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PFAS in Lebensmittelverpackungen: Neue EU-Grenzwerte sollen „Ewigkeitschemikalien“ zurückdrängen

Servetphotograph (CC0), Pixabay

Viele Verpackungen für Fast Food und andere Lebensmittel bestehen auf den ersten Blick aus umweltfreundlichen Materialien wie Papier, Pappe oder Zuckerrohrfasern. Doch gerade solche Einwegprodukte wurden teilweise mit sogenannten PFAS behandelt. Die Fluorchemikalien sorgen dafür, dass Fett und Flüssigkeiten nicht durch die Verpackung dringen. Für Umwelt und Gesundheit können diese Stoffe jedoch problematisch sein.

Seit dem 12. August 2026 gelten neue gesetzliche Vorgaben für PFAS in Lebensmittelverpackungen. Hersteller und Importeure dürfen Verpackungen, die die festgelegten Grenzwerte überschreiten, nicht mehr neu auf den Markt bringen. Die Grenzwerte sind so niedrig angesetzt, dass eine gezielte Behandlung von Lebensmittelverpackungen mit PFAS praktisch ausgeschlossen werden soll.

Warum PFAS überhaupt in Verpackungen eingesetzt werden

PFAS steht für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen. Hinter der Bezeichnung verbirgt sich eine sehr große Gruppe von mehr als 10.000 verschiedenen chemischen Verbindungen.

Ihre besonderen Eigenschaften haben sie für zahlreiche Produkte interessant gemacht. PFAS können Materialien wasser-, schmutz- und fettabweisend machen. Sie wurden beziehungsweise werden deshalb beispielsweise für Outdoor-Bekleidung, Imprägniersprays, beschichtete Pfannen und bestimmte Lebensmittelkontaktmaterialien eingesetzt.

Bei Lebensmittelverpackungen erfüllen sie vor allem einen praktischen Zweck: Eine Tüte mit Pommes frites, ein Karton mit einem Burger oder eine Verpackung für fettiges Gebäck soll nicht innerhalb kurzer Zeit durchweichen.

Genau diese Funktion hat jedoch ihren Preis.

Warum von „Ewigkeitschemikalien“ gesprochen wird

PFAS sind chemisch ausgesprochen stabil und werden in der Umwelt nur sehr schwer oder überhaupt nicht abgebaut. Deshalb werden sie häufig als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet.

Einmal freigesetzt, können sie sich über Wasser und Böden verbreiten und in die Nahrungskette gelangen. PFAS wurden inzwischen selbst in weit entfernten Regionen nachgewiesen.

Problematisch ist außerdem, dass sich bestimmte Vertreter dieser Stoffgruppe im menschlichen Körper anreichern können.

Für verschiedene PFAS gibt es Hinweise auf gesundheitsschädliche Wirkungen. Genannt werden unter anderem mögliche Auswirkungen auf das Immunsystem, den Hormonhaushalt und die Schilddrüsenfunktion. Für einige Verbindungen bestehen zudem Hinweise auf krebserzeugende Eigenschaften. Bestimmte PFAS können darüber hinaus die Immunantwort und damit auch die Wirksamkeit von Impfungen beeinträchtigen.

Nicht jede der mehr als 10.000 PFAS-Verbindungen ist allerdings gleichermaßen untersucht oder gesundheitlich gleich zu bewerten.

Untersuchungen fanden PFAS in zahlreichen Einwegprodukten

Dass das Problem nicht nur theoretischer Natur ist, zeigen Untersuchungen von Lebensmittelverpackungen.

Das Institut für Bedarfsgegenstände in Lüneburg untersuchte 2024 rund 40 Proben von Einwegverpackungen aus Papier, Pappe und Bagasse. Bei Bagasse handelt es sich um Rückstände aus der Zuckerrohrverarbeitung, die zu Verpackungsmaterial verarbeitet werden können.

In 20 Proben wurden Fluorchemikalien festgestellt, darunter nach Angaben der Verbraucherzentralen auch bereits verbotene Substanzen.

Besonders kritisch können als kompostierbar beworbene Verpackungen sein. Werden PFAS-haltige Produkte tatsächlich kompostiert oder über andere Abfallströme in die Umwelt eingetragen, können die langlebigen Chemikalien in Böden gelangen und sich von dort weiter verbreiten.

Studie fand absichtlich zugesetzte Fluorchemikalien

Bereits eine europäische Untersuchung aus dem Jahr 2021 hatte das Problem deutlich gemacht. Untersucht wurden Lebensmittelverpackungen und Einweggeschirr aus nachwachsenden Rohstoffen wie Papier, Pappe, Zuckerrohr und Weizen.

Von insgesamt 99 betrachteten Produkten wurden 42 genauer im Labor auf Fluorchemikalien untersucht.

Nach Angaben der Verbraucherzentralen ergab die Untersuchung, dass bei 32 der 42 untersuchten Verpackungen die Fluorchemikalien offenbar absichtlich eingesetzt worden waren. Bei den übrigen zehn wurden Verunreinigungen festgestellt.

Besonders hohe Belastungen fanden sich demnach bei bestimmten als kompostierbar beworbenen Einwegprodukten aus Zuckerrohr.

Auch in untersuchten Verpackungen verschiedener großer Fast-Food-Ketten wurden Fluorchemikalien in Konzentrationen festgestellt, die auf eine gezielte Behandlung schließen ließen.

Seit 12. August 2026 gelten strengere Regeln

Eine wesentliche Änderung bringt nun die europäische Verpackungsregulierung.

Seit dem 12. August 2026 dürfen Hersteller und Importeure Lebensmittelverpackungen nicht mehr neu auf den Markt bringen, wenn diese die neuen PFAS-Grenzwerte überschreiten.

Damit soll insbesondere verhindert werden, dass PFAS weiterhin gezielt eingesetzt werden, um Verpackungen wasser- oder fettabweisend zu machen.

Das bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass seit dem 12. August sämtliche möglicherweise PFAS-haltigen Verpackungen aus Restaurants, Geschäften und Lagern verschwunden sind. Wie lange bereits vorhandene Verpackungen noch im Umlauf bleiben, ist nach Angaben der Verbraucherzentralen derzeit nicht eindeutig absehbar.

Können Verbraucher PFAS in einer Verpackung erkennen?

Mit bloßem Auge lässt sich normalerweise nicht feststellen, ob eine Verpackung PFAS enthält. Eine allgemeine Kennzeichnungspflicht, aus der Verbraucher den Einsatz solcher Stoffe unmittelbar erkennen könnten, besteht bei entsprechenden Bedarfsgegenständen nicht.

Die Verbraucherzentralen nennen einen einfachen Test, der zumindest einen Hinweis liefern kann: Dazu wird ein Tropfen Speiseöl auf die Verpackung gegeben.

Bleibt das Öl als Tropfen beziehungsweise Perle auf der Oberfläche liegen, kann dies auf eine besonders fettabweisende Behandlung des Materials hindeuten. Zieht das Öl dagegen ein oder verläuft es, ist ein PFAS-Einsatz weniger wahrscheinlich.

Ein Beweis ist dieser sogenannte Perlen-Test allerdings nicht. Auch andere Beschichtungen oder Herstellungsverfahren können dafür sorgen, dass Fett nicht in das Material eindringt. Eine sichere Feststellung ist nur durch eine entsprechende chemische Untersuchung möglich.

Mehrweg reduziert das Verpackungsproblem

Wer den Kontakt mit problematischen Einwegverpackungen möglichst vermeiden möchte, kann auf Mehrwegbehälter setzen. Besonders geeignet sind beispielsweise Behälter aus Edelstahl.

Auch bei Getränken und Veranstaltungen können Mehrwegsysteme Einwegmaterialien ersetzen. Statt Papierstrohhalmen kommen beispielsweise wiederverwendbare Trinkhalme aus Glas oder Edelstahl infrage.

Für Essen und Getränke zum Mitnehmen bestehen bereits seit 2023 gesetzliche Vorgaben für Mehrwegalternativen. Größere Gastronomiebetriebe müssen grundsätzlich eine Mehrwegoption anbieten. Für kleinere Betriebe gelten erleichterte Regelungen; sie müssen unter bestimmten Voraussetzungen mitgebrachte Behälter der Kunden befüllen.

Neue Grenzwerte sind ein wichtiger Schritt

Die seit August 2026 geltenden Beschränkungen sollen eine wesentliche Eintragsquelle für PFAS reduzieren. Das Problem der langlebigen Chemikalien ist damit allerdings nicht beseitigt. PFAS wurden über Jahrzehnte in zahlreichen Produkten eingesetzt und befinden sich bereits in Böden, Gewässern und Nahrungsketten.

Gerade deshalb ist die Vermeidung weiterer Einträge von besonderer Bedeutung. Für Verbraucher bleibt Mehrweg statt Einweg eine einfache Möglichkeit, nicht nur Verpackungsmüll zu reduzieren, sondern auch den Kontakt mit möglicherweise problematisch beschichteten Lebensmittelverpackungen zu verringern.

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