Ein kurzer Druck auf ein Nebelhorn hat auf der norwegischen Inselgruppe Spitzbergen empfindliche finanzielle Konsequenzen. Ein Mensch muss 50.000 norwegische Kronen – umgerechnet rund 4.550 Euro – Geldstrafe zahlen, nachdem er einen schlafenden Eisbären mit dem Nebelhorn eines Schiffes aufgeschreckt hatte.
Der ungewöhnliche Vorfall ereignete sich Anfang August in einem Fjord im Nordosten Spitzbergens, rund 1.000 Kilometer vom Nordpol entfernt. Passagiere eines Schiffes hatten an Land einen schlafenden Eisbären entdeckt. Dann wurde das Nebelhorn betätigt.
Die Folgen ließen sich unmittelbar beobachten: Der Eisbär wachte auf und lief davon.
Eisbären genießen auf Spitzbergen besonderen Schutz
Was möglicherweise als spontane Aktion gedacht war, wird auf Spitzbergen keineswegs als Bagatelle behandelt. Nach den dort geltenden Vorschriften ist es verboten, Eisbären unnötig zu stören, anzulocken oder zu verfolgen.
Genau dieser besondere Schutz wurde dem Verursacher nun zum Verhängnis. Der Gouverneur des Archipels teilte mit, dass eine Geldstrafe von 50.000 Kronen verhängt wurde. Die Identität der betreffenden Person wurde nicht veröffentlicht.
Der Fall zeigt, wie konsequent die Behörden den Schutz der Tiere auslegen: Es muss kein Eisbär verletzt oder verfolgt werden, damit ein Eingriff Konsequenzen hat. Bereits das unnötige Aufscheuchen eines ruhenden Tieres kann ausreichen.
Nur wenige Hundert Eisbären auf dem Archipel
Spitzbergen ist eine der bekanntesten Eisbärenregionen Europas. Die Inselgruppe liegt weit nördlich des norwegischen Festlands und umfasst eine Fläche von ungefähr der doppelten Größe Belgiens.
Nach der im Bericht genannten jüngsten Zählung aus dem Jahr 2015 lebten dort rund 260 Eisbären. Bereits seit 1972 stehen die Tiere auf der Inselgruppe unter besonderem Schutz.
Besucher bewegen sich damit in einem empfindlichen Lebensraum, in dem der Schutz der Wildtiere klare Grenzen für touristische Begegnungen setzt.
Aus einer kuriosen Geschichte wird ein ernstes Signal
Auf den ersten Blick klingt der Fall beinahe skurril: Ein Eisbär schläft, ein Nebelhorn ertönt – und anschließend wird eine Geldstrafe von mehreren Tausend Euro fällig.
Hinter der Geschichte steckt jedoch eine ernsthafte Botschaft. Wildtiere in der Arktis sind keine touristische Attraktion, die für ein besseres Foto oder eine spektakulärere Beobachtung aufgeweckt werden darf.
Für den betroffenen Eisbären war der Zwischenfall möglicherweise nur ein unerwarteter Weckruf. Für den Menschen am Nebelhorn wurde er dagegen ausgesprochen teuer: Rund 4.550 Euro kostet ihn die Störung der arktischen Ruhe.