Normalerweise gelten die Sommermonate an der Börse als eher schwierige Zeit. Viele Anleger sind im Urlaub, es wird weniger gehandelt und die Kurse können stärker schwanken. In diesem Jahr ist es bislang anders: Der deutsche Aktienmarkt und die Börsen in den USA bewegen sich auf sehr hohem Niveau.
Der DAX erreichte in dieser Woche einen neuen Rekord von mehr als 26.450 Punkten. Am Freitag, 14. August 2026, beendete er den Handel bei 26.440 Punkten. Auch in den USA erreichten wichtige Aktienindizes zuletzt neue Höchststände.
Warum steigen die Aktienkurse?
Ein wichtiger Grund sind die Gewinne vieler großer Unternehmen. Zahlreiche Konzerne verdienen weiterhin gut. Besonders Technologieunternehmen profitieren von den hohen Investitionen in Künstliche Intelligenz.
Hinzu kommt die Hoffnung auf niedrige oder zumindest nicht weiter steigende Zinsen. Wenn die Zinsen niedrig sind, werden Aktien für Anleger häufig interessanter. Unternehmen können sich außerdem günstiger Geld leihen und investieren.
Auch zuletzt nachlassende Inflationssorgen sorgten für gute Stimmung. Sinkende Energiepreise können Unternehmen zusätzlich entlasten, weil ihre Produktions- und Transportkosten dadurch geringer ausfallen.
Warum schlechte Wirtschaftsdaten manchmal sogar gut für die Börse sind
Auf den ersten Blick wirkt es widersprüchlich: Die Wirtschaft schwächelt – und trotzdem steigen die Aktienkurse.
Dafür gibt es eine Erklärung. Wenn sich die Wirtschaft etwas abkühlt, kann auch der Preisdruck nachlassen. Die Notenbanken haben dann weniger Grund, die Zinsen anzuheben.
Für die Börse kann eine leichte wirtschaftliche Abkühlung deshalb sogar positiv sein.
Problematisch wird es allerdings, wenn daraus eine echte Wirtschaftskrise entsteht. Dann sinken möglicherweise die Umsätze und Gewinne der Unternehmen. In diesem Fall könnten auch die Aktienkurse deutlich unter Druck geraten.
Warum der DAX trotz schwacher deutscher Wirtschaft steigt
Auch in Deutschland scheint es zunächst merkwürdig, dass der DAX Rekorde erreicht, obwohl die Wirtschaft weiterhin Probleme hat.
Der DAX ist jedoch kein genaues Abbild der deutschen Wirtschaft. Die großen deutschen Konzerne verdienen einen erheblichen Teil ihres Geldes im Ausland. Für ihre Geschäftsentwicklung ist deshalb nicht nur entscheidend, was in Deutschland passiert.
Läuft das Geschäft beispielsweise in den USA, Asien oder anderen wichtigen Märkten gut, können die Gewinne eines DAX-Konzerns steigen, obwohl die deutsche Wirtschaft kaum wächst.
Die hohen Kurse haben auch eine Schattenseite
Je stärker die Börsen steigen, desto größer wird allerdings die Gefahr von Rückschlägen. Denn bei hohen Aktienkursen erwarten Anleger auch entsprechend gute Unternehmensgewinne.
Enttäuscht ein Unternehmen diese Erwartungen, kann seine Aktie schnell deutlich fallen.
Besonders hoch sind die Erwartungen derzeit bei einigen Technologie- und KI-Unternehmen. Dort haben die Kurse teilweise bereits stark zugelegt. Anleger bezahlen also viel Geld für die Hoffnung, dass diese Unternehmen auch künftig kräftig wachsen.
Ölpreise, Inflation und Krisen bleiben Risiken
Hinzu kommen die politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten. Kriege und andere geopolitische Konflikte können beispielsweise die Energiepreise wieder nach oben treiben.
Steigende Ölpreise verteuern Transporte und die Produktion vieler Waren. Dadurch könnte auch die Inflation wieder zunehmen.
Das wiederum könnte die Notenbanken dazu bewegen, die Zinsen länger hoch zu halten oder sogar anzuheben. Für die Aktienmärkte wäre das eine Belastung.
Geht die Sommerrally weiter?
Das lässt sich nicht sicher vorhersagen. Für weiter steigende Kurse spricht, dass viele Unternehmen weiterhin gute Geschäfte machen und Anleger Aktien kaufen.
Gleichzeitig befinden sich die Börsen bereits auf sehr hohem Niveau. Dadurch steigt das Risiko, dass schlechte Nachrichten stärkere Kursverluste auslösen.
Gerade im Sommer kann dies besonders schnell passieren. Weil weniger Anleger handeln, können bereits vergleichsweise kleine Verkaufsaufträge größere Kursbewegungen verursachen.
Was Anleger jetzt beachten sollten
Anleger sollten sich von den Rekordständen weder zu Panikverkäufen noch zu unüberlegten Käufen verleiten lassen.
Wer langfristig investiert, sollte vor allem darauf achten, sein Geld auf verschiedene Unternehmen, Branchen und Länder zu verteilen. Dadurch lässt sich das Risiko verringern.
Wer jetzt einen größeren Betrag investieren möchte, kann außerdem darüber nachdenken, das Geld nicht auf einmal, sondern in mehreren Schritten anzulegen. Damit sinkt das Risiko, ausgerechnet unmittelbar vor einem stärkeren Kursrückgang einzusteigen.
Bislang ist aus dem erwarteten Sommerloch also eine Sommerrally geworden. Ob sie bis in den Herbst anhält, hängt vor allem von den Unternehmensgewinnen, der Inflation, den Zinsen und der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung ab. Die Rekordstände zeigen Stärke – sie sind aber keine Garantie dafür, dass die Kurse weiter steigen.