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Sonnenfinsternis ohne böses Erwachen: Warnungen verhindern offenbar schwere Augenschäden

jasongillman (CC0), Pixabay

Die große Sorge vor zahlreichen Augenverletzungen nach der Sonnenfinsternis hat sich bislang nicht bestätigt. Obwohl Millionen Menschen das seltene Himmelsschauspiel beobachteten und die Sonne in Deutschland je nach Standort zu einem sehr großen Teil vom Mond verdeckt wurde, registrierten Augenärzte nur wenige Patienten mit tatsächlichen Netzhautschäden. Schwere Verletzungen sind nach den bisherigen Erkenntnissen weitgehend ausgeblieben. Fachleute führen das auch darauf zurück, dass die Bevölkerung vor der Sonnenfinsternis intensiv über die Gefahren eines ungeschützten Blicks in die Sonne informiert worden war.

In den Tagen rund um das Ereignis hatten Augenärzte immer wieder vor einer sogenannten solaren Schädigung der Netzhaut gewarnt. Besonders tückisch ist dabei, dass das menschliche Auge die Gefahr nicht zuverlässig erkennt. Während einer Sonnenfinsternis wirkt das Sonnenlicht deutlich schwächer, weil ein großer Teil der Sonnenscheibe vom Mond verdeckt wird. Das kann Beobachter dazu verleiten, länger direkt hinzusehen. Die verbleibende Strahlung kann für die empfindliche Netzhaut jedoch weiterhin gefährlich sein.

Nach der Finsternis zeigte sich nun ein überraschend beruhigendes Bild. In großen deutschen Augenkliniken erschienen nach Angaben des Berufsverbands der Augenärztinnen und Augenärzte jeweils höchstens rund 20 Menschen zur Kontrolle. In vielen Kliniken bewegte sich die Zahl sogar lediglich im niedrigen einstelligen Bereich. Noch weniger Betrieb herrschte offenbar in zahlreichen Augenarztpraxen: Dort gab es teilweise überhaupt keine entsprechenden Patienten oder lediglich einzelne Nachfragen.

Auch bei den Menschen, die sich vorsichtshalber untersuchen ließen, bestätigte sich der Verdacht auf eine Verletzung nur selten. Lediglich bei einem kleinen Bruchteil konnte tatsächlich eine nachweisbare Schädigung der Netzhaut festgestellt werden. Damit fällt die erste medizinische Bilanz deutlich günstiger aus, als angesichts der enormen Aufmerksamkeit für das astronomische Ereignis hätte befürchtet werden können.

Eine wichtige Rolle dürften die zahlreichen Warnungen im Vorfeld gespielt haben. Über Fernsehen, Radio, Zeitungen und Internet wurde immer wieder erklärt, dass nur speziell dafür vorgesehene Sonnenfinsternisbrillen für den direkten Blick auf die Sonne geeignet sind. Normale Sonnenbrillen reichen dafür nicht aus. Gleichzeitig wurden alternative Beobachtungsmöglichkeiten wie Lochkameras empfohlen, bei denen die Sonne nicht unmittelbar betrachtet werden muss.

Dass diese Hinweise offenbar von vielen Menschen beachtet wurden, zeigt nach Einschätzung der Augenärzte, wie wirkungsvoll Prävention sein kann. Gerade bei einem seltenen Ereignis wie einer Sonnenfinsternis ist die Versuchung groß, für einige Sekunden ohne Schutz nach oben zu schauen. Die geringe Zahl bislang festgestellter Verletzungen spricht jedoch dafür, dass sich viele Beobachter der Risiken bewusst waren.

Vollständig abgeschlossen ist die medizinische Bilanz trotzdem noch nicht. Netzhautschäden müssen sich nicht unmittelbar nach dem Blick in die Sonne deutlich bemerkbar machen. Manche Betroffene könnten Veränderungen ihres Sehvermögens erst Stunden oder Tage später wahrnehmen. Deshalb rechnen Augenärzte damit, dass möglicherweise noch weitere Patienten zur Untersuchung kommen.

Bestimmte Symptome sollten dabei ernst genommen werden. Dazu zählen insbesondere verschwommenes oder unklares Sehen sowie Veränderungen im zentralen Gesichtsfeld. Beim Lesen kann beispielsweise der Eindruck entstehen, dass einzelne Buchstaben fehlen oder nicht mehr scharf erkannt werden. Gerade Linien können plötzlich gebogen oder wellenförmig erscheinen. Auch ein ungewöhnlicher Fleck im Zentrum des Sichtfeldes kann Anlass für eine augenärztliche Untersuchung sein.

Die besondere Gefahr entsteht dadurch, dass die Netzhaut keine Schmerzrezeptoren besitzt, die einen Menschen unmittelbar vor einer zu hohen Lichtbelastung warnen würden. Ein schädigender Blick in die Sonne muss deshalb nicht mit Schmerzen verbunden sein. Gerade diese fehlende unmittelbare Warnreaktion macht den direkten Blick so riskant.

Das astronomische Ereignis war in Deutschland besonders eindrucksvoll. Der Mond schob sich zwischen Erde und Sonne und bedeckte von Deutschland aus betrachtet regional bis zu 90 Prozent der Sonnenscheibe. Eine vollständige Verdunkelung gab es hierzulande zwar nicht, doch auch die partielle Sonnenfinsternis lockte zahlreiche Menschen ins Freie.

Noch spektakulärer war das Ereignis in anderen Teilen Europas und des Nordatlantiks. In Grönland, Island und Spanien sowie einem kleinen Gebiet im Nordosten Portugals konnte eine totale Sonnenfinsternis beobachtet werden. Dort verschwand die Sonnenscheibe für kurze Zeit vollständig hinter dem Mond.

Für Augenmediziner war das Ereignis deshalb auch ein großer Test für die vorherige Aufklärungsarbeit. Die bisherigen Ergebnisse fallen erfreulich aus. Trotz des enormen öffentlichen Interesses kam es offenbar nicht zu einer größeren Welle schwerer Augenverletzungen.

Endgültige Sicherheit gibt es allerdings erst nach einigen Tagen. Sollten Menschen erst verspätet Veränderungen ihres Sehvermögens bemerken, könnten die Patientenzahlen noch steigen. Dennoch zeichnet sich bereits ab, dass die eindringlichen Warnungen vor dem ungeschützten Blick in die Sonne viele Menschen erreicht haben.

Damit bleibt von der Sonnenfinsternis für die allermeisten Beobachter offenbar das zurück, was sie sein sollte: ein außergewöhnliches Naturschauspiel – und nicht der Beginn dauerhafter Sehprobleme.

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