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Wie groß ist die Gefahr eines Angriffs auf Deutschland?

sinisamaric1 (CC0), Pixabay

Ja, die Gefahr für Deutschland hat zugenommen. Das bedeutet jedoch nicht, dass ein militärischer Angriff auf Deutschland unmittelbar bevorsteht. Die derzeit größere und konkretere Gefahr sind sogenannte hybride Angriffe. Dazu gehören Sabotage, Cyberattacken, Spionage, Desinformation und der Einsatz von Drohnen gegen wichtige Einrichtungen.

Der jüngste Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle macht deutlich, warum die Sicherheitsbehörden die Bedrohung inzwischen sehr ernst nehmen. Eine mit Sprengstoff ausgestattete Drohne kann eine völlig andere Gefahrenlage schaffen als eine gewöhnliche Drohne, die unerlaubt über einem Flughafen fliegt.

Warum Drohnen Deutschland besonders gefährlich werden können

Moderne Drohnen sind relativ klein, vergleichsweise günstig und teilweise nur schwer zu entdecken. Sie können nicht nur Bilder aufnehmen, sondern auch gezielt zur Sabotage eingesetzt werden.

Mögliche Ziele könnten Flughäfen, Bundeswehrstandorte, Kraftwerke, Industrieanlagen, Bahnstrecken, Häfen oder andere wichtige Einrichtungen sein.

Besonders problematisch sind moderne Drohnen, die teilweise selbstständig navigieren können. Wird die Funkverbindung durch einen Störsender unterbrochen, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass die Drohne abstürzt. Moderne Systeme können unter bestimmten Voraussetzungen ihren programmierten Flug fortsetzen.

Deshalb müssen Sicherheitsbehörden eine verdächtige Drohne zunächst erkennen und verfolgen und anschließend entscheiden, wie sie unschädlich gemacht werden kann.

Was soll das neue Drohnenzentrum leisten?

Genau hier setzt das neue Technologiezentrum Drohnensicherheit in Cochstedt in Sachsen-Anhalt an.

Dort sollen neue Verfahren zur Erkennung und Abwehr gefährlicher Drohnen entwickelt und unter möglichst realistischen Bedingungen getestet werden.

Dabei geht es beispielsweise darum, unterschiedliche Drohnentypen zuverlässig zu erkennen und geeignete Abwehrmaßnahmen zu entwickeln. Möglichkeiten reichen von elektronischen Störmaßnahmen über Fangnetze und spezielle Abfangdrohnen bis hin zu anderen technischen Verfahren.

Das Zentrum verfügt dafür unter anderem über Flughafeneinrichtungen, Hangars und eine künstliche Modellstadt. Dadurch können auch Drohnenflüge in bebauten Gebieten simuliert werden.

Deutschland wird bereits hybrid angegriffen

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen einem klassischen militärischen Angriff und einem hybriden Angriff.

Bei einem klassischen Angriff würden beispielsweise Raketen, Kampfflugzeuge, größere Drohnenverbände oder Bodentruppen eingesetzt.

Hybride Angriffe funktionieren anders. Sie bleiben häufig bewusst unterhalb der Schwelle eines offenen Krieges.

Dazu gehören beispielsweise:

Cyberangriffe auf Behörden und Unternehmen, Sabotage wichtiger Infrastruktur, Spionage militärischer Einrichtungen, Manipulation von Informationen sowie verdeckte Aktionen gegen Verkehrs-, Energie- oder Kommunikationssysteme.

Gerade diese Form der Bedrohung beschäftigt die deutschen Sicherheitsbehörden zunehmend.

Warum Deutschland für einen Gegner besonders interessant ist

Deutschland hat innerhalb Europas eine strategisch wichtige Lage.

Sollte es zu einem größeren militärischen Konflikt an der NATO-Ostgrenze kommen, müssten erhebliche Mengen an Soldaten, Fahrzeugen, Waffen, Munition und anderem Material durch Deutschland transportiert werden.

Deutschland wäre damit eine zentrale Drehscheibe für die NATO.

Besonders wichtig wären dann beispielsweise Häfen, Flughäfen, Autobahnen, Eisenbahnstrecken, Brücken, Energieversorgung und Kommunikationsnetze.

Genau deshalb könnten solche Einrichtungen bereits vor einem offenen militärischen Konflikt für Sabotage oder Spionage interessant sein.

Könnte Russland Deutschland militärisch angreifen?

Grundsätzlich kann ein militärischer Angriff auf Deutschland nicht vollständig ausgeschlossen werden. Derzeit gibt es aber keinen Grund für die Annahme, dass ein solcher Angriff unmittelbar bevorsteht.

Ein entscheidender Schutz Deutschlands ist die Mitgliedschaft in der NATO.

Ein bewaffneter Angriff auf Deutschland könnte den Bündnisfall auslösen. Russland müsste dann damit rechnen, nicht allein gegen Deutschland, sondern gegen das gesamte NATO-Bündnis zu kämpfen.

Diese militärische Abschreckung soll gerade verhindern, dass es überhaupt zu einem Angriff kommt.

Trotzdem bereiten sich Deutschland und die anderen NATO-Staaten stärker auf einen möglichen Ernstfall vor. Dabei geht es nicht darum, einen Krieg als unvermeidlich darzustellen, sondern einen möglichen Gegner davon abzuhalten, ihn überhaupt zu beginnen.

Die Gefahr hat sich verändert

Das neue Drohnenabwehrzentrum ist deshalb kein Hinweis darauf, dass Deutschland unmittelbar vor einem Krieg steht.

Es zeigt vielmehr, dass sich die Sicherheitslage verändert hat.

Ein Gegner benötigt heute nicht unbedingt Kampfflugzeuge oder Raketen, um erheblichen Schaden anzurichten. Eine kleine Drohne, ein Cyberangriff oder eine gezielte Sabotageaktion kann bereits einen Flughafen lahmlegen, Produktionsanlagen beeinträchtigen oder wichtige Verkehrswege stören.

Für Deutschland besteht derzeit daher vor allem eine erhöhte Gefahr durch hybride Angriffe, Spionage, Cyberattacken und Sabotage. Ein unmittelbar bevorstehender großangelegter militärischer Angriff auf Deutschland ist dagegen gegenwärtig nicht erkennbar.

Das neue Zentrum in Cochstedt soll dazu beitragen, dass Deutschland gerade auf die schnell wachsende Bedrohung durch Drohnen besser vorbereitet ist.

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