Der Jahresabschluss 2025 der GP JOULE Windpark Südermarsch GmbH & Co. KG zeigt eine deutliche Entschuldung gegenüber Banken. Gleichzeitig fällt auf, dass ein erheblicher Teil der Finanzierung weiterhin über Darlehen der Gesellschafter erfolgt. Für eine Beurteilung des Windparkprojekts lohnt deshalb ein genauer Blick auf die Struktur der Bilanz.
Bilanzsumme schrumpft deutlich
Zum 31. Dezember 2025 weist die Gesellschaft eine Bilanzsumme von rund 1,84 Millionen Euro aus. Ein Jahr zuvor waren es noch knapp 2,58 Millionen Euro. Damit ist die Bilanzsumme innerhalb eines Jahres um rund 737.000 Euro beziehungsweise knapp 29 Prozent zurückgegangen.
Ein wesentlicher Grund liegt im Anlagevermögen. Dieses sank von rund 1,29 Millionen Euro auf nur noch 717.278 Euro. Die Sachanlagen – im Wesentlichen die Windkraftanlagen – stehen Ende 2025 noch mit 716.591 Euro in den Büchern.
Der starke Rückgang dürfte wesentlich auf die planmäßigen Abschreibungen zurückzuführen sein. Konkrete Abschreibungsbeträge enthält das vorgelegte Zahlenmaterial allerdings nicht.
Bankdarlehen auf nur noch 283.322 Euro reduziert
Besonders interessant ist die Entwicklung der Verbindlichkeiten.
Insgesamt gingen diese von rund 2,45 Millionen Euro auf 1,69 Millionen Euro zurück. Das entspricht einem Rückgang von etwa 769.000 Euro beziehungsweise gut 31 Prozent.
Gegenüber Kreditinstituten bestanden Ende 2025 nur noch Verbindlichkeiten von 283.322 Euro.
Bemerkenswert ist zudem deren Laufzeit: Der gesamte Betrag wird mit einer Restlaufzeit von weniger als einem Jahr angegeben. Verbindlichkeiten gegenüber Banken mit einer Laufzeit von mehr als einem Jahr bestehen laut Anhang nicht mehr.
Damit dürfte die klassische Bankfinanzierung des Windparks ihrem Ende entgegengehen.
Windkraftanlagen dienen weiterhin als Sicherheit
Die verbliebenen Bankverbindlichkeiten sind allerdings besichert.
Nach Angaben der Gesellschaft wurden dafür unter anderem die Windkraftanlagen sicherungsübereignet. Zusätzlich wurden verschiedene Rechte, Ansprüche und Erlöse an die finanzierenden Kreditinstitute abgetreten.
Solche Sicherheiten sind bei projektfinanzierten Windparks grundsätzlich nicht ungewöhnlich. Interessant wird sein, wie sich die Bilanz nach vollständiger Rückzahlung der noch bestehenden 283.322 Euro Bankverbindlichkeiten entwickelt.
1,3 Millionen Euro Schulden gegenüber Gesellschaftern
Während die Bankfinanzierung deutlich zurückgefahren wurde, bleibt eine andere Position ausgesprochen groß.
Aus Gesellschafterdarlehen bestanden Ende 2025 Verbindlichkeiten von rund 1,317 Millionen Euro.
Damit stellen die Gesellschafter selbst den mit Abstand größten Fremdkapitalgeber des Windparks dar. Rund 78 Prozent der gesamten bilanzierten Verbindlichkeiten entfallen rechnerisch auf Verpflichtungen gegenüber Gesellschaftern.
Das ist für die Bewertung der Finanzierungsstruktur entscheidend. Eine niedrige Bankschuld bedeutet hier nicht, dass der Windpark insgesamt kaum noch fremdfinanziert wäre. Ein erheblicher Teil der Finanzierung wurde vielmehr durch Gesellschafterkapital in Form von Darlehen bereitgestellt.
Nur 500 Euro bilanzielles Eigenkapital
Auffällig ist gleichzeitig das extrem niedrige ausgewiesene Eigenkapital.
Die Bilanz nennt lediglich 500 Euro Eigenkapital. Diese entsprechen vollständig den Kapitalanteilen der Kommanditisten. Ein Bilanzgewinn oder Bilanzverlust wird mit null Euro ausgewiesen.
Bei einer Bilanzsumme von 1,838 Millionen Euro ergibt sich damit rechnerisch eine Eigenkapitalquote von lediglich rund 0,03 Prozent.
Diese Kennzahl sollte allerdings nicht isoliert betrachtet werden. Die wirtschaftliche Finanzierungssituation wird wesentlich durch die hohen Gesellschafterdarlehen geprägt. Entscheidend wäre daher unter anderem, welche Rangstellung, Verzinsung und Rückzahlungsbedingungen für diese Darlehen vereinbart wurden. Dazu enthält der vorgelegte Abschluss keine ausreichenden Informationen.
Liquidität steigt trotz sinkender Bilanzsumme
Positiv entwickelt hat sich dagegen der Bestand an liquiden Mitteln.
Die Bank- und Kassenbestände erhöhten sich von rund 369.184 Euro auf 448.212 Euro.
Das entspricht einem Plus von rund 79.000 Euro beziehungsweise gut 21 Prozent.
Gleichzeitig gingen die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände deutlich zurück: von rund 561.934 Euro auf 347.883 Euro.
Das Umlaufvermögen insgesamt sank deshalb trotz höherer Liquidität von rund 931.118 Euro auf 796.094 Euro.
Sämtliche Verbindlichkeiten kurzfristig
Ein Punkt verdient besondere Aufmerksamkeit: Laut Anhang haben sämtliche ausgewiesenen Verbindlichkeiten eine Restlaufzeit von weniger als einem Jahr.
Genannt werden:
- 283.322 Euro gegenüber Kreditinstituten,
- 3.993 Euro aus Lieferungen und Leistungen,
- rund 1,317 Millionen Euro gegenüber Gesellschaftern und
- rund 80.666 Euro sonstige Verbindlichkeiten.
Verbindlichkeiten mit Laufzeiten zwischen einem und fünf Jahren beziehungsweise von mehr als fünf Jahren werden jeweils mit null Euro angegeben.
Rein bilanziell entsteht dadurch ein erheblicher kurzfristiger Finanzierungsbedarf. Ob daraus tatsächlich ein Liquiditätsrisiko resultiert, lässt sich aus dem veröffentlichten Abschluss allein jedoch nicht beurteilen. Dafür müsste insbesondere bekannt sein, wie die Gesellschafterdarlehen tatsächlich gehandhabt beziehungsweise verlängert werden.
Steuerschulden deutlich gestiegen
Interessant ist auch die Entwicklung der sonstigen Verbindlichkeiten.
Darin befinden sich zum Jahresende 80.665,56 Euro Steuerschulden. Im Vorjahr waren es lediglich 22.242 Euro.
Damit haben sich diese Verpflichtungen mehr als verdreifacht.
Ohne Gewinn-und-Verlust-Rechnung lässt sich aus dieser Veränderung allerdings nicht zuverlässig auf die operative Ertragsentwicklung des Windparks schließen.
Pacht und Wartung kosten jährlich mehr als 163.000 Euro
Neben den bilanzierten Schulden bestehen laufende finanzielle Verpflichtungen.
Für mehrjährige Pachtverträge fallen jährlich 68.000 Euro an. Hinzu kommen jährlich 95.229,67 Euro für Service- und Wartungsverträge.
Zusammen ergibt das laufende vertragliche Verpflichtungen von rund 163.230 Euro pro Jahr.
Gerade bei älteren Windparks ist diese Position von Bedeutung. Mit zunehmendem Anlagenalter können Wartung, technische Verfügbarkeit und Reparaturbedarf einen immer größeren Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit haben.
Was im veröffentlichten Abschluss fehlt
Für eine umfassende wirtschaftliche Bewertung reicht die vorgelegte Bilanz allerdings nicht aus.
Besonders wichtig wäre die Gewinn-und-Verlust-Rechnung 2025. Aus den vorliegenden Angaben lassen sich weder Jahresumsatz noch Stromproduktion, Stromerlöse, Abschreibungen oder operatives Ergebnis zuverlässig bestimmen.
Auch Angaben zur technischen Verfügbarkeit und zur tatsächlichen Stromerzeugung fehlen in dem vorgelegten Material.
Deshalb wäre es nicht seriös, allein aus dem deutlichen Schuldenabbau auf ein besonders erfolgreiches Geschäftsjahr zu schließen.
Fazit: Bankfinanzierung nähert sich dem Ende
Der Jahresabschluss zeigt dennoch eine klare Entwicklung: Die GP JOULE Windpark Südermarsch GmbH & Co. KG reduziert ihre Verbindlichkeiten deutlich. Besonders die verbleibenden Bankschulden von nur noch 283.322 Euro fallen im Vergleich zur Bilanzsumme relativ gering aus.
Auf der anderen Seite stehen jedoch mehr als 1,3 Millionen Euro Gesellschafterdarlehen und lediglich 500 Euro bilanzielles Eigenkapital. Wirtschaftlich ist der Windpark daher weiterhin stark von der Finanzierung durch seine Gesellschafter abhängig.
Spannend dürfte der nächste Abschluss werden. Wenn auch die restlichen Bankverbindlichkeiten zurückgeführt werden, stellt sich vor allem die Frage, wie schnell anschließend die Gesellschafterdarlehen abgebaut werden können und welche Mittel der Windpark tatsächlich erwirtschaftet.
Genau dafür wären Stromproduktion, Umsätze, operative Kosten und Jahresergebnis entscheidend – Zahlen, die aus dem hier vorliegenden Abschlussmaterial nicht hervorgehen.