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„Putin wird eher eskalieren“: Neue große Mobilmachung in Russland nach der Wahl befürchtet

Peggy_Marco (CC0), Pixabay

Russlands Präsident Wladimir Putin könnte den Krieg gegen die Ukraine nach Einschätzung von Sicherheitsexperten nach den russischen Parlamentswahlen im September noch einmal erheblich verschärfen. Der Sicherheitsexperte Frank Umbach rechnet damit, dass der Kreml eher auf eine weitere Eskalation als auf ein baldiges Ende des Krieges setzen wird.

Besonders im Mittelpunkt steht dabei eine mögliche neue große Mobilmachung russischer Soldaten. Sie könnte nach den Wahlen vom 18. bis 20. September 2026 angeordnet werden. Damit könnte Putin versuchen, die hohen Verluste seiner Streitkräfte auszugleichen und gleichzeitig zusätzliche Soldaten für weitere Offensiven bereitzustellen.

Hunderttausende zusätzliche Soldaten möglich

Auch die ukrainische Führung warnt seit einiger Zeit vor entsprechenden Vorbereitungen. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte unter Berufung auf Geheimdienstinformationen, Russland könne bis Ende 2026 mehrere Hunderttausend zusätzliche Männer mobilisieren. Zuvor war sogar von möglichen Vorbereitungen für die Mobilisierung von bis zu 500.000 Menschen die Rede.

Ob es tatsächlich dazu kommt, ist allerdings noch nicht entschieden. Eine offiziell verkündete neue russische Massenmobilisierung gibt es bislang nicht.

Bemerkenswert sind jedoch jüngste Äußerungen des russischen UN-Botschafters Wassili Nebensja. Er erklärte, eine Massenmobilisierung sei derzeit nicht notwendig und nach seinem Kenntnisstand auch nicht geplant. Gleichzeitig ließ er die weitere Entwicklung ausdrücklich offen.

Damit gibt es aus Moskau zumindest kein uneingeschränktes Dementi für die Zeit nach der Wahl.

Warum Putin bis nach der Wahl warten könnte

Der Zeitpunkt wäre politisch nachvollziehbar. Eine große Mobilmachung unmittelbar vor der Parlamentswahl könnte erhebliche Unruhe in der russischen Bevölkerung verursachen.

Die Teilmobilmachung im September 2022 hatte bereits gezeigt, wie empfindlich Teile der Bevölkerung auf direkte Einberufungen reagieren. Damals wurden rund 300.000 Reservisten mobilisiert. Zahlreiche Russen verließen anschließend das Land.

Eine erneute Mobilisierung könnte noch größere gesellschaftliche Auswirkungen haben – insbesondere dann, wenn diesmal stärker Männer aus Moskau, St. Petersburg und anderen Großstädten betroffen wären.

Bislang hat der Kreml versucht, neue Soldaten vor allem durch hohe Prämien, Vertragsangebote und andere finanzielle Anreize zu gewinnen. Doch angesichts der hohen Verluste könnte dieses System zunehmend an seine Grenzen stoßen.

Krieg erreicht den russischen Alltag immer stärker

Hinzu kommt ein weiteres Problem für Putin: Die Folgen des Krieges sind inzwischen auch innerhalb Russlands deutlich stärker zu spüren.

Ukrainische Drohnen greifen zunehmend Ziele tief im russischen Hinterland an. Raffinerien und andere Teile der Energieinfrastruktur wurden getroffen. Gleichzeitig gibt es Probleme bei der Treibstoffversorgung, während hohe Zinsen, Arbeitskräftemangel und steigende Kriegsausgaben die Wirtschaft belasten.

Damit wird es für den Kreml schwieriger, den Krieg vom Alltag der Bevölkerung fernzuhalten.

Eine Mobilmachung in den großen Städten könnte diesen Effekt noch erheblich verstärken. Dann wären plötzlich sehr viel mehr Familien unmittelbar mit der Frage konfrontiert, ob Ehemänner, Söhne oder Väter in den Krieg geschickt werden.

Russland verstärkt gleichzeitig seine militärischen Möglichkeiten

Gleichzeitig gibt es wenig Anzeichen dafür, dass Russland seine militärischen Aktivitäten zurückfahren möchte.

Neue Abschussanlagen für Langstreckendrohnen nahe der ukrainischen Grenze sollen die Vorwarnzeiten der ukrainischen Luftverteidigung verkürzen. Russland setzt zudem weiterhin auf massive kombinierte Angriffe mit Drohnen, Marschflugkörpern und ballistischen Raketen.

Eine zusätzliche Mobilisierung würde daher zu einem Szenario passen, in dem der Kreml nicht auf einen schnellen Waffenstillstand, sondern auf einen langfristigen Abnutzungskrieg setzt.

Eine neue Mobilmachung wäre ein deutliches Signal

Sollte Putin nach dem 20. September tatsächlich Hunderttausende weitere Männer einberufen, wäre dies eines der deutlichsten Zeichen dafür, dass Moskau den Krieg nicht nur fortsetzen, sondern möglicherweise noch intensivieren will.

Allerdings bleibt entscheidend: Bislang handelt es sich um Warnungen, Geheimdiensteinschätzungen und Analysen – nicht um einen bereits gefassten und öffentlich bestätigten Mobilmachungsbeschluss Putins.

Gerade deshalb dürfte die Zeit unmittelbar nach der russischen Parlamentswahl besonders aufmerksam beobachtet werden. Sollte der Kreml dann tatsächlich eine neue Mobilisierungswelle verkünden, könnte der Herbst 2026 zu einer weiteren entscheidenden Phase des Ukraine-Krieges werden.

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