Der Jahresabschluss 2025 der Planet energy Windpark Wundersleben GmbH & Co. KG zeigt zwei sehr unterschiedliche Entwicklungen: Operativ war 2025 wegen des schwachen Windaufkommens ein schwieriges Jahr. Gleichzeitig hat die Gesellschaft ihre Bankfinanzierung vollständig zurückgeführt und verfügt weiterhin über eine vergleichsweise hohe Liquiditätsreserve.
Stromproduktion bleibt 29 Prozent hinter der Planung
Die Gesellschaft betreibt in Thüringen drei Windenergieanlagen des Typs Vestas V90 mit insgesamt 6 MW installierter Leistung. Die Anlagen wurden im März 2011 in Betrieb genommen. Die EEG-Vergütung ist laut Lagebericht bis Ende 2031 nach unten abgesichert.
Technisch lief der Windpark 2025 ordentlich: Die Verfügbarkeit erreichte 97,22 Prozent und lag damit sogar leicht über dem Zielwert von 97 Prozent.
Das Problem war vielmehr der fehlende Wind. Die Stromproduktion belief sich lediglich auf 8.183.348 kWh und lag damit 29 Prozent unter dem Gutachten beziehungsweise der Planung. Als wesentlichen Grund nennt die Geschäftsführung das geringe Windaufkommen in nahezu allen Monaten des Jahres.
Das ist für Anleger eine zentrale Erkenntnis: Selbst eine technisch gut verfügbare Windkraftanlage kann ihre wirtschaftlichen Ziele deutlich verfehlen, wenn das Windjahr schlecht ausfällt.
Umsatz bricht um mehr als 260.000 Euro ein
Die schwache Produktion schlägt sich unmittelbar in den Geschäftszahlen nieder.
2025 erzielte die Gesellschaft 907.070 Euro Umsatz. Im Vorjahr waren es noch rund 1,17 Millionen Euro. Der Umsatz sank damit um rund 264.000 Euro beziehungsweise 23 Prozent.
Nach Angaben des Unternehmens lagen die Umsätze zugleich 21 Prozent unter der Planung.
Die Gesamtkosten beliefen sich laut Lagebericht auf 975.684 Euro. Unter dem Strich entstand ein handelsrechtlicher Verlust von 69.816 Euro. Im Vorjahr war noch ein Jahresüberschuss von 105.418 Euro erzielt worden.
Damit hat sich das Jahresergebnis gegenüber 2024 um rund 175.000 Euro verschlechtert.
Entscheidender Fortschritt: Bankdarlehen komplett zurückgezahlt
Finanziell gibt es allerdings eine ausgesprochen wichtige positive Nachricht.
Ende 2024 bestanden noch Bankverbindlichkeiten von 596.048 Euro. Zum 31. Dezember 2025 weist die Bilanz bei den Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 0 Euro aus.
Der Lagebericht bestätigt, dass 2025 Tilgungen von 596.048 Euro geleistet wurden. Hinzu kamen Zinsaufwendungen von lediglich 5.550 Euro für das Bankdarlehen.
Damit ist der Windpark zum Bilanzstichtag bankseitig schuldenfrei.
Das verändert die wirtschaftliche Situation erheblich. Künftige operative Cashflows müssen nicht mehr für die Tilgung dieses Bankdarlehens eingesetzt werden.
1,7 Millionen Euro Liquidität
Bemerkenswert ist zudem die Liquiditätsposition.
Zum Jahresende verfügte die Gesellschaft über liquide Mittel von rund 1,696 Millionen Euro. Ende 2024 waren es noch 1,981 Millionen Euro.
Die Liquidität sank also um rund 285.000 Euro. Angesichts der vollständigen Rückzahlung des Bankdarlehens von knapp 600.000 Euro und des operativ schwachen Jahres erscheint diese Entwicklung zumindest erklärbar.
Allerdings sind nicht sämtliche Mittel frei verfügbar. 340.000 Euro dienen als Liquiditätsreserven für Darlehensverträge und unterliegen vollständigen Verfügungsbeschränkungen.
Selbst nach Abzug dieser Position verbleibt rechnerisch eine erhebliche Liquiditätsbasis.
Genussrechtskapital wird ebenfalls zurückgeführt
Neben dem Bankdarlehen spielt das Genussrechtskapital eine wichtige Rolle.
Ursprünglich wurden 2012 Genussrechte im Gesamtvolumen von 2,56 Millionen Euro beziehungsweise 6.400 Stück begeben. Die Laufzeit reicht bis zum 31. Dezember 2031; eine vorzeitige Kündigung ist ausgeschlossen.
Bis Ende 2025 wurden bereits rund 1,536 Millionen Euro zurückgeführt. In der Bilanz stehen noch 1,024 Millionen Euro Genussrechtskapital.
Allein 2025 wurden weitere 102.349 Euro zurückgezahlt. Eine Vergütung auf die Genussrechte wurde für das Geschäftsjahr dagegen nicht gezahlt.
Gerade für Genussrechtsinhaber ist diese Entwicklung von besonderem Interesse: Der Kapitalrückführungsprozess ist bereits weit fortgeschritten, gleichzeitig endet die Laufzeit erst 2031.
Hohe Eigenkapitalquote – mit Besonderheit
Die Bilanz weist zum Jahresende Eigenkapital von rund 1,993 Millionen Euro aus. Bei einer Bilanzsumme von 2,534 Millionen Euro entspricht dies rechnerisch einer sehr hohen Eigenkapitalquote von knapp 79 Prozent.
Allerdings muss man genauer hinsehen: In dieser Position sind rund 1,024 Millionen Euro Genussrechtskapital enthalten. Hinzu kommen 943.867 Euro Gewinnrücklagen und ein Kapitalanteil der Kommanditistin von 25.000 Euro.
Die hohe rechnerische Eigenkapitalquote sollte deshalb nicht mit klassischem Gesellschafterkapital gleichgesetzt werden.
Windkraftanlagen fast vollständig abgeschrieben
Auch die Altersstruktur der Anlagen wird in der Bilanz deutlich.
Die technischen Anlagen hatten ursprünglich Anschaffungskosten von rund 9,406 Millionen Euro. Ende 2025 beträgt ihr bilanzieller Restwert nur noch 692.127 Euro.
Allein 2025 wurden 587.868 Euro abgeschrieben. Insgesamt summieren sich die Abschreibungen inzwischen auf rund 8,714 Millionen Euro.
Damit sind rechnerisch bereits rund 92,6 Prozent der ursprünglichen Anschaffungskosten abgeschrieben.
Das ist angesichts der Inbetriebnahme im Jahr 2011 nachvollziehbar. Für Anleger stellt sich allerdings zunehmend die Frage nach der wirtschaftlichen und technischen Restlaufzeit der Anlagen sowie möglichen größeren Instandhaltungs- oder Repowering-Investitionen.
Langfristige Verpflichtungen bleiben
Bankseitig ist die Gesellschaft zwar schuldenfrei, wirtschaftlich bestehen dennoch zukünftige Zahlungsverpflichtungen.
Aus Pachtverträgen, Wartung, Versicherungen sowie technischer und kaufmännischer Betriebsführung ergeben sich sonstige finanzielle Verpflichtungen von insgesamt rund 1,685 Millionen Euro. Davon werden etwa 267.000 Euro bereits im Folgejahr fällig. Rund 309.000 Euro der Verpflichtungen bestehen gegenüber verbundenen Unternehmen.
Diese Verpflichtungen sind deshalb bei einer Bewertung der tatsächlichen finanziellen Bewegungsfreiheit mitzuberücksichtigen.
2026 soll die Produktion wieder steigen – Verlust bleibt eingeplant
Die Geschäftsführung rechnet für 2026 mit einer Normalisierung des Windaufkommens.
Prognostiziert wird eine Stromproduktion zwischen rund 8,8 und 10,76 Millionen kWh. Daraus sollen Umsätze zwischen 1,038 und 1,269 Millionen Euro entstehen.
Bemerkenswert ist jedoch: Trotz des erwarteten Umsatzanstiegs rechnet das Unternehmen erneut mit einem negativen Jahresergebnis zwischen ungefähr 62.000 und 76.000 Euro. Dabei seien Ausschüttungen an die Genussrechtsinhaber bereits berücksichtigt.
Für Anleger ist gerade dieser Punkt interessant. Selbst bei einer deutlich besseren Stromproduktion erwartet die Geschäftsführung zunächst keine Rückkehr in die Gewinnzone.
Prüfer erteilen uneingeschränkten Bestätigungsvermerk
Positiv zu bewerten ist auch das Ergebnis der Abschlussprüfung.
Die Wirtschaftsprüfer kommen zu dem Ergebnis, dass Jahresabschluss und Lagebericht den gesetzlichen Anforderungen entsprechen und ein zutreffendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage beziehungsweise der Lage der Gesellschaft vermitteln. Die Prüfung führte zu keinen Einwendungen gegen die Ordnungsmäßigkeit des Jahresabschlusses und des Lageberichts.
Fazit: Finanziell deutlich robuster – aber der Wind bleibt das entscheidende Risiko
Der Jahresabschluss 2025 erzählt damit keine klassische Krisengeschichte. Das operative Ergebnis ist zwar schwach: Die Produktion lag 29 Prozent unter Plan, der Umsatz fiel um 23 Prozent und aus einem Gewinn von rund 105.000 Euro wurde ein Verlust von knapp 70.000 Euro.
Gleichzeitig hat sich die Finanzierungsstruktur erheblich verbessert. Das Bankdarlehen wurde vollständig getilgt, es stehen rund 1,7 Millionen Euro liquide Mittel zur Verfügung und auch das Genussrechtskapital wird sukzessive zurückgeführt.
Der entscheidende Risikofaktor lässt sich dagegen nicht aus der Bilanz beseitigen: das Wetter. Die technische Verfügbarkeit von 97,22 Prozent zeigt, dass die Anlagen 2025 grundsätzlich funktionierten. Trotzdem blieb die Produktion wegen des schwachen Windjahres massiv hinter den Erwartungen zurück.
Für Anleger dürfte deshalb insbesondere die Entwicklung bis 2031 interessant werden. Dann endet sowohl die derzeitige EEG-Absicherung als auch die Laufzeit des 2012 begebenen Genussrechtskapitals.
Bis dahin kommt es darauf an, ob bessere Windjahre wieder ausreichend operative Überschüsse ermöglichen – und wie viel Kapital nach weiteren Rückzahlungen tatsächlich für die Anleger übrig bleibt.