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Bauern schlagen Alarm: Schlechte Ernten und hohe Kosten bringen viele Betriebe in Bedrängnis

LMX5Fotografie (CC0), Pixabay

Deutschlands Landwirte stehen zunehmend unter wirtschaftlichem Druck. Die Ernten fallen geringer aus, gleichzeitig steigen die Kosten für Diesel, Dünger, Pflanzenschutz und Personal. Nach Einschätzung des Deutschen Bauernverbandes liegt das Problem dabei nicht allein am Wetter und am Klimawandel.

Bauernpräsident Joachim Rukwied warnt, dass zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe inzwischen Schwierigkeiten haben, genügend Geld für die nächste Aussaat und Ernte aufzubringen. Die Bauern müssten jetzt Saatgut und Diesel bezahlen, später kämen Kosten für Dünger und Pflanzenschutzmittel hinzu. Fehle dafür das Geld, könne die nächste Ernte nicht ausreichend finanziert werden.

Getreideernte fällt um sieben Prozent

Für 2026 erwartet der Bauernverband eine Getreideernte von rund 41,9 Millionen Tonnen. Das wären etwa sieben Prozent weniger als im vergangenen Jahr. Auch der Vergleich über einen längeren Zeitraum zeigt einen Rückgang. Im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre wurden jährlich rund 42,5 Millionen Tonnen Getreide geerntet.

Besonders deutlich wird die Entwicklung beim Weizen. Im Jahr 2014 wurden in Deutschland noch rund 28 Millionen Tonnen Weizen geerntet. Für dieses Jahr werden lediglich 20,9 Millionen Tonnen erwartet.

Nach Ansicht des Bauernverbandes handelt es sich deshalb nicht nur um ein schlechtes einzelnes Erntejahr. Die Erntemengen gingen bereits seit längerer Zeit zurück.

Drei Gründe für die sinkenden Ernten

Bauernpräsident Rukwied nennt dafür im Wesentlichen drei Ursachen.

Zum einen werde weniger intensiv gedüngt. Zum anderen hätten Landwirte weniger Möglichkeiten, Schadinsekten und Pflanzenkrankheiten zu bekämpfen. Als dritten wichtigen Faktor nennt er die Folgen des Klimawandels.

Hinzu kommt in diesem Jahr die teilweise extreme Trockenheit. Besonders betroffen sind Regionen in Süddeutschland. Dort hat es teilweise seit Mitte Juni kaum noch geregnet. Auf einzelnen Flächen drohen deshalb erhebliche Ernteverluste oder sogar Totalausfälle.

Lebensmittel werden teurer – bei den Bauern kommt davon wenig an

Für die Landwirtschaft ergibt sich gleichzeitig ein weiteres Problem: Während Verbraucher im Supermarkt für zahlreiche Lebensmittel mehr bezahlen müssen, steigen die Einnahmen der Bauern nicht entsprechend.

Nach Darstellung des Bauernverbandes sind die Preise, die Landwirte für ihre Produkte erhalten, in vielen Bereichen sogar rückläufig. Damit entsteht eine schwierige Kombination: Die Produktionskosten steigen, während die Verkaufserlöse der Bauern unter Druck stehen.

Das lässt sich nach Angaben des Verbandes beispielsweise bei Süßkirschen beobachten. Türkische Kirschen würden teilweise für rund 3,30 Euro je Kilogramm angeboten. Die Produktionskosten deutscher Landwirte gingen dagegen in Richtung vier Euro je Kilogramm.

Damit können heimische Erzeuger bei solchen Preisen kaum konkurrieren.

Diesel wird für Landwirte zum Kostenproblem

Auch die hohen Kraftstoffkosten belasten die Betriebe. Landwirtschaftliche Maschinen benötigen große Mengen Diesel. Steigt dessen Preis, verteuert sich praktisch jeder Arbeitsschritt auf dem Feld.

Nach Angaben Rukwieds gibt es vor allem in Süddeutschland inzwischen Felder, die nicht ausreichend bearbeitet werden. Neben der Trockenheit spiele dabei auch Geld eine Rolle. Manche Landwirte würden Arbeiten reduzieren, weil der dafür benötigte Diesel zu teuer sei.

Der Bauernverband spricht deshalb bei vielen Betrieben bereits von einer Liquiditätskrise. Es gehe teilweise nicht mehr nur darum, wie hoch der Gewinn eines Betriebes ausfällt, sondern darum, ob überhaupt genügend Geld vorhanden ist, um das nächste Wirtschaftsjahr und die nächste Ernte zu finanzieren.

Bauernverband fordert schnelle staatliche Hilfe

Rukwied verlangt deshalb ein Sofortprogramm des Bundes. Die Unterstützung müsse schnell erfolgen und dürfe nicht erst Monate später bei den Betrieben ankommen.

Konkret fordert der Bauernverband unter anderem eine Aufstockung der Düngemittelhilfe auf 180 Millionen Euro. Außerdem soll die Dieselsteuer mindestens bis Ende November gesenkt werden.

Auch bei den europäischen Direktzahlungen verlangt der Verband Änderungen. Der größte Teil dieser Zahlungen soll nach seiner Vorstellung bereits im Oktober statt erst Ende Dezember an die Landwirte ausgezahlt werden. Damit hätten die Betriebe früher Geld zur Verfügung, um die nächste Ernte vorzubereiten.

Besonders der Süden leidet unter der Trockenheit

Die Situation ist allerdings nicht überall in Deutschland gleich. Bei der diesjährigen Ernte zeigt sich ein deutliches Nord-Süd-Gefälle. Während die Bedingungen in einigen nördlichen Regionen günstiger sind, leiden Teile Süddeutschlands massiv unter fehlendem Regen.

Für manche Felder kommt Niederschlag inzwischen zu spät. Die Pflanzen haben entscheidende Wachstumsphasen bereits unter Trockenstress durchlaufen. Deshalb kann selbst späterer Regen die entstandenen Schäden nicht mehr vollständig ausgleichen.

Der Bauernverband warnt damit vor einem grundsätzlichen Problem: Klimawandel, geringere Erträge, steigende Betriebskosten und niedrige Erzeugerpreise treffen gleichzeitig aufeinander. Hält diese Entwicklung an, könnten immer mehr landwirtschaftliche Betriebe wirtschaftlich unter Druck geraten oder ihre Produktion reduzieren.

Rukwied sieht darin nicht nur ein Problem für die Bauern selbst. Er betrachtet eine leistungsfähige heimische Landwirtschaft auch als Frage der Versorgungssicherheit Deutschlands. Deshalb müsse die Politik dafür sorgen, dass landwirtschaftliche Betriebe genügend wirtschaftliche Perspektiven haben, um auch im kommenden Jahr wieder aussäen und produzieren zu können.

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