Handgefertigte Kunstwerke aus Epoxidharz liegen auf TikTok im Trend. Millionen Nutzer bestaunen dort kunstvoll gestaltete Schneidebretter, Untersetzer, Lampen oder Skulpturen, die mit aufwendigen Videos beworben werden. Doch genau diesen Boom machen sich Cyberkriminelle jetzt zunutze. Sicherheitsexperten schlagen Alarm: Immer häufiger tauchen gefälschte TikTok-Konten auf, die gestohlene Videos echter Künstler verwenden, Bestellungen entgegennehmen und anschließend spurlos verschwinden. Für Käufer endet der vermeintliche Traum vom einzigartigen Kunstwerk nicht selten mit einem finanziellen Verlust.
Resin-Kunst – also Dekorationsobjekte aus Epoxidharz – gehört seit Monaten zu den erfolgreichsten Kategorien auf TikTok. Die kurzen Videos zeigen oft spektakuläre Herstellungsprozesse mit leuchtenden Farben, eingegossenen Motiven oder beeindruckenden Lichteffekten. Millionen Aufrufe sorgen dafür, dass viele Nutzer spontan ein solches Einzelstück kaufen möchten.
Genau auf diese Kaufbereitschaft setzen inzwischen professionelle Betrüger.
Gestohlene Videos als Lockmittel
Nach Erkenntnissen der IT-Sicherheitsexperten von Malwarebytes kopieren Kriminelle zunehmend Videos echter Künstler und veröffentlichen diese auf eigenen TikTok-Profilen.
Für Nutzer wirkt der Account dadurch authentisch. Die hochwertigen Aufnahmen vermitteln den Eindruck, dass die gezeigten Kunstwerke tatsächlich vom Betreiber des Profils gefertigt werden. Tatsächlich stammen die Videos jedoch häufig von völlig anderen Künstlern, deren Inhalte ohne Erlaubnis übernommen wurden.
Interessenten werden anschließend aufgefordert, den vermeintlichen Verkäufer per Direktnachricht zu kontaktieren, um eine individuelle Bestellung aufzugeben.
Geld bezahlt – Ware bleibt aus
Hat sich ein Käufer gemeldet, beginnt die eigentliche Betrugsmasche.
Die Täter verlangen häufig eine Anzahlung oder sogar den vollständigen Kaufpreis im Voraus. Nachdem das Geld überwiesen wurde, erhalten viele Kunden jedoch nie die versprochene Ware. Kontaktversuche bleiben erfolglos, Nachrichten werden nicht mehr beantwortet und die TikTok-Konten verschwinden teilweise kurze Zeit später vollständig.
Damit funktionieren diese Profile letztlich wie klassische Fake-Shops – nur dass sie ihre Kunden direkt über soziale Netzwerke gewinnen.
Echte Künstler werden ebenfalls geschädigt
Von der Betrugsmasche sind nicht nur Käufer betroffen.
Auch die tatsächlichen Urheber der Kunstwerke leiden unter den gefälschten Profilen. Mehrere Künstler berichteten bereits, dass ihre Videos ohne Zustimmung kopiert und auf fremden Accounts veröffentlicht wurden. Während die Originalkünstler keinerlei Einnahmen erhalten, kassieren die Betrüger das Geld der Kunden.
Für die Betroffenen entsteht dadurch nicht nur ein wirtschaftlicher Schaden. Viele Käufer glauben zunächst, beim eigentlichen Künstler bestellt zu haben, und machen diesen später für ausbleibende Lieferungen verantwortlich.
Betrug könnte sich schnell nach Deutschland ausbreiten
Die bislang dokumentierten Fälle betreffen zwar überwiegend englischsprachige TikTok-Konten.
Nach Einschätzung von Sicherheitsexperten lässt sich die Masche jedoch problemlos auf andere Länder übertragen. Da viele Nutzer ohnehin international einkaufen und Kunstwerke weltweit bestellt werden können, besteht auch für deutsche Verbraucher ein entsprechendes Risiko.
Mit wenigen sprachlichen Anpassungen könnten Kriminelle identische Fake-Shops problemlos im deutschsprachigen Raum betreiben.
Warnsignale vor dem Kauf erkennen
Verbraucherschützer und IT-Experten empfehlen, TikTok-Angebote vor einer Bestellung sorgfältig zu prüfen.
Misstrauisch sollten Käufer insbesondere werden, wenn:
- das TikTok-Konto erst seit kurzer Zeit besteht,
- kaum Informationen über den Künstler vorhanden sind,
- ausschließlich fertige Produkte gezeigt werden, aber keine Einblicke in den Herstellungsprozess,
- Bestellungen ausschließlich über Direktnachrichten abgewickelt werden,
- ungewöhnlich hohe Anzahlungen verlangt werden.
Gerade bei handgefertigten Produkten veröffentlichen seriöse Künstler meist regelmäßig neue Inhalte aus ihrer Werkstatt und dokumentieren die Entstehung ihrer Arbeiten.
Auch die Website genau prüfen
Viele TikTok-Profile verlinken zusätzlich auf einen eigenen Online-Shop.
Vor einer Bestellung lohnt sich ein genauer Blick auf die Internetseite. Fehlende Kontaktdaten, kein Impressum, unvollständige Angaben zum Unternehmen oder eine erst kürzlich registrierte Internetadresse können auf einen unseriösen Anbieter hindeuten.
Auch die angebotenen Zahlungsmethoden geben wichtige Hinweise. Werden ausschließlich Überweisungen oder andere Zahlungsarten ohne Käuferschutz akzeptiert, steigt das Risiko erheblich.
Käuferschutz kann vor hohen Verlusten bewahren
Wer Kunst oder andere Produkte über soziale Netzwerke bestellt, sollte möglichst auf sichere Zahlungswege setzen.
Zahlungsmethoden mit integriertem Käuferschutz – etwa über PayPal oder Kreditkartenanbieter – bieten im Streitfall häufig bessere Möglichkeiten, bereits gezahltes Geld zurückzufordern. Reine Banküberweisungen lassen sich dagegen nach der Ausführung meist nicht mehr rückgängig machen.
Experten raten außerdem dazu, Bewertungen nicht ausschließlich auf dem TikTok-Profil selbst zu lesen, sondern auch unabhängig nach Erfahrungen anderer Käufer zu suchen.
Social Media wird zunehmend zur Plattform für Betrüger
Der aktuelle Fall zeigt erneut, dass soziale Netzwerke längst nicht mehr nur Unterhaltungsplattformen sind. Mit der wachsenden Bedeutung von TikTok, Instagram oder Facebook als Verkaufsplattformen steigt auch das Interesse organisierter Betrüger.
Besonders gefährlich ist dabei die emotionale Wirkung kurzer Videos. Hochwertig produzierte Inhalte schaffen schnell Vertrauen und verleiten viele Nutzer zu spontanen Kaufentscheidungen, ohne die Seriosität des Anbieters genauer zu prüfen.
Vorsicht schützt vor teuren Enttäuschungen
Die Betrugsmasche rund um vermeintliche Resin-Künstler verdeutlicht, wie professionell Internetkriminelle inzwischen vorgehen. Gestohlene Videos, überzeugend gestaltete Profile und scheinbar exklusive Einzelstücke reichen oft aus, um das Vertrauen potenzieller Käufer zu gewinnen.
Wer jedoch vor einer Bestellung den Verkäufer sorgfältig überprüft, auf transparente Unternehmensangaben achtet und ausschließlich sichere Zahlungsmethoden mit Käuferschutz nutzt, kann das Risiko deutlich reduzieren. Gerade bei außergewöhnlich schönen Kunstwerken gilt deshalb eine einfache Regel: Erst prüfen, dann bezahlen.