen, sondern zunächst, welche Mehrheiten mathematisch überhaupt möglich sind.

Ein Wahlsieg ist noch keine Regierungsmehrheit

Das Ergebnis verdeutlicht einen grundlegenden Unterschied des parlamentarischen Systems.

Stärkste Partei zu werden bedeutet nicht automatisch, die Regierung zu stellen.

Entscheidend ist, wer im neu gewählten Landtag eine Mehrheit für die Wahl eines Ministerpräsidenten und anschließend für die politische Arbeit organisieren kann.

Die AfD kann mit 39 Abgeordneten allein keine absolute Mehrheit bilden.

Gleichzeitig haben andere Parteien eine Zusammenarbeit mit der AfD bislang ausgeschlossen.

Damit beginnt nach dem eindeutigen Wahlergebnis eine möglicherweise schwierige Phase der Regierungsbildung.

Die CDU steht vor einer völlig neuen Situation

Besonders groß ist der Einschnitt für die CDU.

Sie hatte Sachsen-Anhalt seit 2002 durchgehend geführt und war bei der Landtagswahl 2021 noch mit deutlichem Abstand stärkste Kraft geworden.

Fünf Jahre später liegt sie mehr als 26 Prozentpunkte hinter der AfD.

Für die Partei geht es deshalb nach dieser Wahl um mehr als die Frage einer möglichen Regierungsbeteiligung.

Sie muss auch analysieren, warum ein großer Teil ihrer früheren Wählerschaft diesmal anders abgestimmt hat und warum sie sämtliche Direktmandate verloren hat.

Die Größenordnung des Absturzes dürfte zwangsläufig Diskussionen über Strategie, Personal und politische Ausrichtung auslösen.

AfD erreicht ihr bislang stärkstes Landtagswahlergebnis

Für die AfD bedeutet die Wahl dagegen einen außergewöhnlich starken Zugewinn.

Von 20,8 Prozent im Jahr 2021 steigt sie auf 43,8 Prozent.

Damit hat sich ihr Stimmenanteil innerhalb von fünf Jahren mehr als verdoppelt.

Auch die 38 gewonnenen Direktmandate zeigen, dass das Ergebnis nicht nur auf einzelne Regionen begrenzt ist.

Dennoch bleibt die entscheidende Grenze bestehen: Die Partei besitzt keine eigene Mehrheit im Landtag.

Für ihre tatsächliche politische Gestaltungsmacht wird deshalb entscheidend sein, ob und in welcher Form sich parlamentarische Mehrheiten bilden lassen.

Das BSW schafft den Einzug knapp

Eine wichtige Rolle könnte auch das BSW spielen.

Mit 5,3 Prozent schafft die Partei erstmals den Einzug in den Landtag von Sachsen-Anhalt.

Das Ergebnis liegt nur knapp oberhalb der Fünf-Prozent-Hürde.

Trotz lediglich fünf Mandaten kann das BSW bei den bevorstehenden Gesprächen Bedeutung gewinnen, weil die Mehrheitsverhältnisse außergewöhnlich kompliziert sind.

Allerdings reicht das BSW gemeinsam mit CDU, SPD und Grünen ebenfalls nicht für eine Mehrheit.

Damit löst auch sein Einzug das rechnerische Problem zunächst nicht.

Die Linke gewinnt drei Direktmandate

Interessant ist außerdem das Abschneiden der Linken.

Landesweit erreicht sie 8,6 Prozent. Gleichzeitig gewinnt sie drei Direktmandate – in Magdeburg und Halle.

Das ist bemerkenswert, weil die übrigen 38 Direktmandate an die AfD gehen.

Während die CDU damit vollständig aus der Reihe der direkt gewählten Wahlkreisabgeordneten verschwindet, behauptet beziehungsweise gewinnt die Linke einzelne urbane Wahlkreise.

Auch hier zeigt sich, dass sich hinter dem landesweiten Ergebnis erhebliche regionale Unterschiede verbergen.

FDP nicht mehr im Landtag

Für die FDP endet die Wahl mit 2,6 Prozent.

Damit verfehlt sie die Fünf-Prozent-Hürde deutlich und scheidet aus dem Landesparlament aus.

Für die Zusammensetzung des neuen Landtags hat das unmittelbare Folgen: Stimmen für Parteien unterhalb der Sperrklausel führen grundsätzlich nicht zu entsprechenden Mandaten, wodurch sich die Sitzverteilung unter den eingezogenen Parteien verändert.

Gerade bei einem Ergebnis, bei dem eine Partei relativ nahe an eine absolute Sitzmehrheit herankommt, kann dieser Effekt politisch besonders relevant werden.

Noch ist das Ergebnis vorläufig

Bei allen Berechnungen ist eine Einschränkung wichtig.

Es handelt sich um das vorläufige Wahlergebnis.

Nach Angaben der Landeswahlleitung wurden dafür die Ergebnisse aus allen 2.661 Wahlbezirken berücksichtigt.

Die Kreiswahlausschüsse prüfen anschließend die Wahlniederschriften und stellen die endgültigen Wahlkreisergebnisse fest.

Das endgültige Zweitstimmenergebnis auf Landesebene soll der Landeswahlausschuss am 22. September 2026 feststellen.

Bis dahin können sich durch Prüfungen grundsätzlich noch Änderungen ergeben.

Eine klare Wahlentscheidung – und eine komplizierte Machtfrage

Das Ergebnis enthält damit zwei auf den ersten Blick widersprüchliche Botschaften.

Bei der Frage nach der stärksten Partei ist das Ergebnis eindeutig: Mit 43,8 Prozent liegt die AfD weit vor allen Konkurrenten.

Bei der Frage nach der nächsten Landesregierung ist dagegen vieles offen.

Die AfD hat keine eigene Mehrheit.

CDU, SPD und Grüne erreichen gemeinsam ebenfalls keine Mehrheit. Selbst unter Einbeziehung des BSW fehlen dieser Kombination weitere Mandate.

Damit müssen die Parteien nun ausloten, welche parlamentarischen Konstellationen politisch überhaupt denkbar sind.

Drei Sitze werden zum Symbol dieser Wahl

Vielleicht lässt sich die außergewöhnliche Situation nach dieser Landtagswahl am besten an einer einzigen Zahl erklären:

Drei.

Drei zusätzliche Mandate hätten der AfD nach der vorläufigen Sitzverteilung für die absolute Mehrheit gefehlt.

Diese drei Sitze markieren den Unterschied zwischen einem sehr deutlichen Wahlsieg und der Möglichkeit, unabhängig von anderen Parteien eine eigene parlamentarische Mehrheit zu stellen.

Für Sachsen-Anhalt beginnt deshalb am Morgen nach der Wahl eine neue politische Phase.

Die Wähler haben die Kräfteverhältnisse im Landtag deutlich verändert.

Wer daraus eine tragfähige Regierung bilden kann, ist damit aber noch nicht entschieden.

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